Gewalt gegen internationale Helfer Uno setzt Impfkampagne in Pakistan aus

Der Einsatz ist zu gefährlich: Die Weltgesundheitsorganisation und Unicef haben ihre Impfkampagne gegen Kinderlähmung in Pakistan nach mehreren Anschlägen auf Mitarbeiter vorläufig eingestellt - auch am Mittwoch fielen tödliche Schüsse.

Medizinische Hilfe für einen Mitarbeiter der Impfkampagne: Der Mann wurde angeschossen
DPA

Medizinische Hilfe für einen Mitarbeiter der Impfkampagne: Der Mann wurde angeschossen


Islamabad - Für die Helfer der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Uno-Kinderhilfswerks Unicef gilt in Pakistan derzeit eine deutliche Empfehlung: Sie sollen vorerst zu Hause bleiben statt die Impfkampagne gegen Kinderlähmung fortzusetzen.

Die Organisationen reagierten damit auf eine neue Angriffsserie, bei der am Mittwoch drei Mitarbeiter der Impfkampagne erschossen wurden. Bereits am Montag und Dienstag waren sechs Helfer getötet worden.

Nur einen Tag nach den gezielten Schüssen auf mehrere Mitarbeiter der Impfkampagne wurden am Mittwoch erneut Helfer attackiert. Drei Unbekannte auf Motorrädern töteten laut Polizei eine Frau und ihren Fahrer in Charsadda im Nordwesten des Landes. Im nahe gelegenen Peschawar wurde ein Freiwilliger mit einem Kopfschuss lebensgefährlich verletzt. Der junge Mann sei von Tür zu Tür gegangen, um Kindern den Impfstoff gegen Kinderlähmung zu verabreichen, sagte ein Polizeisprecher.

In Pakistan lehnen viele Eltern eine Impfung ihrer Kinder ab. Grund sind Vorbehalte Geistlicher und islamistischer Aufständischer. Im Juni untersagte der Taliban-Kommandeur im Stammesgebiet von Nord-Waziristan jede Impfung auf "seinem" Gebiet. Er verdächtigte die Mitarbeiter der Kampagne, Spione zu sein.

Wer allerdings die Impfaktion mit Gewalt stoppte, war unklar. Bereits im Sommer war eine Anti-Polio-Aktion nach dem Tod von Mitarbeitern abgebrochen worden. WHO-Koordinator Elias Durry erklärte, die Sicherheitslage werde nun beurteilt. Die WHO arbeitet bei der Immunisierung der Kinder mit lokalen Regierungen zusammen.

hen/dpa/AFP



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insgesamt 9 Beiträge
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allereber 19.12.2012
1. Ungerechte Welt
Jetzt haben diese Verbrecher wieder ihr Ziel erreicht. Die Kinder sind die Opfer.
paulibahn 19.12.2012
2. kurzes gedächtnis
bis zur ermordung bin ladens konnten impfteams auch in islamistengebieten pakistans arbeiten. danach nicht mehr. wieso? weil die usa geheimdienstmitarbeiter als mitglieder solcher impfteams getarnt hat, um so den aufenthaltsort bin ladens zu erfahren.
mundi 19.12.2012
3. Besser Geld als Entwicklungshilfe
Zitat von allereberJetzt haben diese Verbrecher wieder ihr Ziel erreicht. Die Kinder sind die Opfer.
Ich verstehe nicht, warum man in halbwegs zivilisierten Länder Hilfskräfte zum Bauen von Schulen, Brunnenbohren oder Impfen schicken muss. Meistens werden sie gar nicht dazu aufgefordert. Im Gegenteil!
tweet4fun 19.12.2012
4. Ein altes Problem der Menschheit
Leider sind insbesondere die Kinder meistens die Opfer von religiösen Fanatikern. Aber die Kinder sind es nicht allein. Die Frauen sind gleichermaßen die Opfer! In diesem aktuellen Fall ist es einmal wieder der Islam. Allerdings möchte ich davor warnen, den Islam herauszustellen. Es ist nur eine der religiösen Ideen, die offensichtlich ein unausrottbares geistiges Krebsgeschwür der Menschheit darstellen. Religion an sich ist meiner Ansicht nach in den meisten Fällen menschenverachtend und sollte allgemein gemieden werden. Da gibt es die sexuelle Verstümmelung (Islam, Judaismus), die Verhinderung lebensrettender Bluttransfusionen (Zeugen Jehovas), die geistige Indoktrination (Katholizismus), die gesellschaftliche Ausgrenzung und Versklavung (indische Religionen), der Mißbrauch als Selbstmord-Attentäter (Islam), und so weiter, und so fort. Und fast alle Religionen haben eine Gemeinsamkeit: Sie werden geführt und durchgesetzt von Männern, die ihren Machtinstinkt nicht beherrschen können aber meistens kleine, feige Waschlappen sind. Lapidar gesagt: Männer ohne Eier, die andere Menschen als wehrlose Werkzeuge benutzen. Die Liste der Beispiele ist lang, leider viel zu lang für einen Beitrag hier im Forum.
tweet4fun 19.12.2012
5. Oha!
Zitat von mundiIch verstehe nicht, warum man in halbwegs zivilisierten Länder Hilfskräfte zum Bauen von Schulen, Brunnenbohren oder Impfen schicken muss. Meistens werden sie gar nicht dazu aufgefordert. Im Gegenteil!
Sie würden also lieber Geld als Entwicklungshilfe senden, damit das "halbwegs zivilisierte Land" Pakistan davon mehr Waffen kaufen kann? Na hallo!
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