Gewalt in Syrien Assad lässt türkischen Vermittler abblitzen

Syriens Präsident Assad klammert sich an die Macht. Der türkische Außenminister musste den Palast nach einem Vermittlungsversuch unverrichteter Dinge wieder verlassen, zeitgleich rollten in den Protesthochburgen Panzer ein. Laut Aktivisten starben bei Unruhen erneut mehr als 20 Menschen.

Syriens Präsident Assad, türkischer Außenminister Davutoglu: Gespräch ohne Ergebnis
AP

Syriens Präsident Assad, türkischer Außenminister Davutoglu: Gespräch ohne Ergebnis


Amman - Der Vermittlungsversuch ist gescheitert: Sechs Stunden sprach der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu in Damaskus mit syrischen Regierungsvertretern, zwei Stunden davon mit Machthaber Baschar al-Assad - doch der schickte zeitgleich Panzer in mehrere Städte des Landes in den Kampf gegen die Opposition. Aktivisten berichteten einmal mehr von zahlreichen getöteten Zivilisten.

Präsident Assad habe dem türkischen Außenminister gesagt, man werde weiter unnachgiebig "terroristische Gruppen" verfolgen, ließ die staatliche syrische Nachrichtenagentur am Abend verbreiten. Syriens Regierung hatte die Opposition in den letzten Wochen stets als Terroristen bezeichnet. Nach Angaben libanesischer Medien in Beirut drohte Assad gegenüber Davutoglu sogar mit Krieg: "Wenn Sie wegen eines Kompromisses gekommen sind, dann lehnen wir ab. Wenn Sie aber Krieg wollen, dann können Sie ihn haben - in der ganzen Region", wird Assad laut Nachrichtenagentur dpa in libanesischen Medien zitiert.

Davutoglu erklärte am Abend, er habe sich bei Assad für ein Ende des Blutvergießens eingesetzt. Sein Land werde nun die Entwicklungen der kommenden Tage beobachten und mit allen gesellschaftlichen Parteien in Syrien in Kontakt bleiben. Davutoglu habe den syrischen Präsidenten unverhohlen gewarnt, dass er sein eigenes Regime gefährde und die Freundschaft der Türkei verliere, wenn er mit der Gewalt gegen seine eigenen Bürger fortfahre, berichtete die türkische Webseite "todayszaman.com".

Bei den Unruhen kamen nach Angaben der Opposition seit März bisher fast 2000 Regimegegner ums Leben. Mehrere tausend Syrer flohen in die Türkei. Ankara betrachte deshalb die Vorgänge im Nachbarland als "innere (türkische) Angelegenheit", hatte der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan erklärt. "Unsere Geduld ist bald zu Ende."

In den vergangenen Tagen war Damaskus wegen des gewaltsamen Vorgehens der syrischen Armee gegen die Protestbewegung auch in der arabischen Welt zunehmend unter Druck geraten. Mehrere Länder, darunter auch Saudi-Arabien, beriefen ihre Botschafter aus dem Land ab. Ein Berater Assads hat allerdings bereits erklärt, man verbitte sich jede Einmischung in innere Angelegenheiten.

Syrien weitet Militäroffensive gegen Regimegegner aus

Auch am Dienstag ging das syrische Regime militärisch auf Konfrontation: Panzer drangen in die Stadt Binnisch ein, die 30 Kilometer von der Grenze zur Türkei entfernt liegt. Vier Zivilisten seien hier getötet worden, berichten Menschenrechtler. Auch in der Protesthochburg Deir al-Sor wurden die Kämpfe fortgesetzt. Sicherheitskräfte durchkämmten Wohnhäuser, eine gepanzerte Einheit stieß nach diesen Informationen, die von unabhängiger Seite nicht bestätigt werden konnten, bis zur Stadtmitte vor.

Seit Beginn des Sturms auf die 400 Kilometer nordöstlich von Damaskus gelegene Stadt starben nach Angaben von Menschenrechtlern 65 Personen. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur bestritt jedoch einen Einsatz in Deir al-Sor. "Nicht ein einziger Panzer" sei in die Stadt eingedrungen, anderslautende Berichte seien das Werk von Provokateuren. Bei Razzien in der Umgebung der Stadt Hama sollen nach Berichten von Oppositionellen mindestens 26 Menschen getötet worden sein, darunter zwei Kinder.

Die USA würdigten den Besuch Davutoglus. US-Außenministerin Hillary Clinton habe im Vorfeld mit ihm gesprochen, erklärte der Sprecher des Außenministeriums, Mark Toner, in Washington. "Sie haben die Situation in Syrien erörtert. Wir glauben, dass das eine weitere Chance ist, um noch eine klare Nachricht an Assad zu senden, dass die Gewalt gegen friedliche Demonstranten nicht länger Bestand haben kann", erklärte er.

Neben dem türkischen Außenminister will sich auch eine hochrangige Delegation aus Südafrika, Indien und Brasilien ein Bild von der politischen Lage in Syrien verschaffen. Die drei Schwellenländer sind derzeit auch Mitglieder im Uno-Sicherheitsrat.

fab/phw/Reuters/dpa/AP/AFP

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heinerz 09.08.2011
1. Abblitzen?
Zitat von sysopSyriens Präsident Assad klammert sich an die Macht. Der türkische Außenminister musste den Palast nach einem Vermittlungsversuch unverrichteter Dinge wieder verlassen, zeitgleich rollten in den Protesthochburgen Panzer ein. Laut Aktivisten starben bei Unruhen erneut mehr als 20 Menschen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,779314,00.html
Das klingt aber in Syrien ganz anders, demnach habe der türkische Aussenminster Davutoglu gesagt: "He stressed that Syria under the leadership of President al-Assad will become a model in the Arab world after accomplishing the reforms announced by the Syrian leadership, pointing out that stability in Syria is key for the region's stability." Nun kommt bestimmt wieder ein Neunmalkluger daher und sagt, das könne ja alles garnicht sein. Vielleicht. Aber da gibt es ja bestimmt auch ein türkisches Protokoll des Treffens, das der Spiegel dann abdrucken wird
zompel 09.08.2011
2. Wenn man so die Bilder sieht
Zitat von sysopSyriens Präsident Assad klammert sich an die Macht. Der türkische Außenminister musste den Palast nach einem Vermittlungsversuch unverrichteter Dinge wieder verlassen, zeitgleich rollten in den Protesthochburgen Panzer ein. Laut Aktivisten starben bei Unruhen erneut mehr als 20 Menschen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,779314,00.html
würde ich sagen, das sind nur ein- bis zwei Hundert Demonstranten. Waren da nicht mehr aufzutreiben ?
willem.fart 09.08.2011
3. Befreites Kurdistan
"Panzer drangen in die Stadt Binnisch ein, die 30 Kilometer von der Grenze zur Türkei entfernt liegt." Was heisst hier Türkei? Kurdistan.
TSunami61 09.08.2011
4. ...
Zitat von willem.fart"Panzer drangen in die Stadt Binnisch ein, die 30 Kilometer von der Grenze zur Türkei entfernt liegt." Was heisst hier Türkei? Kurdistan.
also ich habe mir nun einige aktuelle offizielle karten angesehen, ein kurdistan finde ich dort nirgendwo.
iskin 09.08.2011
5. Auch in Syrien ist ein Bürgerkrieg im Gange....
Zitat von sysopSyriens Präsident Assad klammert sich an die Macht. Der türkische Außenminister musste den Palast nach einem Vermittlungsversuch unverrichteter Dinge wieder verlassen, zeitgleich rollten in den Protesthochburgen Panzer ein. Laut Aktivisten starben bei Unruhen erneut mehr als 20 Menschen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,779314,00.html
genauso wie in Libyen. Die Aufständischen, unterstützt von USA, welche insgeheim seit langem die Opposition und regierungsfeindliche Programme unterstützt. Warum das ganze? In Libyen, um ähnlich wie in Afghanistan und Irak eine Marionettenregierung zu installieren, um an Öl und Gas zu gelangen. Und in Syrien, damit die Unterstützung der Palästinenser gegen Israel aufhört. Indien, welches den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat übernommen hat, hat vorgeschlagen, dass eine Delegation der Vereinten Nationen nach Damaskus reist um Verhandlungen zu führen. Dieses ist von USA und einigen europäischen Staaten abgelehnt worden. Kann mir mal jemand sagen warum? In Bezug auf Libyen wurde die Forderung des UN-Menschenrechtsrats nach einer Untersuchung zur Niederschlagung der Proteste in Libyen ebenfalls nicht erfüllt. Stattdessen wurde angefangen zu bomben. Wer, bitte schön hat ein Interesse daran, nicht zu verhandeln?
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