Gewalt in Nordirland: Probritische Krawallmacher verletzen mehr als 50 Polizisten

Loyalist in Belfast: Autos brannten, Flaschen flogen Zur Großansicht
AP/dpa

Loyalist in Belfast: Autos brannten, Flaschen flogen

Belfast kommt nicht zur Ruhe: In der Nacht auf Samstag kam es zu Krawallen, probritische Demonstranten griffen Polizisten an, mehrere Dutzend wurden verletzt. Eine Konfrontation zwischen Loyalisten und Republikanern ging glimpflich aus.

Belfast - Bei Straßenschlachten zwischen der Polizei und probritischen Krawallmachern sind im nordirischen Belfast in der Nacht zu Samstag mindestens 56 Polizisten verletzt worden, fünf mussten im Krankenhaus behandelt werden. Zunächst waren 26 Verletzte gemeldet worden.

Auslöser der Gewalt war der Versuch probritischer Demonstranten, die Route eines geplanten Umzugs der Republikaner zu blockieren. Es flogen Steine und Flaschen, mehrere Autos wurden angezündet und Geschäfte beschädigt. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein und feuerte Gummigeschosse ab. Kurzzeitig standen sich auch die republikanischen Demonstranten und gegnerischen Loyalisten gegenüber, konnten aber von der Polizei getrennt werden.

Die Republikaner gedachten mit dem Umzug des Jahrestags, an dem 1971 den britischen Behörden das Recht erteilt worden war, Verdächtige ohne Anklage zu inhaftieren. Dies war eine der umstrittensten Maßnahmen während des jahrzehntelangen Konflikts zwischen katholischen Republikanern und probritischen Protestanten. Der Konflikt wurde 1998 mit dem Karfreitag-Abkommen beigelegt, doch kommt es immer noch gelegentlich zu Gewalt zwischen den Volksgruppen.

Die Polizei spricht aber bei Straßenschlachten häufig davon, dass es sich bei den Teilnehmern um Krawallmacher handelt, die um jeden Preis Unruhen auslösen wollen.

bim/AFP/dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Krawalle...
jordy1 10.08.2013
leider vergisst der Spiegel hier mit zu erwähnen, das bei dem ganzen von gestern abend leider auch ein deutsches Auto gebrannt hat aus Heidelberg. Dies kann man deutlich am Nummernschild erkennen, welches auf der Seite der Irish Times ist. Zitat: Die Polizei spricht aber bei Straßenschlachten häufig davon, dass es sich bei den Teilnehmern um Krawallmacher handelt, die um jeden Preis Unruhen auslösen wollen. Dies ist richtig, da die allgemeinheit hier in der Stadt auch Ruhe haben will und nicht auf Krawall aus ist.
2. Das ist kein Religionskrieg!
paddyman 10.08.2013
Halten Sie ihre Leser eigentlich für ungebildet? Der Nordirlandkonflikt ist kein Religionskrieg. Religion ist und war in der Region immer nur ein Indikator für eine bestimmte politische Zugehörigkeit. Bitte unterlassen Sie doch endlich Begriffe wie "katholische Republikaner" und "probritische Protestanten". Fakt ist, dass selbst namhafte Protestanten auf republikanischer Seite gekämpft haben (z. B. Wolfe Tone). Fakt ist leider auch, dass die meisten H4-TV-Seher wirklich glauben, dass in Nordirland ein Konfessionskrieg herrscht. Sie tragen mit Ihrer Berichterstattung dazu bei.
3. Es ist höchste Zeit...
egowehner 10.08.2013
daß sich das ehemalige Empire von den letzten Relikten seiner ´glorreichen´ Kolonialzeit trennt. Diese hat ja wohl mehr als 6 Millionen Opfer weltweit gefordert. Auch wenn das großenteils zweit- und drittklassige Menschen waren, wie gewisse Cliquen auch heute noch meinen, es waren Menschen. Verdammte christliche Heuchelei.
4. optional
UrheberTM 10.08.2013
Ich bin dieses Jahr zum dritten mal in Folge zu dieser Jahreszeit in Belfast. Aus eigener Anschauung kann ich der Einschätzung der nordirischen Polizei zustimmen: Die Auseinandersetzungen haben keinerlei politische oder protestierende Dimension, sondern sind ausschließlich von der Lust auf Krawall getrieben. Die historische, einstmals sinnvolle Etikettierung als "loyal" und "probritisch" ist heutzutage absurd. Die Krawallmacher sind vornehmlich Jugendliche im Alter von ca. 13 – 20 Jahren ohne politische oder soziale Agenda, welche die Autos ihrer eigenen (ebenfalls protestantischen und britischen!) Nachbarn in Flammen setzen, die eigene Polizei und die eigene Feuerwehr angreifen, somit die eigene Staatskasse schädigen und dabei den eben noch angeblich stolz getragenen Union Jack dabei als Wurfspeer verwenden. Es fällt schwer, darin einen Akt patriotischer, probritischer Loyalität zu sehen. Hier wird ein histotrischer Konflikt als Vorwand missbraucht, ein wenig trouble zu machen. Zwar gibt es eine handvoll politischer Figuren in Nordirland, die derartigen Krawallen noch immer eine politische Dimension zuschreiben möchten, um damit ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Diese Leute sind dann mit ihren streitsüchtigen Aussagen natürlich in den News zu sehen, wodurch es wirken mag, als sei hier wirklich etwas im Busch. Doch auf den Straßen Belfasts jedoch sieht man auch heute: Das Leben geht normal weiter, niemand hat Lust darauf, zu einem Zeitalter der Troubles zurückzukehren.
5.
roastbeef 10.08.2013
Zitat von UrheberTMIch bin dieses Jahr zum dritten mal in Folge zu dieser Jahreszeit in Belfast. Aus eigener Anschauung kann ich der Einschätzung der nordirischen Polizei zustimmen: Die Auseinandersetzungen haben keinerlei politische oder protestierende Dimension, sondern sind ausschließlich von der Lust auf Krawall getrieben. Die historische, einstmals sinnvolle Etikettierung als "loyal" und "probritisch" ist heutzutage absurd. Die Krawallmacher sind vornehmlich Jugendliche im Alter von ca. 13 – 20 Jahren ohne politische oder soziale Agenda, welche die Autos ihrer eigenen (ebenfalls protestantischen und britischen!) Nachbarn in Flammen setzen, die eigene Polizei und die eigene Feuerwehr angreifen, somit die eigene Staatskasse schädigen und dabei den eben noch angeblich stolz getragenen Union Jack dabei als Wurfspeer verwenden. Es fällt schwer, darin einen Akt patriotischer, probritischer Loyalität zu sehen. Hier wird ein histotrischer Konflikt als Vorwand missbraucht, ein wenig trouble zu machen. Zwar gibt es eine handvoll politischer Figuren in Nordirland, die derartigen Krawallen noch immer eine politische Dimension zuschreiben möchten, um damit ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Diese Leute sind dann mit ihren streitsüchtigen Aussagen natürlich in den News zu sehen, wodurch es wirken mag, als sei hier wirklich etwas im Busch. Doch auf den Straßen Belfasts jedoch sieht man auch heute: Das Leben geht normal weiter, niemand hat Lust darauf, zu einem Zeitalter der Troubles zurückzukehren.
Nichtsdestotrotz ist die Ursache der Krawalle die ungelöste politische Situation in Nordirland. Sonst gäbe es ja auch in jeder anderen Region Großbritanniens oder in Frankreich oder Deutschland diese Krawalle. Und ja, es gibt pro-britische Demonstranten (sehen Sie sich nur in anderen Medien Fotos an, die Demonstranten in Union Jacks gehüllt zeigen), und andere pro-irisch. Letztere wollen tatsächlich zurück zur Republik Irland. Es sind sicher auch viele reine Krawallmacher dabei, aber der Situation ihre politische Bedeutung abzusprechen, finde ich sehr fragwürdig, wie oben beschrieben.
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