Homs - Syrische Soldaten haben erneut Homs, die Hochburg der Oppositionsbewegung, angegriffen. Das Bombardement konzentriere sich auf das Stadtviertel Baba Amr, berichteten Menschenrechtler und Aktivisten. Die Armee hatte nach dem Scheitern der Syrien-Resolution im Uno-Sicherheitsrat ihre Offensive ausgeweitet, hieß es von der Opposition gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Bei der Gewalt in Syrien sind nach Informationen von Menschenrechtlern allein am Montag fast hundert Menschen getötet worden. Beim Bombardement Homs' durch die Armee seien 69 Zivilisten ums Leben gekommen, berichtete die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag. 13 Zivilisten seien außerdem in der Provinz Idlib im Nordwesten des Landes getötet worden und 15 in der Provinz um die Hauptstadt Damaskus.
Wie die Beobachtungsstelle unter Berufung auf Oppositionsaktivisten berichtete, waren auch am Dienstagmorgen in Homs anhaltendes Gewehrfeuer und die Explosion von Granaten zu hören. Ein Einwohner des Viertels Baba Amr sagte der Nachrichtenagentur AFP am Telefon, der Beschuss habe die ganze Nacht nicht aufgehört. Alle fünf Minuten seien rund vier Explosionen zu hören. Wegen der Scharfschützen wage niemand, vor die Tür zu gehen.
"Die Gewalt muss sofort aufhören"
Die Berichte können nicht von unabhängiger Seite überprüft werden. Das Regime Präsident Baschar al-Assads lässt keine ausländischen Journalisten ins Land. Bereits am Wochenende wurde die Weltöffentlichkeit durch Berichte über ein "Massaker" in der Nacht zum Samstag aufgeschreckt, bei dem in Homs nach Angaben der Opposition mehr als 230 Menschen getötet wurden.
Insgesamt wurden seit Beginn des Aufstandes gegen Assad im vergangenen März nach Uno-Angaben mehr als 5400 Menschen getötet. Anderen Angaben zufolge kamen 6000 Menschen ums Leben. Eine Verurteilung durch den Sicherheitsrat kam bislang nicht zustande. China und Russland legten am Wochenende erneut ein Veto gegen einen Resolutionsentwurf ein. Russland ist seit Sowjetzeiten mit Syrien verbündet. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich nun entsetzt von der neuen Gewalt. "Die fehlende Geschlossenheit im Sicherheitsrat gibt den syrischen Behörden keinen Freibrief, um die Angriffe auf das syrische Volk auszudehnen", sagte er in New York.
Keine Regierung könne ihr Volk attackieren, ohne ihre Legitimität zu verlieren, sagte Ban. "Die Gewalt muss sofort aufhören", hieß es in seiner bislang deutlichsten Erklärung zu den Unruhen in Syrien. Ban erinnerte das Assad-Regime daran, "dass es nach internationalem Menschenrecht für alle Straftaten seines Sicherheitsapparats gegen Zivilisten verantwortlich gemacht werden kann".
Westerwelle: "Russland auf der falschen Seite der Geschichte"
Die USA und Großbritannien zogen zuletzt ihre Botschafter aus Protest gegen die schweren Angriffe der syrischen Regierungstruppen auf Regierungsgegner ab. Auch die Bundesregierung erwägt eine Schließung ihrer Vertretung. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte Assad mit deutlichen Worten zum Rücktritt auf.
Die deutsche Botschaft in Damaskus sei bereits "stark ausgedünnt", sagte Außenminister Guido Westerwelle am Montagabend in Berlin. "Weitere Schritte muss ich mir vorbehalten." Seit dem 1. Februar sei kein deutscher Botschafter mehr in der syrischen Hauptstadt.
Westerwelle kritisierte erneut das russische Veto bei der Abstimmung über die Syrien-Resolution. "Ich glaube, dass Russland sich auf die falsche Seite der Geschichte gestellt hat", sagte er.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow reist am Dienstag nach Syrien. Die internationale Kritik an Russland wies er scharf zurück. Der Weltsicherheitsrat habe übereilt über den Entwurf abgestimmt, sagte er. Auch Peking, das ebenfalls sein Veto eingelegt hatte, wehrte sich gegen Vorwürfe, das chinesische Vorgehen sei eine "Lizenz zum Töten" für das Assad-Regime.
cte/Reuters/dpa/AFP
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