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Gewalt in Syrien: Emir von Katar fordert Einsatz ausländischer Streitkräfte

In der arabischen Welt wächst der Druck auf das Regime von Syriens Machthaber Assad: Der Emir von Katar hat sich für eine bewaffnete Mission in dem Land ausgesprochen, um "das Töten zu beenden". Auch Amr Mussa, früherer Generalsekretär der Arabischen Liga, schließt einen solchen Schritt nicht mehr aus.

Demonstranten nahe der Protesthochburg Homs: Aufstand gegen Assad Zur Großansicht
REUTERS

Demonstranten nahe der Protesthochburg Homs: Aufstand gegen Assad

Kairo/Beirut - In den Reihen der Arabischen Liga ist erstmals die Forderung nach einem Einsatz ausländischer Streitkräfte in Syrien laut geworden. Der Emir von Katar, Scheich Hamad Bin Chalifa al-Thani, sagte laut Auszügen eines Interviews mit dem US-Fernsehsender CBS, er befürworte den Einsatz "einer bestimmten Zahl von Soldaten, um dem Töten ein Ende zu bereiten".

Katar leitet in der Liga den für die Syrien-Krise zuständigen Ausschuss. Das Golfemirat, das auch im Libyen-Konflikt früh auf der Seite der Rebellen gestanden hatte, verfügt selbst nur über eine sehr kleine Armee. Nach Informationen der Website Globaldefense.net haben die Katarer aktuell rund 11.800 Mann unter Waffen.

Auch der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, schloss einen arabischen Militäreinsatz zum Schutz der Zivilbevölkerung in Syrien nicht aus. Der libanesischen Tageszeitung "Daily Star" sagte der Ägypter am Rande einer Demokratiekonferenz in Beirut, die Liga werde sehr bald über den Vorschlag beraten, die derzeitige Beobachtermission durch arabische Truppen zu ersetzen.

Die Beobachter sind noch bis zum 19. Januar im Land. Ihr Ziel, die Gewalt zu beenden, erreichte die Liga bisher nicht. Vielmehr gingen die Angriffe auf die Opposition unvermindert weiter.

Die Forderung nach einem arabischen Militäreinsatz dürfte dennoch keine Mehrheit finden. Schon die Einigung auf Sanktionen gegen das Regime vonBaschar al-Assad wurde erst nach wochenlangen Diskussionen erreicht. Eine militärische Intervention in einem arabischen Land würde zudem eine neue Entwicklung für die Organisation darstellen, deren Ziele die engere politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit sowie die Schlichtung innerarabischer Streitfälle sind.

Zuletzt war die Wirksamkeit der Beobachtermission, die seit dem 26. Dezember die Situation vor Ort überwachen soll, zunehmend in Frage gestellt worden. Die syrische Opposition wirft den Beobachtern vor, sich von der Führung in Damaskus vereinnahmen zu lassen. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon rief Assad am Sonntag zur Beendigung des Tötens auf. "Die Unterdrückung führt in eine Sackgasse", warnte er den syrischen Staatschef. Schon am Samstag hatte Ban sich "äußerst besorgt" über das anhaltende Blutvergießen geäußert. Die Krise nehme eine "gefährliche Wendung", sagte er laut einem Sprecher.

Nach Angaben syrischer Oppositioneller griffen Assads Truppen zuletzt die Ortschaft al-Sabadani nahe der Grenze zum Libanon an. Auch in der Protesthochburg Homs wurde erneut Blut vergossen. Mehrere Menschen wurden getötet. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete über einen Bombenanschlag von "bewaffneten Terroristen" auf einen mit Benzin beladenen Zug in der Provinz Idlib nahe der türkischen Grenze. Die syrische Staatsführung bezeichnet die Aufständischen als "bewaffnete Banden" und beschuldigt westliche Staaten, ein Komplott gegen das Land anzuzetteln.

Die Regierung verkündete zugleich über die Agentur Sana eine Amnestie für Straftaten im Zusammenhang mit den seit März andauernden Massenprotesten gegen Assad. Voraussetzung ist demnach allerdings, dass sich die Betroffenen den Behörden stellen. Seit Beginn des Aufstands gegen das Regime sind nach Schätzungen der Uno mindestens 5000 Menschen getötet worden.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte weitere Schritte zur Lösung der Krise. "Deutschland setzt sich weiter mit Nachdruck für ein klares Signal des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen ein", erklärte das Ministerium weiter.

hen/dpa/AFP

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1. Endlich demokratie!
leberknecht 15.01.2012
Zitat von sysopIn der arabischen Welt wächst der Druck auf das Regime von Syriens Machthaber Assad: Der Emir von Katar hat sich für eine bewaffnete Mission in dem Land ausgesprochen, um "das Töten zu beenden". Auch Amre Mussa, früherer Generalsekretär der Arabischen Liga, schließt einen solchen Schritt nicht mehr aus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,809218,00.html
und wann gibt es militärische Einsätze in Katar zur Einführung der menscherechte und Demokratie?
2. Warum nicht? Es ist eine Option, Denkverbote sollte es nicht geben
law1964 15.01.2012
Zitat von sysopIn der arabischen Welt wächst der Druck auf das Regime von Syriens Machthaber Assad: Der Emir von Katar hat sich für eine bewaffnete Mission in dem Land ausgesprochen, um "das Töten zu beenden". Auch Amre Mussa, früherer Generalsekretär der Arabischen Liga, schließt einen solchen Schritt nicht mehr aus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,809218,00.html
Man sollte nur die Vor/Nachteile gut gegeneinander abwägen, welche Vorteile bringt eine Intervention und welche Nachteile. Grundsätzlich habe ich nicht gegen eine Intervention auch mit deutscher/europäischer Beteiligung.
3. Ok,
theodorheuss 15.01.2012
Zitat von sysopIn der arabischen Welt wächst der Druck auf das Regime von Syriens Machthaber Assad: Der Emir von Katar hat sich für eine bewaffnete Mission in dem Land ausgesprochen, um "das Töten zu beenden". Auch Amre Mussa, früherer Generalsekretär der Arabischen Liga, schließt einen solchen Schritt nicht mehr aus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,809218,00.html
aber WARUM??? kann die Arabische Welt solch einen Kofliktherd nicht in eigener Regie unter Kontrolle bringen. WARUM wird da immer nach ausländischen ( Westlich Ungläubigen ) Allianzen geschrien? Das paßt doch nicht zusammen! Vielleicht um sich nicht selbst die Finger schmutzig machen zu müßen, denn wenn was schief läuft waren es die perversen Ungläubigen. Am Geld kanns doch nicht liegen, das haben die Ölstaaten doch mehr als in Massen.
4.
kdshp 15.01.2012
Zitat von sysopIn der arabischen Welt wächst der Druck auf das Regime von Syriens Machthaber Assad: Der Emir von Katar hat sich für eine bewaffnete Mission in dem Land ausgesprochen, um "das Töten zu beenden". Auch Amre Mussa, früherer Generalsekretär der Arabischen Liga, schließt einen solchen Schritt nicht mehr aus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,809218,00.html
Hallo, dann soll sich die arabische welt mal zusammen tuen und ihre streitkräfte zur befriedung schicken.
5. Das ist ja lächerlich....
iskin 15.01.2012
Zitat von sysopIn der arabischen Welt wächst der Druck auf das Regime von Syriens Machthaber Assad: Der Emir von Katar hat sich für eine bewaffnete Mission in dem Land ausgesprochen, um "das Töten zu beenden". Auch Amre Mussa, früherer Generalsekretär der Arabischen Liga, schließt einen solchen Schritt nicht mehr aus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,809218,00.html
ausgerechnet Katar will für Menschenrechte in Syrien kämpfen. Die hätten genug zu tun in ihrem eigenen Land für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu sorgen. Im übrigen ist Katar nichts weiter als ein Sprachrohr der Amis.
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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