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Gewaltexzesse: Syrien lässt Ultimatum verstreichen

Bis Freitagmittag hatte die Arabische Liga Syrien Zeit gegeben, die Gewalt im Land zu beenden und einen Friedensplan anzunehmen. Doch das Regime von Präsident Assad hat die Frist verstreichen lassen. Ein britischer Reporter berichtet von einem drohenden Bürgerkrieg im Land.

Verlassene Militärstellung in Homs: Berichte über neue Gewaltexzesse Zur Großansicht
AFP

Verlassene Militärstellung in Homs: Berichte über neue Gewaltexzesse

Kairo - Syrien hat ein Ultimatum der Arabischen Liga zur Annahme eines Friedensplans scharf zurückgewiesen. Über die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana ließ das Regime an diesem Freitag verbreiten, die Arabische Liga sei zu einem "Werkzeug für die ausländische Einmischung" geworden. Sie diene einer westlichen Agenda, um Unruhe in die Region zu tragen.

Die Arabische Liga hatte am Donnerstag erklärt, wenn das Regime von Präsident Baschar al-Assad nicht innerhalb von 24 Stunden der Entsendung einer 500-köpfigen ausländischen Beobachtermission zustimme, würden Sanktionen verhängt. Die Beobachter sollten einen Abzug der Armee aus den Städten überwachen und feststellen, in welchem Umfang Menschenrechte verletzt wurden. Ein Sprecher der Liga erklärte am Mittag laut Nachrichtensender al-Arabija, Syrien habe das Ultimatum verstreichen lassen.

Für diesen Fall hatte die Arabische Liga für das Wochenende ein Treffen geplant. Als Strafmaßnahmen wurden unter anderem ein Stopp der Flüge nach Syrien, eine Einstellung der Zusammenarbeit mit der Zentralbank, das Einfrieren von syrischen Bankkonten und die Unterbindung von Finanzgeschäften diskutiert.

Die internationale Staatengemeinschaft hatte sich kurz vor dem Ablauf des Ultimatums jedoch uneins über die zu verhängenden Sanktionen gezeigt. Während die Türkei am Freitag ihre Bereitschaft zu einer Zusammenarbeit mit der Liga bekundete, lehnte Russland Strafmaßnahmen ab. Weiter im Gespräch blieb der französische Vorschlag zur Einrichtung von humanitären Korridoren zur Versorgung der syrischen Bevölkerung. Diese sollten von internationalen Sicherheitskräften geschützt werden.

In Syrien hält seit acht Monaten die Gewalt zwischen der Regierung von Präsident Assad und Demonstranten an, die mehr Demokratie fordern. Nach Uno-Angaben sind dabei mehr als 3500 Menschen ums Leben gekommen. In den letzten Stunden vor Ablauf des Ultimatums der Arabischen Liga soll es zu neuen Gewaltexzessen gekommen sein. Aktivisten berichteten am Freitag, seit Donnerstagmorgen seien 33 Menschen ums Leben gekommen. Die meisten von ihnen seien bei Attacken des Militärs in der Unruheprovinz Homs getötet worden.

BBC-Reporter schafft Zugang nach Homs

Die Angaben aus Syrien selbst können kaum überprüft werden, weil die Regierung den Zugang sperrt. Der britischen BBC ist es nach eigenen Angaben jedoch gelungen, einen der ersten westlichen Reporter in die Rebellen-Hochburg Homs einzuschleusen. Er sei über Libanon nach Syrien gelangt.

Der BBC-Reporter John Wood berichtete in seiner Reportage, dass die Aufständischen auf mehr Deserteure aus den Reihen der Armee hofften. Erste Soldaten der Regierungstruppen seien bereits übergelaufen. Die Aufständischen glaubten aber, dass ganze Bataillone bereit wären, zu desertieren.

Dafür forderten die Rebellen, eine Flugverbotszone über Syrien entlang der türkischen Grenze zu errichten. Der einzige Grund, warum viele Militäreinheiten noch auf Regierungslinie seien, sei die Furcht vor einem Luftangriff durch loyale Einheiten des Assad-Regimes.

Wood sieht Anzeichen für einen bevorstehenden Bürgerkrieg im Land. Der Kampf für Demokratie in Syrien werde zu einem bewaffneten Aufstand. Die Aufständischen griffen vereinzelt Polizeiposten und Armeestellungen an, sie seien zahlenmäßig aber hoffnungslos unterlegen, schildert der BBC-Journalist. "Dies ist ein Konflikt im Guerilla-Stil", sagte Wood in seiner Reportage. Über den Libanon würden Waffen ins Land geschmuggelt. Eine Kalaschnikow koste dort wegen der großen Nachfrage bereits 1200 US-Dollar.

phw/dpa/Reuters/dpapd

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1. Witzig
martman11 25.11.2011
Zitat von sysopBis Freitagmittag hatte die Arabische Liga Syrien Zeit gegeben, die Gewalt im Land zu beenden und einen Friedensplan anzunehmen. Doch das Regime von Präsident Assad hat die Frist verstreichen lassen. Ein britischer Reporter berichtet von einem drohenden Bürgerkrieg im Land. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,799948,00.html
Hohoho...die Arabische Liga...Da bekommen wir ja das Schlottern...mit denen ist nicht zu spaßen! Da muss man aber ganz schnell klein beigeben
2. Von der Tragödie zur Farce
moliebste 25.11.2011
Konnte in Libyen durch Überrumpelung von China und Rußland von den Willigen noch eine humanitäre Tragodie inszeniert werden, so reicht es im Falle Syriens höchstens noch zur Farce. Rußland hat vor der syrischen Küste inzwischen drei Fregatten im Einsatz, zwei davon schwimmende Elektronik-Maschinen. Diese Schiffe sind nicht nur in der Lage, die gegnerische Aufklärung zu stören, sondern können auch etwaige Syrien angreifende Raketen und Flugzeuge völlig desorientieren. Die syrische Luftabwehr braucht dann nur noch ein Tontauben-Schießen veranstalten.
3. Von was reden Sie?
fintelwudelwix 25.11.2011
Zitat von moliebsteKonnte in Libyen durch Überrumpelung von China und Rußland von den Willigen noch eine humanitäre Tragodie inszeniert werden, so reicht es im Falle Syriens höchstens noch zur Farce. Rußland hat vor der syrischen Küste inzwischen drei Fregatten im Einsatz, zwei davon schwimmende Elektronik-Maschinen. Diese Schiffe sind nicht nur in der Lage, die gegnerische Aufklärung zu stören, sondern können auch etwaige Syrien angreifende Raketen und Flugzeuge völlig desorientieren. Die syrische Luftabwehr braucht dann nur noch ein Tontauben-Schießen veranstalten.
Steht der Westen vor einem Angriff auf Syrien? Und selbst wenn, glauben Sie Russland würde für Syrien sich an Kriegshandlungen gegen den Westen beteiligen? Sie scheinen ja wirklich um das Schicksal eines Schlächters besorgt zu sein, wenn Sie glauben den Westen warnen zu müssen. Danke für die Warnung. Ich werde sie gleich an die Air Force ISR Agency weiterleiten.
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Syriens Protesthochburg Homs: "Mikrokosmos der Gewalt"

Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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