US-Botschaft in Jerusalem Palästinenser berufen Vertreter aus USA ab

Die US-Botschaftseröffnung in Jerusalem löst weitere Reaktionen aus: Nun zieht Palästinenser-Präsident Abbas seinen Repräsentanten aus Washington ab. Die US-Botschafterin bei der Uno verteidigte das Vorgehen Israels an der Grenze zu Gaza vehement.

Mahmud Abbas
REUTERS

Mahmud Abbas


Der Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas hat den seinen höchsten Vertreter in Washington zurückbeordert. Der Gesandte der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Hussam Somlot, befinde sich bereits auf der Heimreise, sagte Chefunterhändler Saeb Erekat im palästinensischen Fernsehen. In einer Erklärung des Außenministeriums hieß es, die Entscheidung sei nach dem Umzug der US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem getroffen worden.

Aus Protest gegen die Gewalt der israelischen Sicherheitskräfte in Gaza hatten die Türkei und Südafrika in der Nacht zu Dienstag ihre Botschafter aus Israel abberufen. Am Tag darauf hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron "die Gewalt der israelischen Streitkräfte gegen die Demonstranten" verurteilt.

Am Montag hatten die USA in ihrem vormaligen Konsulat in Jerusalem ihre neue Botschaft eröffnet. Im Gazastreifen kam es parallel zu gewaltsamen Protesten, bei denen palästinensischen Angaben zufolge rund 60 Menschen getötet wurden. Mehr als 2700 Palästinenser seien verletzt worden, mehr als 1370 von ihnen durch Schüsse, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza mit. 130 seien in kritischem Zustand. Es war der blutigste Tag des Auseinandersetzung seit 2014. Am Dienstag sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gaza zwei weitere Palästinenser bei Protesten an der Grenze durch Schüsse getötet worden.

USA: Kein Zusammenhang mit Botschaft-Eröffnung

Unterdessen haben sich die USA zu der Gewalt in Gaza im Uno-Sicherheitsrat geäußert.Israel habe sich, so die amerikanische Uno-Botschafterin Nikki Haley in einer Sondersitzung, "zurückgehalten". Kein Staat würde "diese Art von Aktivitäten" hinnehmen, sagte Haley mit Blick auf die Proteste an der Gaza-Grenze vom Montag.

Nikki Haley
AFP

Nikki Haley

Einen Zusammenhang der tödlichen Gewalt mit der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem wollte Haley nicht sehen. Diese "untergräbt die Aussichten auf Frieden in keiner Weise", sagte Haley. "Die Gewalt kommt von denjenigen, die den Staat Israel überall ablehnen."

Keine Schritte des Sicherheitsrats absehbar

Konkrete Schritte des Sicherheitsrats waren nach den blutigen Konfrontationen vom Montag nicht absehbar. Die Sitzung diente der offenen Debatte und fand auf Antrag des arabischen Golfstaats Kuwait statt. Darin enthalten sind die Formulierungen, man drücke Empörung und sein Bedauern über die Tötung palästinensischer Zivilisten aus, die ihr Recht auf friedlichen Protest ausübten" und verlange eine "unabhängige und transparente" Untersuchung. Bemühungen, den Ablauf der Zusammenstöße von unabhängigen Ermittlern untersuchen zu lassen, hatten die USA bereits am Montag blockiert.

lie/dpa



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