Gewalt in Syrien Armee feuert auf Wohnviertel in Homs

Mit Panzern und unter Gewehrfeuer sind Einheiten des syrischen Militärs in die Stadt Homs vorgedrungen. Dabei wurden mehrere Menschen getötet, Regierungskritiker berichten von Leichen auf den Straßen. Dazu seien zahlreiche Personen festgenommen worden.


Damaskus - Armee und Polizei in Syrien sind am Donnerstag massiv gegen die Bevölkerung in der Stadt Homs vorgegangen. In drei von Sicherheitskräften umstellten Stadtteilen sei heftiges Gewehrfeuer zu hören, sagte der Leiter der syrischen Menschenrechtsliga, Abdel Karim Rihaui. "Zwei Zivilisten wurden durch die Schüsse der Sicherheitskräfte getötet", so Rihaui.

Der Vorsitzende der in London ansässigen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, sagte, die Sicherheitskräfte seien in Homs in Häuser eingedrungen und hätten Menschen festgenommen.

Ein Korrespondent des arabischen Senders al-Dschasira berichtet von Gewehrschützen, die auf den Straßen willkürlich um sich schießen. Dabei beruft sich der Sender auf eine Quelle in der Stadt. Wegen des Dauerfeuers könne man die Leichen nicht mehr von den Straßen räumen, zitiert der al-Dschasira-Reporter seine Informanten weiter.

Seit Tagesanbruch sei in Syriens drittgrößter Stadt heftiges Gewehrfeuer zu hören. Die meisten Stadtviertel seien menschenleer. An einigen Stellen seien Panzer postiert, die Zugänge zu mehreren Stadtteilen seien versperrt worden. Die Berichte sind kaum zu verifizieren, da westliche Reporter nicht mehr aus Syrien berichten dürfen.

Am Wochenende und zu Wochenbeginn waren in der 160 Kilometer nördlich von Damaskus gelegenen Stadt nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten 50 Menschen getötet worden - teils durch Soldaten und regierungstreue Milizen, teils bei gewalttätigen Zusammenstößen von Gegnern und Anhängern der Regierung.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte am Mittwoch von einer "Eskalation der Gewalt gegen friedliche Demonstranten" gesprochen und die syrische Regierung aufgefordert, die Repression umgehend einzustellen. Homs ist eine der Hochburgen der Proteste gegen Staatschef Baschar al-Assad.

Durchsuchungen in Damaskus

In Damaskus wurden in den frühen Morgenstunden am Donnerstag bei Razzien zahlreiche Menschen festgenommen. Regierungstreue Milizen hätten in mindestens drei Stadtteilen mit "großer Gewalt" Häuser durchsucht, erklärte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Seit dem Beginn der Proteste gegen Assad Mitte März kamen nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen landesweit mehr als 1400 Zivilisten ums Leben. Tausende Syrer wurden festgenommen. Vor der Gewalt flohen zudem tausende Syrer in die benachbarte Türkei und in den Libanon. Für Freitag sind erneut Demonstrationen der Regierungsgegner geplant.

jok/dapd/dpa



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