Kairo - Die Sicherheitskräfte sind bewaffnet, tragen Schutzkleidung und Schlagstöcke. Einer der Männer setzt gerade zu einem Fußtritt an. Das Opfer trägt Jeans und leichte Schuhe, der Oberkörper ist halb entblößt. Wehrlos liegt die junge Frau am Boden und muss die Schläge ihrer Peiniger ertragen. Das Bild ist auf dem Tahrir-Platz in Kairo entstanden - und könnte zum Symbol für das neue Aufflackern der Revolution in Ägypten werden.
Die Bilder belegen eine besonders perfide Taktik der Sicherheitskräfte im Kampf gegen die Aufständischen in dem nordafrikanischen Land: Immer wieder wird dort von Übergriffen von Soldaten und Polizei gegen weibliche Demonstranten berichtet. Diese werden nicht nur verprügelt, sondern zusätzlich öffentlich entblößt und teils unsittlich berührt. Mit dieser extremen Form der Demütigung sollen Frauen von der Teilnahme an Protestaktionen abgehalten werden. Die aktuellen Bilder aus Kairo scheinen einen dieser Übergriffe zu belegen.
Klar ist zu erkennen, dass die Kleidung der jungen Frau von den bewaffneten Männern teils zerrissen und entfernt wurde, der nackte Bauch und ein blauer BH sind zu sehen. Einer der Männer zielt mit seinem Fuß auf die Körpermitte seines Opfers. Erst als andere Demonstranten zur Hilfe eilen, lassen die Männer von ihr ab.
Den Vorfall, der sich am Wochenende ereignet haben soll, hat die Frau nach Angaben von ägyptischen Menschenrechtlern mit leichten Verletzungen an Händen und Beinen überstanden.
Ihre Identität ist unbekannt, ihren Namen will sie nicht in den Medien lesen. "Es ist völlig egal, ob ich mit der Presse rede, die Bilder des Übergriffs sprechen für sich. Sie sollten reichen, um das Militär zu überführen und alle aufzuklären, die immer noch an die Armee glauben", wird sie im britischen "Guardian" zitiert.
Militäreinsatz fordert zahlreiche Tote
Seit Tagen gehen die Sicherheitskräfte in Kairo brutal gegen Demonstranten vor. Bei den schwersten Ausschreitungen seit Wochen wurden in der Nacht zum Samstag neun Menschen getötet. Das Gesundheitsministerium meldete, etwa 300 Menschen seien verletzt worden.
Die Proteste richten sich gegen den Militärrat, der nach dem Sturz Mubaraks im Februar die Macht übernommen hatte. Die Demonstranten vor dem Kabinettsgebäude hatten zudem verhindern wollen, dass die vom Militärrat eingesetzte Übergangsregierung von Ministerpräsident Kamal al-Gansuri dort ihre Arbeit aufnimmt.
jok
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