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Gewerkschafter zu Thatchers Tod: "Ein wunderbarer Tag"

Margaret Thatcher ist nach ihrem Tod quer durch die politischen Lager gewürdigt worden. Ein Gewerkschafter in Nordengland machte allerdings aus seiner Freude über die Nachricht keinen Hehl - und auch auf Twitter gab es böse Kommentare.

London - Nicht alle in Großbritannien hat die Nachricht vom Tod Margaret Thatchers betrübt - der Funktionär David Hopper von der Bergarbeitergewerkschaft National Union of Mineworkers (NUM) machte aus seiner Freude am Montag keinen Hehl. "Darauf werde ich jetzt anstoßen", sagte Hopper, der bei sich zu Hause im nordostenglischen Durham zugleich Geburtstag feierte. "Das ist ein wunderbarer Tag, ich bin absolut erfreut. Heute ist mein 70. Geburtstag, und es ist einer der besten, die ich je hatte."

Thatchers erste Amtszeit war geprägt von heftigen Auseinandersetzungen mit den britischen Gewerkschaften. Die konservative Premierministerin verfolgte einen rigiden Kurs der Privatisierung von Staatsbetrieben und der Senkung der Staatsausgaben. Nach einjährigem Streik mussten die Bergarbeiter 1985 aufgeben und die Schließung zahlreicher Bergwerke hinnehmen. Unter der Regierung Thatcher wurden 165 Bergwerke geschlossen, fast 230.000 Kumpel verloren ihre Arbeit.

Das Kürzen von Sozialleistungen und eine von ihrer Regierung in Gang gesetzte Welle von Privatisierungen haben für Furore gesorgt. "Thatcher hat mehr Schaden im Nordosten angerichtet als irgendjemand sonst", sagte Hopper. "Es geht nicht nur um die Kohlegruben. Sie ist angetreten, die Gewerkschaften zu zerschlagen. Sie hat die Industriebetriebe dezimiert und unsere Gemeinschaften zerstört." Die NUM, einst ein mächtiger Faktor in der britischen Politik, widmet sich heute im wesentlichen der Betreuung pensionierter Bergarbeiter.

Böse Kommentare bei Twitter

Kritiker von Thatchers Politik sehen die Privatisierungen und Kürzungen als schwere Fehler an, Befürworter halten die Reformen nach wie vor für wichtige strukturpolitische Weichenstellungen.

Auch auf Twitter forderten viele User, Thatcher solle kein Staatsbegräbnis erhalten. Unter dem Hashtag #nostatefuneral finden sich zahlreiche böse Kommentare über die Britin. Allerdings ist laut Downing Street gar kein Staatsbegräbnis geplant, sondern eine zeremonielle Feier mit militärischen Ehren.

Ansonsten war die frühere konservative Regierungschefin in Großbritannien und im Ausland allenthalben gewürdigt worden, auch von der linken Labour-Partei. Deren Vorsitzender Ed Miliband sagte etwa: "Die Labour-Party lehnte vieles ab, was sie tat, und sie wird immer eine umstrittene Figur bleiben. Aber wir können unterschiedlicher Meinung sein und sie gleichzeitig zutiefst für ihre politischen Erfolge und ihre persönliche Stärke respektieren."

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fab/AFP

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