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Gewalt in Syrien: Saudischer König attackiert Assad

Das Regime von Syriens Präsident Assad gerät wegen der Gewalt gegen das eigene Volk nun auch in der arabischen Welt zunehmend unter Druck. Der saudische König Abdullah übte scharfe Kritik: "Die Todesmaschinerie und das Blutvergießen müssen gestoppt werden."

Proteste gegen Assad: Das syrische Regime geht mit blutiger Gewalt gegen Kritiker vor Zur Großansicht
DPA

Proteste gegen Assad: Das syrische Regime geht mit blutiger Gewalt gegen Kritiker vor

Damaskus/Riad/Kairo - Dutzende Tote, so lautet die blutige Bilanz syrischer Oppositioneller für Sonntag: Erneut gingen Soldaten von Präsident Baschar al-Assad mit Gewalt gegen Kritiker des Regimes vor - aber Assad gerät wegen des gewaltsamen Vorgehens seiner Soldaten jetzt auch immer mehr in der arabischen Welt unter Druck.

Der saudische König Abdullah rief Syrien zu raschen und radikalen Reformen auf. "Die Todesmaschinerie und das Blutvergießen müssen gestoppt werden", verlangte Abdullah in einer vom staatlichen Fernsehen übertragenen Rede am Sonntagabend. "Für Syriens Zukunft gibt es zwei Optionen: Weisheit oder Chaos", mahnte Abdullah. Der Monarch kündigte an, den Botschafter seines Landes aus Damaskus zu Konsultationen einzuberufen. "Was in Syrien stattfindet, ist inakzeptabel", sagte Abdullah.

Es ist die schärfste Kritik die Saudi-Arabien gegenüber einem anderen arabischen Land seit Ausbruch der Protestwelle in der Region äußerte, die zu den Machtwechseln in Tunesien und Ägypten führte. Zuvor hatte am Sonntag auch die Arabische Liga von der syrischen Führung ein Ende der Gewalt gegen die eigene Bevölkerung gefordert.

Auch die Golfstaaten riefen das arabische Bruderland Syrien dringend zu Reformen auf. Das Blutvergießen müsse enden und die Bestrebungen der Menschen müssten anerkannt werden, verlangte der Golf-Kooperationsrat (GCC) am Samstag in Riad. In der Organisation sind Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar, Kuwait und Oman zusammengeschlossen.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte am Montag erneut an Assad, die Gewalt in Syrien zu beenden. Ban sagte über Assad: "Ich hoffe, dass er die Situation sehr ernst nimmt und dass er die notwendigen Maßnahmen ergreift, um den Willen seines Volkes zu respektieren."

In die nordöstliche Stadt Deir al-Sur waren am Sonntag 200 Panzer eingerückt. Sie hätten aus vollen Rohren gefeuert, berichteten syrische Menschenrechtsaktivisten. Mindestens 50 Menschen seien getötet worden. Auf Videos, die Aktivisten ins Internet stellten, waren dicke Rauchwolken über Deir al-Sur zu sehen und Dauerbeschuss zu hören.

16 Menschen, unter ihnen ein Kind, wurden am selben Tag in Al-Hula bei Homs getötet, teilten syrische Oppositionelle mit. Wegen des Beschusses könnten von dort Verletzte nicht in Krankenhäuser gebracht werden. Mindestens 24 Zivilisten sollen schon am Freitag gestorben sein, als Armee-Verbände in den Vorstädten von Damaskus und in anderen Orten erneut mit scharfer Munition auf Demonstranten schossen, wie am Samstag bekannt wurde.

In Damaskus führten Männer in Zivil in der Nacht zum Sonntag den Oppositionsführer und Arzt Walid al-Bunni ab. Er sei zusammen mit seinen beiden Söhnen an einen unbekannten Ort verschleppt worden, teilten syrische Aktivisten im Libanon mit. Al-Bunni saß wegen seines Einsatzes für Menschenrechte schon mehrfach im Gefängnis.

Syriens Außenminister Walid al-Muallim kündigte Wahlen für ein neues Parlament noch in diesem Jahr an. Diese würden "frei und fair" sein, zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Zwar setzte Assad jüngst neue Parteien- und Wahlgesetze in Kraft. Doch diese ändern nach Ansicht von Beobachtern kaum etwas am System, das einen Regierungswechsel durch das Wählervotum weiterhin unmöglich macht.

In Syrien demonstrieren Teile der Bevölkerung seit Mitte März für politische Reformen und das Ende des Assad-Regimes. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten töteten die syrischen Sicherheitskräfte bei der Unterdrückung der Proteste fast 2000 Menschen. Tausende wurden verletzt. Auch rund 400 Angehörige der Sicherheitskräfte kamen bei Zusammenstößen ums Leben.

hen/dpa/Reuters/dapd

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1. Die Saudis nehmen doch Drogen!
leberknecht 08.08.2011
Zitat von sysopDas Regime von Syriens Präsident Assad gerät wegen der Gewalt gegen das eigene Volk auch in der arabischen Welt zunehmend unter Druck. Der saudische König Abdullah übte scharfe Kritik: "Die Todesmaschinerie und das Blutvergießen müssen gestoppt werden." http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,778889,00.html
Saudi Arabien als Menschrechtskämpfer? Fehlt bloß noch der Nobelpreis! Das sind echte Partner USA/Türkei und jetzt die Saudis. Vielleicht müssen sie auch noch Nordkorea mitnehmen!
2. Syrien hat keine andere Wahl
amana 08.08.2011
Das hätte ich nicht gedacht dass sich Saudi Arabiens König so offen äussert. Nun ja der gute ist ja fast 88 und gilt als Reformer. Bei Saudi Arabien ist es wohl dann aber so dass es wie bei der Bankenrettung zugehen wird, too big to fail... Wenn Assads Schergen freie Wahlen versprechen dann kann man das getrost unter Ulk verbuchen. Sicher ist nur eines, das Wahlergebnis steht schon jetzt fest. Sein Vater hat es ja vorgemacht, alle paar Jahre hat das Volk seinen geliebten Führer mit abwechselnden Ergebnissen wiedergewählt. Vorausgegangen waren immer erzwungene Jubeldemos. Übrigends sind solche "Unterstützungsdemos" auch in den Gefängnissen abgehalten worden. So dreist war nicht mal Saddam.
3. Scheinheiligkeit
Hans_Dieter_Otto 08.08.2011
Zitat von sysopDas Regime von Syriens Präsident Assad gerät wegen der Gewalt gegen das eigene Volk auch in der arabischen Welt zunehmend unter Druck. Der saudische König Abdullah übte scharfe Kritik: "Die Todesmaschinerie und das Blutvergießen müssen gestoppt werden." http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,778889,00.html
Perverser und dreister geht es wohl nicht. ist dieser eine saudische Diktator nicht derjenige gewesen, der Panzer nach Bahrain entsandt hat um die dortigen Protestbewegungen zu unterdrücken? War es mit dieser Aktion nicht Sinn der Sache, den dortigen Diktator vor dem nach demokratischen Reformen schreiendem Mob zu unterstützen? Wollte die Bundesregierung nicht noch mehr Panzer an das Land verkaufen, uns aber ein Informationssperre verpasst haben weil wir keine Fragen stellen durften? Der Start in die Woche fängt schon mal gut an, aber gut das mein Magen noch leer ist.
4. Moral ?
ewspapst 08.08.2011
Zitat von sysopDas Regime von Syriens Präsident Assad gerät wegen der Gewalt gegen das eigene Volk auch in der arabischen Welt zunehmend unter Druck. Der saudische König Abdullah übte scharfe Kritik: "Die Todesmaschinerie und das Blutvergießen müssen gestoppt werden." http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,778889,00.html
Na, das ist ja richtig toll, ausgerechnet das Regime, dass Panzer aus dem Nachbarstaat zur Niederschlagung der eigenen Revolte holte.
5. Scheinheiligkeit zum Quadrat
hubert_hummel 08.08.2011
Zitat von Hans_Dieter_OttoPerverser und dreister geht es wohl nicht. ist dieser eine saudische Diktator nicht derjenige gewesen, der Panzer nach Bahrain entsandt hat um die dortigen Protestbewegungen zu unterdrücken? War es mit dieser Aktion nicht Sinn der Sache, den dortigen Diktator vor dem nach demokratischen Reformen schreiendem Mob zu unterstützen? Wollte die Bundesregierung nicht noch mehr Panzer an das Land verkaufen, uns aber ein Informationssperre verpasst haben weil wir keine Fragen stellen durften? Der Start in die Woche fängt schon mal gut an, aber gut das mein Magen noch leer ist.
Weshalb wurde das nicht so formuliert: Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten töteten die Protestierenden rund 400 Angehörige der Sicherheitskräfte. Auch 2000 Protestiernde kamen bei Zusammenstößen ums Leben.
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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