Menschenrechtsverletzungen Europäische Journalisten in Burundi verhaftet

Sie wollten über die Menschenrechtsverletzungen berichten, die das zentralafrikanische Burundi seit Monaten erschüttern: Nun sind zwei europäische Reporter in dem Krisenstaat verhaftet worden.

Unruhen in Bujumbura: Zwei europäische Journalisten verhaftet
AP

Unruhen in Bujumbura: Zwei europäische Journalisten verhaftet


Sicherheitskräfte in Burundi haben einen in Berlin lebenden britischen Fotojournalisten und den Afrika-Bürochef der französischen Zeitung "Le Monde" festgenommen. Phil Moore und Jean-Philippe Rémy würden derzeit verhört, sagte der stellvertretende Polizeisprecher Moise Nkurunziza am Freitag.

Moore sei am Donnerstagnachmittag in der Hauptstadt Bujumbura festgenommen worden, weil er in einer Gruppe mit Kriminellen gewesen sei. Die Polizei habe in den Brennpunktvierteln Jabe und Nyakabiga Razzien durchgeführt und die europäischen Journalisten dabei aufgegriffen, teilten die Polizeibehörden mit.

Zuerst sei nur der britische Fotograf verhaftet worden. Als sich der französische Journalist bei der Polizei nach seinem Kollegen erkundigte, sei auch er "zum Zwecke der Befragung" verhaftet worden, so ein Polizeisprecher. Beide Journalisten sind bei den örtlichen Behörden als Berichterstatter akkreditiert.

In einer Stellungnahme auf der Webseite Lemonde.fr verlangt die Zeitung die umgehende Freilassung ihres Kollegen. "Le Monde"-Chefredakteur Jérôme Fenoglio sagte, beide Mitarbeiter seien mit einem Journalistenvisum im Land gewesen und gingen nur ihrem Beruf nach, sich mit Vertretern aller Konfliktparteien zu treffen.

Was beiden Männern vorgeworfen wird, blieb zunächst unklar. Der burundische Regierungssprecher Willy Nyamitwe bestätigte die Festnahme von 17 Menschen, zu denen auch die Reporter gehörten, im Kurznachrichtendienst Twitter.

Burundi steckt seit April in einer tiefen Krise. Auslöser war das Bestreben von Präsident Pierre Nkurunziza, sich trotz einer gesetzlichen Begrenzung auf zwei Amtszeiten ein weiteres Mandat zu sichern.

Seither kommt es immer wieder zu schwersten Gewalttaten. Den Vereinten Nationen zufolge wurden mindestens 400 Menschen getötet. Die Uno warnte nach Massakern an Oppositionellen von Anfang Dezember vor einer neuen Dimension der Gewalt in dem Krisenstaat. Menschen würden gefoltert, sexuelle Gewalt und Morde richteten sich vor allem gegen eine Volksgruppe.

Fast eine viertel Million Menschen ist seit Beginn der Krise im April aus Angst vor einer weiteren Eskalation in Nachbarländer geflohen. In dem armen Land mit rund elf Millionen Einwohnern ging erst vor einem Jahrzehnt ein Bürgerkrieg zwischen der Hutu-Mehrheit und der Tutsi-Minderheit mit 300.000 Toten zu Ende.

29. Januar 2016, 21:15 Uhr: Inzwischen haben uns Meldungen erreicht, dass die zwei in Burundi festgenommenen Journalisten wieder auf freiem Fuß sind. Wie die Vereinigung der Auslandskorrespondenten Ostafrikas der Agentur AFP mitteilte, wurden sie 24 Stunden nach ihrer Festnahme wieder freigelassen.

cht/Reuters/dpa

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