Gewaltexzesse Dutzende Tote bei Kämpfen in Zentralafrika

Im Süden der Zentralafrikanischen Republik ist die Gewalt eskaliert. Mehr als 70 Menschen sind bei Kämpfen zwischen Muslimen und Christen getötet worden. Polnische Missionare sollen nun evakuiert werden.

Eine Frau flieht mit ihrem Kind: Nach Uno-Einschätzung droht Zentralafrika ein Völkermord
AP

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Bangui - Die Lage in der Zentralafrikanischen Republik wird immer angespannter. Bei Kämpfen zwischen Muslimen und Christen sind nach Polizeiangaben am Montag mehr als 70 Menschen im Süden des Landes getötet worden. Die BBC berichtet von mindestens 75 Opfern - mehrheitlich Christen.

Rund 30 Häuser seien in der Stadt Boda in Brand gesteckt worden, sagte der Polizeichef von Mbaiki, das rund 100 Kilometer von Boda entfernt liegt. Der Bürgermeister von Boda habe ihm berichtet, dass Christen Muslime angegriffen hätten, nachdem muslimische Seleka-Rebellen durch das Gebiet gezogen seien. Einwohner hätten sich mit Macheten und Gewehren bewaffnet. Boda liegt rund 100 Kilometer westlich der Hauptstadt Bangui.

Die BBC zitierte den örtlichen Priester Cassien Kamatari. Dieser erklärte, er habe französische Truppen und Soldaten der Afrikanischen Union um Hilfe gebeten, jedoch keine Antwort erhalten. "Sie denken nur an die Hauptstadt Bangui, aber sie sollten sich auch damit befassen, was auf dem Land passiert, denn was die Menschen in den Dörfern erleben, ist schrecklich."

Fast eine Million Menschen auf der Flucht

Die Kämpfe seien ausgebrochen, nachdem schwerbewaffnete Muslime Barrikaden an den Ortsausgängen von Boda - etwa hundert Kilometer westlich von Bangui - errichtet und die christliche Bevölkerung angegriffen hätten. Unter den Opfern seien aber auch Muslime.

Die Zentralafrikanische Republik versinkt seit dem Putsch der Seleka-Rebellen im März 2013 im Chaos. Morde und Plünderungen der muslimischen Aufständischen haben zu Vergeltungsaktionen christlicher Milizen geführt. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen droht in dem Land ein Völkermord. Fast eine Million Menschen sind wegen der Kämpfe auf der Flucht, das ist ein Fünftel der Bevölkerung.

Rund 1600 französische und 5000 afrikanische Soldaten sind in dem Land im Einsatz, sie haben sich aber bisher vor allem darauf konzentriert, die Ordnung in Bangui wiederherzustellen.

Polen rief seine Staatsbürger zum sofortigen Verlassen des Landes auf. Sorge besteht vor allem um die polnischen Missionare in dem Krisenland. Trotz erschwerter Kommunikationsbedingungen seien polnische Diplomaten im Kontakt mit den Missionaren, sagte der Sprecher des Außenministeriums in Warschau am Dienstag der polnischen Nachrichtenagentur PAP. "Wir bieten ihnen die Evakuierung an. Unserer Meinung nach ist das in dieser Lage die einzige Möglichkeit, ihnen zu helfen."

heb/dpa/Reuters

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