Damaskus/New York - Die syrischen Streitkräfte haben bei der Niederschlagung der Proteste nach Angaben von Menschenrechtlern auch Kinder und Jugendliche festgenommen und gefoltert. Es seien mindestens zwölf Fälle bekannt, in denen Minderjährige unter unmenschlichen Haftbedingungen festgehalten worden seien, hieß es in einem am Freitag von Human Rights Watch (HRW) in New York veröffentlichten Bericht. Die Organisation wirft dem Regime vor, gezielt Kinder zu foltern und zu töten, um die Opposition einzuschüchtern.
"Die Kinder sind vom Horror des gewaltsamen syrischen Vorgehens nicht verschont geblieben", sagte der HRW-Direktor für Kinderrechte, Lois Whitman. Es seien Kinder verschleppt, misshandelt und erschossen worden. "Syrische Sicherheitskräfte haben Kinder in deren Häusern, Schulen und auf der Straße getötet, festgenommen und gefoltert. In vielen Fällen sind Sicherheitskräfte gegen Kinder genauso vorgegangen wie gegen Erwachsene."
In dem Bericht wurde ein 16 Jahre alter Junge aus der Stadt Tal Kalach nahe der libanesischen Grenze mit den Worten zitiert, er sei acht Monate lang in sieben verschiedenen Strafanstalten inhaftiert gewesen. Einmal sei er in seiner Zelle mit Handschellen für sieben Stunden an einem Arm an der Decke aufgehängt worden, sagte der Junge, dessen Name mit Alaa angegeben wurde. Er sei nur gerade eben mit den Zehen auf den Boden gekommen. Zudem sei er mit Elektroschocks und Schlägen gequält worden. Dem Bericht zufolge kam der Junge schließlich nur deshalb frei, weil sein Vater einen Gefängniswärter mit umgerechnet rund 400 Dollar bestach.
"Sie haben das nur mit den Jungen gemacht"
In einem anderen Fall berichteten die Eltern eines 13-jährigen Jungen aus der Küstenstadt Latakia laut HRW, ihr Sohn sei im Dezember festgenommen und neun Tage lang inhaftiert worden. Dem Jungen sei unter anderem vorgeworfen worden, Fotos von Präsident Baschar al-Assad verbrannt zu haben. Er sei in Haft mit Zigaretten verbrannt und mit heißem Wasser übergossen worden. Ein anderer 13-jähriger berichtete von Stromschlägen in den Magen und herausgerissenen Zehennägeln. Ein erwachsener Ex-Häftling sagte HRW, einige Kinder seien im Gefängnis vergewaltigt worden. "Es ist unbeschreiblich, man kann nicht darüber sprechen. Sie haben das nur mit den Jungen gemacht."
Laut HRW berichteten alle befragten Kinder, dass sie in Haft weder genügend zu essen noch ausreichend Wasser bekommen hätten. Bei den meisten Kindern seien die unter Folter entstandenen Verletzungen nicht medizinisch versorgt worden.
Der syrischen Führung unter Präsident Assad warf HRW vor, Schulen des Landes "in Haftanstalten und Militärstützpunkte umgewandelt" zu haben. Sniper hätten von Schuldächern heruntergeschossen. Zur Verteidigung der Gebäude hätten "Freischärler" auch Kinder erschossen. Die Vereinten Nationen müssten für ein Ende der Gewalt sorgen, forderte HRW.
Vor wenigen Wochen hatte bereits die US-Menschenrechtsorganisation Avaaz ähnliche Vorwürfe erhoben. Demnach sind bereits 39 Kinder unter Folter in Syrien gestorben.
Der Uno-Sicherheitsrat hatte seine Verhandlungen über eine Resolution gegen Syrien am Donnerstag erneut vertagt. Eine Verurteilung der Gewalt scheitert bisher vor allem an Russland. In Syrien gibt es seit vergangenem März massive Proteste gegen Assad. Nach Uno-Angaben wurden mehr als 5400 Menschen getötet.
ler/AFP/dapd
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