Hamburg - Die israelische Luftwaffe hat den Beschuss des Gaza-Streifens am Montag den vierten Tag in Folge fortgesetzt: Bei den Luftangriffen wurden nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte fünf Palästinenser getötet.
Unter den Toten war den Angaben zufolge ein 15-jähriger Palästinenser. Bei dem Beschuss im Norden des Küstengebiets seien am Morgen zudem sechs weitere Schüler verletzt worden, hieß es. Seit Freitag kamen damit nach palästinensischen Angaben durch israelische Luftangriffe 23 Palästinenser ums Leben, mehr als 70 wurden verletzt.
Es ist die schlimmste Welle der Gewalt seit einem halben Jahr. Sie war am Freitag durch die Tötung eines militanten Palästinenserführers vom "Volkswiderstandskomitee" ausgelöst worden. Nach israelischen Angaben soll er einen größeren Anschlag an der Grenze zu Ägypten geplant haben.
Eine Sprecherin der israelischen Armee bestätigte am Montag mehrere Angriffe. Diese hätten einem Waffenlager sowie fünf Raketenabschussanlagen gegolten. Einen Angriff in dem Gebiet, wo der 15-Jährige getötet wurde, bestritt die Armee jedoch entschieden. Allerdings erklärte der Sprecher des Notdienstes in Gaza, Adham Abu Semija, ein unbemanntes israelisches Flugzeug habe in der Nähe der Stadt Beit Lahija eine Gruppe von Jugendlichen angegriffen, die auf dem Weg zur Schule gewesen seien.
Islamischer Dschihad will Raketenangriffe auf Israel fortsetzen
Laut Abu Semija gab es in der Nacht zum Montag mindestens sechs Luftangriffe auf das Palästinensergebiet, davon zwei auf das Flüchtlingslager Dschabalija im Norden des Gaza-Streifens. Dabei habe es 33 Verletzte gegeben, hauptsächlich Kinder.
Der Chefsprecher der israelischen Armee, General Joav Mordechai, sagte, Israel habe bislang "chirurgische Schläge" ausgeführt. "Alle Ziele waren Terroristen, mit Ausnahme eines Kindes in der Nähe einer Raketenabschussrampe des Islamischen Dschihad." Der General beschuldigte die Palästinenserorganisation, Waffen aus Iran und anderen Quellen in einem Haus versteckt zu haben. Dieses sei von der Luftwaffe bombardiert worden.
Der Islamische Dschihad erklärte, sein militärischer Arm werde "auf die Eskalation mit Eskalation antworten" und seine Angriffe "um jeden Preis" fortsetzen. "Wir akzeptieren nur unsere eigenen Bedingungen für eine Waffenruhe", sagte ihr Sprecher im Gaza-Streifen.
Militante Palästinenser feuerten am Montag erneut rund 40 Raketen und Mörsergranaten auf israelische Städte und Grenzorte ab. Insgesamt sind seit Beginn der jüngsten Runde der Gewalt am Freitag nach Angaben der Armee 195 Raketen und Mörsergranaten auf den jüdischen Staat abgeschossen worden. Davon konnten den Angaben zufolge gut 50 von dem Raketenabwehrsystem "Iron Dome" abgefangen werden. Wegen der Raketenangriffe blieben am Sonntag und Montag im Süden Israels viele Schulen geschlossen.
Der für strategische Angelegenheiten zuständige israelische Minister Mosche Jaalon erklärte, die Gewalt werde so lange weitergehen, bis die palästinensische Seite begreife, dass es nicht in ihrem Interesse sei, Raketen auf Israel abzufeuern. Mit der im Gaza-Streifen herrschenden radikalislamischen Hamas werde Israel nicht verhandeln. Die Hamas habe sich aber an Ägypten gewandt, um eine "Beruhigung" des Konflikts mit Israel zu erreichen.
Nahost-Quartett will Friedensprozess wiederbeleben
Israel forderte am Montag Hilfe vom Uno-Sicherheitsrat. Die internationale Gemeinschaft müsse dafür sorgen, dass die anhaltenden Raketenangriffe auf israelische Zivilisten gestoppt würden, erklärte der stellvertretende israelische Uno-Botschafter Chaim Waxman in einem Schreiben an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Gleichzeitig warnte er, Israel werde "alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um seine Bürger zu schützen".
Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte in Berlin, die Bundesregierung sehe die Gewalt "mit Sorge" und rufe beide Seiten auf, "dringend Auswege aus der Situation zu suchen". Es müsse alles unterlassen werden, was den Friedensprozess im Nahen Osten erschwere.
Für Montagabend ist in New York ein Treffen des Nahost-Quartetts geplant, das sich um die Wiederbelebung des Friedensprozesses in der Region bemüht. Dem Viererbund gehören die USA, Russland, die Vereinten Nationen und die Europäische Union an.
Zu dem Treffen wurden unter anderen US-Außenministerin Hillary Clinton, ihr russischer Kollege Sergej Lawrow und Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon erwartet. Der Koreaner äußerte sich "tief besorgt" über die Eskalation. Der Raketenbeschuss auf den Süden Israels sei "inakzeptabel". Gleichzeitig forderte er die Israelis zu "maximaler Zurückhaltung" auf.
Der Nahost-Friedensprozess liegt seit dem Abbruch der Gespräche im September 2010 auf Eis. Die Palästinenser hatten sich damals aus den Verhandlungen zurückgezogen, weil Israel sich weigerte, einen Baustopp für seine Siedlungsaktivitäten in Ostjerusalem und im Westjordanland zu verlängern.
syd/anr/AFP/dpa/Reuters
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