Gewalt nach Maduros Wahlsieg: Chávez' Thronfolger spaltet Venezuela

Gespaltenes Land: Proteste in Venezuela
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REUTERS

In Venezuela droht nach dem umstrittenen Wahlsieg von Chávez-Nachfolger Maduro die Eskalation. Bei Protesten starben sieben Menschen, Dutzende weitere wurden verletzt. Die neue Regierung warnt nun vor einem Putsch, Milizen verbreiten Angst.

Caracas - Der Lärm bleibt. Töpfe schlagend ziehen die Anhänger der venezolanischen Opposition am Dienstag bis in die Nacht durch Caracas. "Cacerolazo" heißt diese Form des Protests. Die Unterstützer der Regierung zünden Feuerwerk - nicht aus Freude, sondern um die Töpfe zu übertönen.

Töpfe gegen Feuerwerk: Das ist zwar laut, aber einigermaßen friedlich. Doch die Situation in Venezuela droht zu eskalieren. Das Land ist nach der Präsidentenwahl gespalten, der zum Wahlsieger erklärte Sozialist Nicolás Maduro sprach am Dienstag von "faschistischen Horden", die einen Staatsstreich planten. Die Opposition wolle ihn mit einem Coup stürzen.

Maduro verschärft mit seinen Worten die ohnehin prekäre Lage. Der Streit zwischen Regierung und Opposition war eskaliert, nachdem Maduro mit einem knappen Vorsprung von nur 262.000 Stimmen zum Sieger der Wahl vom Sonntag erklärt worden war.

Das Land ist gespalten - längst zeigt sich, dass der Wunschnachfolger des verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez bei weitem nicht so viele Menschen hinter sich versammeln kann wie der "Comandante". Maduro soll am Freitag vereidigt werden, er startet geschwächt ins Amt.

Nach dem Willen der Opposition soll es aber gar nicht so weit kommen. Sie spricht von Wahlbetrug und fordert eine Neuauszählung der Stimmen.

Bei gewaltsamen Protesten gegen das Ergebnis sind laut Staatsanwaltschaft sieben Menschen ums Leben gekommen und mehr als 60 weitere verletzt worden. Reifen wurden angezündet, Steine geworfen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Beide Seiten machen sich gegenseitig für das Blutvergießen verantwortlich.

Unklar ist noch die Rolle der paramilitärischen Milizen, die in vielen Armenvierteln herrschen und den Sozialisten nahestehen. Bei einer US-Invasion sollten sie die Amerikaner in einen Guerillakrieg verwickeln, rechtfertigte Chávez ihre Existenz einst. Doch tatsächlich waren sie die Schlägertruppe des Präsidenten, bedrohten Journalisten und Oppositionelle. Auch jetzt sind wieder Motorradgangs unterwegs, Berichten zufolge sollen sie friedliche Demonstranten ausgeraubt und verletzt haben.

Aus Angst vor neuer Gewalt hat die Opposition jetzt einen für Mittwoch geplanten Protestzug durch Caracas abgesagt. Die Regierung hatte den Marsch zuvor verboten. "Die Regierung will, dass es Tote gibt", begründete Henrique Capriles Radonski, der am Sonntag unterlegene Oppositionskandidat, die Absage. Er befürchte, dass die Regierung Provokateure in die Demonstration einschleusen wollte.

Capriles, der Gouverneur des Bundesstaates Miranda ist, sieht sich um den Sieg gebracht. Am Dienstag behauptete er, er habe konkrete Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei der Wahl. So seien 535 Wahlautomaten defekt gewesen und in mehr als 280 Wahlzentren die Beobachter der Opposition von der Armee verdrängt worden. Dem offiziellen Ergebnis zufolge hat Maduro einen Stimmenanteil von 50,8 Prozent erreicht, Capriles kam laut Wahlbehörde auf 49 Prozent.

Maduro rief seine Anhänger auf, für die Regierung auf die Straße zu gehen. Er forderte Untersuchungen gegen Capriles wegen der Todesfälle.

kgp/dpa

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insgesamt 96 Beiträge
uezegei 17.04.2013
Es ist immer wieder erstaunlich, dass bestimmte interessierte Kreise in demokratisch herbeigeführtes Wahlergebnis nicht anerkennen und ein Land ins Chaos stürzen müssen. Ich muss Merkel auch ertragen. Nun, auch die hätte Dank [...]
Es ist immer wieder erstaunlich, dass bestimmte interessierte Kreise in demokratisch herbeigeführtes Wahlergebnis nicht anerkennen und ein Land ins Chaos stürzen müssen. Ich muss Merkel auch ertragen. Nun, auch die hätte Dank der Änderung der EU-Verträge und der Etablierung der "inneren Kampfbereitschaft" durch unsere CDU-Innenminister wohl die Armee hinter sich für einen Gegenputsch im Notfall. Aber wenn sich CDU und FDP als angebliche "Koalitionspartner" weiterhin so bekriegen (warten wir erst mal bis *nach* der Wahl, wenn Rösler wieder den Mund aufmachen darf), dann ist der nächste Röhm-Aufstand wohl nicht mehr weit entfernt.
simonejaeg 17.04.2013
Capriles hat die Demonstrationen erst zurückgerufen, NACHDEM Maduro sie wegen der ausufernden Gewalt abgesagt hatte. Capriles ist auf vollem Konfrontationskurs, um die Regierung zu schwächen. Damit stellt er sich gegen die [...]
Capriles hat die Demonstrationen erst zurückgerufen, NACHDEM Maduro sie wegen der ausufernden Gewalt abgesagt hatte. Capriles ist auf vollem Konfrontationskurs, um die Regierung zu schwächen. Damit stellt er sich gegen die Mehrheit der Wähler und sorgt für Unruhe wie Gewalt. Der Möchtegernpräsident war übrigens kurz vor Chavez Tod in den USA, wo seine Qualitäten als Marionette weiter ausgebaut worden sind. Die Opposition wird dem Land nicht gut tun und die Situation der Armen weiter schwächen. Wer den "Roten" Raffgier vorwirft, sollte sich die geplanten Maßnahmen der Opposition anschauen. Mehr Geld wird OHNE BENEFIT ins Ausland fließen und das Volk bekommt von dem Reichtum weniger ab. Chavez war dabei das Land aufzubauen, was viel Zeit und eine Abschirmungspolitik erfordert. Dies dient dem Schutz vor Ausbeutung und ist im ersten Schritt erforderlich, was kein sozialistisches Geschwätz ist sondern wirtschaftswissenschaftlich belegt ist. Ich befürchte, dass Maduro aufgrund des großen Drucks keine sechs Jahre Regierungszeit durchhalten wird. Sollten dann Capriles und Co an die Macht kommen, beginnt der große Ausverkauf. Sicherlich sind die Felle schon verteilt worden.
dunnhaupt 17.04.2013
Chavez lebte in andauernder Paranoia, sah sich wie Kim Jong Un ständig bedroht, und umgab sich mit einer Leibgarde aus Kubanern, weil er seinem eigenen Volk nicht traute. Bei Krankheiten ging er jedesmal nach Kuba, um sich [...]
Chavez lebte in andauernder Paranoia, sah sich wie Kim Jong Un ständig bedroht, und umgab sich mit einer Leibgarde aus Kubanern, weil er seinem eigenen Volk nicht traute. Bei Krankheiten ging er jedesmal nach Kuba, um sich behandeln zu lassen. Auch die Milizen dienten natürlich nicht dem Schutz gegen Invasionen.
staatsbuerger 17.04.2013
Die bürgerliche Besitzminderheit in Venezuela kann sich offenbar auf keinen fall mit einem linken Staatspräsidenten anfreunden. Was haben die alles unternommen, um Chavez loszuwerden? Und das Gleiche wird nun eben bei dessem [...]
Die bürgerliche Besitzminderheit in Venezuela kann sich offenbar auf keinen fall mit einem linken Staatspräsidenten anfreunden. Was haben die alles unternommen, um Chavez loszuwerden? Und das Gleiche wird nun eben bei dessem Nachfolger versucht. Schließlich ist Demokratie nur dann, wenn ein Lakai der vermögenden Schicht dran kommt ?!?
habenichts2 17.04.2013
Was z.Z. in Venezuela abläuft ist doch schon bekannt. Georgien Wahlniederlage der Opposition- Ruf Wahlfälschung! Ukraine Wahlniederlage- Ruf nach Wahlfälschung! Weißrussland Wahlniederlage - Ruf nach Wahlfälschung! Diese [...]
Zitat von sysopIn Venezuela droht nach dem umstrittenen Wahlsieg von Chávez-Nachfolger Maduro die Eskalation. Bei Protesten starben sieben Menschen, Dutzende weitere wurden verletzt. Die neue Regierung warnt nun vor einem Putsch, Milizen verbreiten Angst. Gewalt in Venezuela: Maduro wirft Opposition Putschpläne vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/gewalt-in-venezuela-maduro-wirft-opposition-putschplaene-vor-a-894840.html)
Was z.Z. in Venezuela abläuft ist doch schon bekannt. Georgien Wahlniederlage der Opposition- Ruf Wahlfälschung! Ukraine Wahlniederlage- Ruf nach Wahlfälschung! Weißrussland Wahlniederlage - Ruf nach Wahlfälschung! Diese Methode ist erprobt hat hat sich gut bewährt! Also versucht man mit dem gleichen Konzept, die Niederlage in einen Sieg umzuwerten! Das ist das Verhalten von "echten" Demokraten!
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  • Mittwoch, 17.04.2013 – 14:22 Uhr
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