Ägypten nach dem Putsch Tote bei Schusswechsel vor Kaserne in Kairo

In Kairo ist es zu einem ersten blutigen Zwischenfall gekommen. Mursi-Anhänger zogen zu einer Kaserne der Republikanischen Garde - sie vermuten dort den abgesetzten Präsidenten. Vor dem Gebäude entwickelte sich ein Schusswechsel, mindestens drei Menschen sollen getötet worden sein.

DPA

Kairo - Für den Abend werden in Kairo neue Auseinandersetzungen befürchtet - nun ist es schon am Nachmittag zu einem gewalttätigen Zwischenfall gekommen. Anhänger des abgesetzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi und Soldaten haben sich in der ägyptischen Hauptstadt Schusswechsel geliefert. Nach Angaben der Nachrichtenagenturen AFP und Reuters gab es mindestens drei Tote.

Ein Sprecher des Militärs dementierte die Darstellungen. Die Armee habe lediglich Platzpatronen und Tränengas gegen die Demonstranten eingesetzt, hieß es.

Die Lage ist derzeit äußerst unübersichtlich. Der BBC-Reporter Jeremy Bowen umriss die Situation auf Twitter kurz vor Beginn der Ausschreitungen so: "Disziplinierter Auftritt der Muslimbruderschaft. Mehrere Tausend hier." Wenige Minuten später schrieb er: "Auf die Demonstration der Muslimbruderschaft beim Offiziersclub wird scharf geschossen, als die Menge nach vorne drängt. Verletzte." Zuvor habe das Militär in die Luft geschossen, berichtet die BBC.

Im Offiziersclub der Republikanischen Garde soll Mohammed Mursi festgehalten werden. Sicher ist dies jedoch nicht. Die Republikanische Garde hat als Aufgabe, die Hauptstadt zu schützen und insbesondere strategisch wichtige Zentren wie den Präsidentenpalast.

Unklar ist bisher, wer den Schusswechsel begonnen hat. Von beiden Seiten war dem Bericht zufolge Gewehrfeuer zu hören, mehrere Demonstranten fielen zu Boden. Die Muslimbrüder und weitere islamistische Organisationen hatten für Freitag landesweit zu friedlichen Demonstrationen gegen die Entmachtung Mursis aufgerufen.

Tatsächlich demonstrierten Zehntausende Ägypter am Freitag nach dem Mittagsgebet in Kairo und anderen Städten. Sie zogen durch die Straßen, um gegen die Absetzung Mursis durch das Militär zu protestieren. Mit dem "Freitag der Ablehnung" wollten die Islamisten zum Ausdruck bringen, dass sie den "Militärputsch" nicht hinnehmen. Zwischenfälle gab es zunächst keine. Das Militär hatte angekündigt, dass es durchgreifen werde, sollten die Demonstrationen aus dem Ruder laufen. Der Höhepunkt der Proteste wird am Abend erwartet.

Auch die Mursi-Gegner wollen auf die Straße

Die größte Kundgebung fand vor der Rabia-al-Adawija-Moschee in der Kairoer Vorstadt Nasr City statt. Tausende Menschen strömten auch in Alexandria, Luxor und Damanhur im Nildelta zusammen. Auch die Gegner Mursis, die den Militäreinsatz begrüßen, riefen zu Demonstrationen auf. Ihre Botschaft: Die Islamisten strebten eine Konterrevolution an, deshalb dürfe ihnen die Straße nicht überlassen werden.

Das Militär hatte Mursi am Mittwoch gestürzt, nachdem er tagelange, zum Teil blutige Massenproteste gegen seine Herrschaft nicht hatte beruhigen können. Verfassungsgerichtspräsident Adli Mansur trat die vorübergehende Nachfolge an.

jok/AFP/Reuters/dpa

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insgesamt 48 Beiträge
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megamekerer 05.07.2013
1. Kommisch
Auf dem Foto, in der Mitte sehe ich ein Plakat die nicht in arabisch geschrieben ist, vielleicht Afghanisch oder iranische Sprache? Wer sind eigentlich diese Moslem Bruder? Kommen sie aus dem Ausland?
ihawk 05.07.2013
2. Regierung frei von Religion
Die ideale Besetzung einer neuen Regierung sollte frei von religiösem Einfluss sein. Eine weitere Polarisierung würde sonst zur Spaltung des Landes führen ... ähnlich wie damals aus Indien Pakistan hervor ging.
schattenplateau 05.07.2013
3. Wann wird Ägpten endlich zum Frieden kommen ?
Die Menschen in Ägypten haben mein Beileid...
serek 05.07.2013
4. Irgendwas stimmt hier nicht
Habe Gestern mit einem Arbeitskollegen aus Saudi-Arabien gesprochen. Er machte auf mich einen sehr gebildeten und moderaten Eindruck. Laut seiner Aussage wollen 90% der Bürger diesen Präseidenten, jedoch lässt das alte Regime das nicht zu. Kurzgefasst: - Musri Anhänger = 90% - Altes Regime = Restlichen 10%
knaake 05.07.2013
5. Demokratie geht anders ...
Wie Mursi in den letzten Tagen so treffend bemerkte, war es ein Militärputsch bei dem eine rechtmässig und demokratisch gewählte Regierung gewaltsam abgesetzt wurde. Die Vorlage dürfte mittel- bis langfristige Konsequenzen haben.
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