Gewaltwelle im Irak Anschlag in Tal Afar war schlimmster seit Beginn des Krieges

Die Gewaltwelle im Irak hat mit dem verheerenden Bombenanschlag in Tal Afar in dieser Woche einen traurigen Höhepunkt erreicht: Das Innenministerium korrigierte die Zahl der Toten von 85 auf 152 nach oben.


Bagdad - Damit erklärte die Regierung die Attacke vom Dienstag vergangener Woche zur bislang folgenschwersten im ganzen Irak-Krieg. Bislang war nach dem gegen Schiiten gerichteten Anschlag die Rede von 85 Toten und rund 200 Verletzten gewesen. 347 weitere Menschen wurden außerdem verletzt, als der Lastwagen in dem westirakischen Ort detonierte.

Sicherheitskräfte in Tal Afar: Opferzahl von 85 auf 152 nach oben korrigiert
REUTERS

Sicherheitskräfte in Tal Afar: Opferzahl von 85 auf 152 nach oben korrigiert

"Wir haben eine ganze Weile gebraucht, um alle Leichen unter den Trümmern der Häuser zu finden", sagte Ministeriumssprecher Abdul Karim Chalaf auf einer Pressekonferenz. Durch die eingesetzten zwei Tonnen Sprengstoff seien in dem schiitischen Wohngebiet etwa 100 Gebäude zerstört worden. Die Explosion habe einen 23 Meter breiten Krater in die Erde gerissen, teilte Chalaf weiter mit.

Insgesamt waren in Tal Afar an dem Tag zwei Lastwagen in die Luft gegangen, die zweite Explosion war aber deutlich kleiner. Der gezielte Anschlag auf die Schiiten von Tal Afar hatte nur wenige Stunden später im selben Ort zu Vergeltungsangriffen auf sunnitische Iraker geführt. Dabei zogen bewaffnete Schiiten von Haus zu Haus und richteten Männer jeden Alters mit Kopfschüssen hin. Die Behörden hatten die Zahl der Toten hier zunächst mit bis zu 70 angegeben. Chalaf sprach nun von 47 Opfern. Die meisten der Angreifer seien Polizisten gewesen.

Die Regierung hatte eine Untersuchung des Massakers angeordnet. Insgesamt starben in dem Golfstaat in der vergangenen Woche bei verschiedenen Anschlägen auf schiitische Gebiete 400 Menschen. Damit war die Woche die folgenschwerste im Irak, seit die Regierung im Großraum Bagdad im Februar ihre Sicherheitsoffensive gestartet hatte. Das erklärte Ziel war es eigentlich, das endgültige Abgleiten des Landes in einen Bürgerkrieg zu verhindern. Inzwischen macht sich auch innerhalb der Regierung Unzufriedenheit über die eigene Arbeit breit: So reichte Justizminister Haschem al-Schebli seinen Rücktritt ein, wie ein Sprecher am Samstag mitteilte. Er begründete den Schritt damit, dass die Regierungspolitik ein Durcheinander sei.

Der Anschlag von Tal Afar rund 400 Kilometer nördlich von Bagdad ist damit nach dem Anschlag von Sadr City derjenige mit den meisten Opfern seit dem US-Einmarsch im Irak im März 2003. Im November vergangenen Jahres waren in Sadr City 202 Menschen getötet worden.

hoc/AFP/ Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.