Gewalt wegen Koranverbrennung: Karzai mahnt sein Volk zur Ruhe

Mehrere Tote bei Protesten, tödliches Attentat auf zwei US-Soldaten: Afghanistans Präsident Karzai hat seine Landsleute in einer Fernsehansprache zu Ruhe aufgerufen. Den "Feinden" dürfe keine Gelegenheit gegeben werden, die Situation auszunutzen.

Präsident Hamid Karzai: "Unseren Feinden" keine Gelegenheit geben Zur Großansicht
AP

Präsident Hamid Karzai: "Unseren Feinden" keine Gelegenheit geben

Kabul - Nach den Koran-Verbrennungen eskaliert in Afghanistan die Lage zunehmend. Nun hat sich der afghanische Präsident Hamid Karzai in einer live im Fernsehen übertragenen Rede an sein Volk gewandt: Es sei nun an der Zeit, zur Ruhe zurückzukehren, sagte Karzai. "Unseren Feinden" dürfe keine Gelegenheit gegeben werden, die Situation auszunutzen.

Karzai erinnerte die Afghanen daran, dass zu den Koranverbrennungen Ermittlungen eingeleitet worden seien, und forderte seine Landsleute auf, das Ergebnis dieser Untersuchungen abzuwarten. Nato-Angaben zufolge waren die Korane auf dem Stützpunkt US-Bagram nördlich von Kabul am 19. Februar versehentlich zur Müllverbrennung gebracht worden.

Nach der Ermordung der beiden US-Soldaten im Innenministerium in Kabul ist nach einem Bericht der BBC ein Offizier des afghanischen Geheimdienstes als mutmaßlicher Täter identifiziert worden. Der 25-Jährige gelte als Hauptverdächtiger und sei auf der Flucht, berichtete der britische Sender unter Berufung auf afghanische Sicherheitskreise.

Der mutmaßliche Attentäter studierte in Pakistan

Der afghanische Sender Tolo News berichtete am Sonntag, der Verdacht falle auf einen Polizisten namens Abdul Sabur, der seit dem Jahr 2007 im Dienst des Innenministeriums in Kabul gestanden habe. Ein hochrangiger Mitarbeiter des Ministeriums sagte, der Verdächtige habe in der Geheimdienst-Abteilung des Ministeriums gearbeitet. Er wollte keinen Namen nennen.

Tolo News berichtete weiter, Sabur habe in Pakistan studiert, sei als Fahrer im Innenministerium eingestellt worden, habe dort eine Weiterbildung absolviert und sei zuletzt als Polizist in der Geheimdienst-Abteilung im Einsatz gewesen. Die beiden US-Berater waren am Samstag im Gebäude des Innenministeriums erschossen worden. Die radikalislamischen Taliban verkündeten nach dem Vorfall, dass insgesamt vier Berater des Innenministeriums getötet worden seien. Sie gaben den Namen des Täters mit Abdul Rahman an.

Nach dem Vorfall hatte die Internationale Schutztruppe Isaf alle ihre Mitarbeiter aus den Ministerien in und um Kabul abgezogen.

jjc/dapd/AFP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Afghanistan
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback

Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon


Fotostrecke
Koran-Verbrennung: Wütender Protest in Afghanistan
Karte