Gewalt gegen Deserteure Massentötungen in Syrien entsetzen die Welt

Massenhaft lässt das Assad-Regime vermeintliche Deserteure erschießen, auch Waffenschmuggel hat Syriens Staatschef mit der Todesstrafe belegt. Nun forderte Kanzlerin Merkel ein sofortiges Ende der Gewalt im Land, scharfe Kritik kommt auch von den Vereinten Nationen.

AP/ Sham News Network

Damaskus - Am Montag hatte es noch nach einer Entspannung der Lage in Syrien ausgesehen - nun kommen neue Schreckensnachrichten aus dem umkämpften Land. Bei Angriffen seien in der Provinz Idlib am Dienstag rund hundert Deserteure getötet oder verletzt worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London.

Gleichzeitig wächst der diplomatische Druck auf Präsident Baschar al-Assad, der am Montag noch verkündet hatte, nun doch internationale Beobachter ins Land lassen zu wollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Gewalt der syrischen Regierung gegen das eigene Volk am Dienstag scharf verurteilt. Die Kanzlerin sei zutiefst besorgt über die fortdauernde Verletzung der Menschenrechte und der elementaren Grundfreiheiten in Syrien, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

"Sie fordert die syrische Regierung auf, die brutale Gewalt gegen Zivilisten und Kinder und Frauen sofort einzustellen, wie auch die Gewalt gegen Deserteure aus der syrischen Armee", so Seibert weiter. Zugleich begrüßt die Bundesregierung, dass die Uno-Vollversammlung am Vortag in einer Resolution die Verletzung der Menschenrechte in Syrien verurteilt hatte. Das Land sei nun aufgefordert, den Aktionsplan der Arabischen Liga umgehend und vollständig umzusetzen.

Spätestens zum Jahresende will die Liga mit ihren Beobachtern in Syrien präsent sein. "Ich kann mit einiger Sicherheit - aber nicht mit Bestimmtheit - sagen, dass sie bis Ende kommender Woche alle dort sein werden", sagte Arabische-Liga-Generalsekretär Nabil al-Arabi der Nachrichtenagentur Reuters. Die Experten sollen das Vorgehen der Führung in Damaskus gegen die seit Monaten demonstrierende Opposition beobachten.

Die jüngsten Kämpfe ereigneten sich den Angaben zufolge am Dienstagvormittag zwischen den Dörfern Kafruwed und al-Fatira, rund 330 Kilometer nördlich der Hauptstadt Damaskus, berichtete die Beobachtungsstelle unter Berufung auf Zeugen vor Ort. Dabei habe die syrische Armee die Deserteure umzingelt und sie dann getötet oder verletzt. In Kafruwed habe die Armee darüber hinaus Dutzende Zivilisten, darunter zahlreiche Oppositionsaktivisten, eingekesselt.

Assad stellt Waffenschmuggel unter Todesstrafe

Im Sommer hatte sich ein Verbund von Deserteuren der syrischen Armee gegründet, der mit dem oppositionellen syrischen Nationalrat zusammenarbeitet. Assad sieht sich seit Mitte März landesweiten Massenprotesten ausgesetzt, die er blutig niederschlagen lässt. Nach Uno-Schätzungen wurden seitdem mindestens 5000 Menschen getötet.

Um potentielle Widerstandskämpfer abzuschrecken hat Assad zudem am Dienstag ein Gesetz erlassen, das die Todesstrafe für Lieferanten von Waffen an "Terroristen" vorsieht. Die Todesstrafe werde gegen diejenigen verhängt, die helfen würden, Waffen zum Begehen von Anschlägen zu besorgen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Dienstag. Waffenschmuggel generell werde mit 15 Jahren Zwangsarbeit bestraft.

jok/dpa/Reuters



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insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
infernum 20.12.2011
1. In Syrien nichts Neues
Zitat von sysopMassenhaft lässt das Assad-Regime vermeintliche Deserteure erschießen, auch Waffenschmuggel hat Syriens Staatschef*mit der Todesstrafe belegt. Nun forderte Kanzlerin Merkel ein sofortiges Ende der Gewalt im Land, scharfe Kritik kommt auch von den Vereinten Nationen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804910,00.html
Jeden Abend hören und sehen wir z.B. in den Tagesthemen: "Die Gewalt in Syrien nimmt weiter zu." Wie das aussehen soll, ist unklar. Eine Steigerung wird zur Steigerung wird zur Steigerung... .Klar erscheint, dass die so genannte Weltgemeinschaft kein Mittel gegen und kein intensives Interesse an diesem Konflikt hat. Frau Merkel fordert das Ende. Nun! Scharfe Kritik von der UN. Diplomatie muss die Dinge beim Namen nennen.
trubeldubel 20.12.2011
2.
Zitat von sysopMassenhaft lässt das Assad-Regime vermeintliche Deserteure erschießen, auch Waffenschmuggel hat Syriens Staatschef*mit der Todesstrafe belegt. Nun forderte Kanzlerin Merkel ein sofortiges Ende der Gewalt im Land, scharfe Kritik kommt auch von den Vereinten Nationen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804910,00.html
Waffenschmuggel gehört bestraft. Und in Fällen kriegerischer Auseinandersetzungen (auch im Bürgerkriegsfall) sowieso. In D würde auch nicht anders reagiert werden. Was es bedeutet, nicht konsequent gegen gewalttätige Ausschreitungen vorzugehen, hat Libyen gezeigt.
rene_w 20.12.2011
3. Lieber Spiegel,
"[...] entsetzen die Welt [...]" überlassen Sie bitte dem Leser, ob er sich über solch eine Meldung entsetzt oder nicht! Solch eine Überschrift soll beim geneigten Leser schon vorab das Entsetzen erzeugen, oder wieso wird schon direkt in der Überschrift mit Gefühlen "hantiert"? Auch wenn die Allgemeinheit natürlich entsetzt ist - so wie ich auch: Das ist ein billiges Stilmittel der Presse geworden, um auch unterschwellig in allen Bereichen Stimmungsmache zu betreiben und gehört in seriöse Berichterstattung nicht! rein. Auffällig wird diese vorweg genommene "Stimmungsmache" gerade in Bezug auf Syrien oder ähnlichen von der Presse titulierten "Krisenherden". Überlassen Sie die Meinungsbildung bitte dem Leser in einem gewissen Rahmen! Danke.
erkaem 20.12.2011
4. Deserteure
Zitat von sysopMassenhaft lässt das Assad-Regime vermeintliche Deserteure erschießen, auch Waffenschmuggel hat Syriens Staatschef*mit der Todesstrafe belegt. Nun forderte Kanzlerin Merkel ein sofortiges Ende der Gewalt im Land, scharfe Kritik kommt auch von den Vereinten Nationen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804910,00.html
Es ist weltweit nichts ungewöhnliches, wenn Deserteure erschossen werden. Insbesondere dann, wenn sie zum Feind überlaufen. Da ist ziemlich viel Heuchelei dabei. Bis vor wenigen Jahren waren hier in der Bundesrepublik Deserteure aus dem WKII noch verfemt und verurteilt.
LinkesBazillchen 20.12.2011
5. Deserteure hofieren?
Dass Desertieure hofiert werden könnten, wäre in Deutschland durchaus vorstellbar. Ansonsten ging es Deserteuren zu allen Zeiten schlecht, besonders im Kriegsfall - und der liegt doch wohl vor. Und ganz besonders, wenn die Deserteure gegen die eigenen Truppen schießen. Die Welt leidet unter selektiven Ertürnung - die Ganze Welt? Naja.
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