Giffords vor US-Senat: Emotionales Plädoyer für schärferes Waffengesetz

"Zu viele Kinder sterben": Mit einem emotionalen Appell hat sich die Ex-Abgeordnete Gabrielle Giffords im US-Senat für härtere Waffengesetze eingesetzt. Seit dem Blutbad in Newtown war es die erste Debatte zwischen der Waffenlobby und Befürwortern schärferer Verordnungen.

Gabrielle Giffords (Archiv): Noch immer Probleme mit dem Sprechen Zur Großansicht
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Gabrielle Giffords (Archiv): Noch immer Probleme mit dem Sprechen

Washington - Zum ersten Mal seit der Bluttat von Newtown mit zwanzig getöteten Kindern sind in Amerika Befürworter und Gegner schärferer Waffengesetze vor den Senat getreten. Die frühere Abgeordnete Gabrielle Giffords, selbst Opfer einer Schusswaffen-Attacke, sagte an ihre ehemaligen Kollegen gerichtet: "Zu viele Kinder sterben. Zu viele Kinder. Wir müssen etwas unternehmen!"

Giffords rief den Kongress zum Handeln auf. "Wir müssen etwas tun. Es wird schwer sein, aber jetzt ist die Zeit", sagte die frühere Abgeordnete der Demokraten, die noch immer Mühe hatte, sich zu artikulieren. Giffords war im Januar 2011 bei einem Besuch in ihrem Wahlkreis im Bundesstaat Arizona von einem jungen Mann aus nächster Nähe in den Kopf geschossen worden. Die Politikerin überlebte schwer verletzt.

Wayne LaPierre von der Waffenlobbyorganisation NRA argumentierte gegen Gifford: Man müsse bestehende Gesetze zur Überprüfung von Waffenkäufern anzuwenden, anstatt neue Gesetze einzuführen. Gesetzestreue Waffenbesitzer würden nicht die Schuld für gewalttätige oder geistesgestörte Kriminelle auf sich nehmen, so LaPierre. "Wir glauben auch nicht, dass die Regierung vorschreiben sollte, welche Waffen wir gesetzmäßig besitzen und nutzen dürfen, um unsere Familien zu schützen", sagte der Lobbyist.

Die mit rund zwei Dutzend Teilnehmern besetzte Runde diskutierte auch Maßnahmen aus dem von Präsident Barack Obama vorgestellten Paket gegen Waffengewalt. Während eine verbindliche Überprüfung jedes Waffenkäufers auf psychische Vorerkrankungen eher Zustimmung erzielte, lehnten einige konservative Vertreter eine maximal erlaubte Patronenzahl für Waffenmagazine oder gar ein generelles Verbot von halbautomatischen Sturmgewehren ab. "Eine Kugel in der Hand eines Geisteskranken ist zu viel - sechs Kugeln in der Hand einer Mutter, die ihre neun Jahre alten Kinder schützen möchte, sind möglicherweise zu wenig", so der Republikaner Chuck Grassley.

In den USA hatten das Kino-Attentat in Aurora mit zwölf Toten und das Blutbad von Newtown eine hitzige Debatte über schärfere Waffenrechte ausgelöst. Der im Senat diskutierte Entwurf würde die Herstellung, die Einfuhr und den Verkauf von mehr als 150 verschiedenen, meist halbautomatischen Waffen untersagen. Außerdem ist ein Verbot von Magazinen mit mehr als zehn Patronen geplant.

Die Erfolgschancen für das Gesetz sind aber begrenzt: Traditionell sperren sich die Republikaner in Senat und Repräsentantenhaus gegen strengere Waffengesetze. Auch Abgeordnete von Obamas Demokraten, die ländliche Wahlkreise vertreten, stehen einer Reform skeptisch gegenüber.

Die Verfassung garantiert das Recht auf Waffenbesitz, rund 300 Millionen Waffen befinden sich laut Schätzungen in den USA in Privatbesitz. Rund 11.000 Menschen werden in den Vereinigten Staaten pro Jahr Opfer von Verbrechen mit Waffengewalt.

lei/dpa/AFP

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insgesamt 107 Beiträge
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1. Es ist nicht die erste Debatte
kölschejung72 30.01.2013
seit dem Attentat in Newton. Möglicherweise ist es die einzige Debatte, über die der Spiegel im Rahmen der Entwaffnung der Amerikaner angeordnet durch die Vertreter der Neuen Weltordnung berichten darf. Hier finden sie einen Zusammenschnitt der letzten 2-3 Debatten, die klar zugunsten der Waffenlobby ausgingen. http://www.youtube.com/watch?v=KztkvfeyO80
2. Der US-amerikanische Wahnsinn
My2Cents 30.01.2013
"sechs Kugeln in der Hand einer Mutter, die ihre neun Jahre alten Kinder schützen möchte, sind möglicherweise zu wenig" - Wahnsinn. Ich stelle mir dieses Bild gerade vor... Sechs üble Menschen greifen sich ein Kind, die Mutter zieht die Knarre und macht alle nieder. Sehr realistischer Use-Case... ...oder? ---------------- Und was, wenn die Mutter mal nur einen schlechten Tag hat? ---------------- Oder meinte der NRA-Sprecher tatsächlich wörtlich "sechs Kugeln"? ... zum hinterher Werfen?
3. Privater Waffenbesitz schadet der Verteidigung der Demokratie
Bjoern Kunter 31.01.2013
Als die USA das Recht auf Waffenbesitz in ihre Verfassung aufnahmen war es als Mittel der Demokratisierung gedacht. Die Menschen sollten in der Lage sein sich notfalls mit Waffengewalt gegen ihre Regierung zu Wehr setzen zu können. Angesichts der Weiterentwicklung gewaltfreier Techniken, mit deren Hilfe nicht nur Regierungen in Serbien, der Ukraine, den Philippinen, Tunesien, Ägypten etc gestürzt wurden, sondern die auch in ihrer Gesamtheit häufiger erfolgreich verlaufen (so zumindest die Studie von Chenoweth & Stephan: "Why Civil Resistance Works), ist die Idee demokratische Rechte mit Waffengewalt schützen zu können, einfach antiquiert. Gene Sharp hat schon in den 1970er Jahren gezeigt, dass autoritäre Regime die militärische Auseinandersetzung vorziehen, weil sie sich dadurch bessere Chancen ausrechnen. In Syrien ließ das Regime 2011 sogar gezielt Waffen verteilen, indem sie offene Lastwagen mit (veralteten) Gewehren entlang der Demonstrationsstrecken "vergaß". Weit sinnvoller als das Recht auf Waffenbesitz wäre daher eine systematische Schulung der Bevölkerung in gewaltfreiem Widerstand.
4. 2nd amendment
winandy 31.01.2013
Zitat: "Die Verfassung garantiert das Recht auf Waffenbesitz...." Das wird nur so ausgelegt. Der zweite Zusatz zur US-Verfassung lautet: "A well regulated militia being necessary to the security of a free state, the right of the people to keep and bear arms shall not be infringed." Zu Deutsch: Da ein wohl regulierte Miliz fuer die Sicherheit eines freien Staats notwendig ist, soll das Recht der Menschen Waffen zu besitzten und zu tragen nicht eingeschraenkt werden. Das laesst einigen Spielraum fuer Interpretation: duerfen die Buerger also nur Waffen besitzen wenn sie eine Miliz angehoeren? Die Miliz existiert, es ist die National Guard. Was bedeutet "wohl reguliert"? Welche Waffen sind gemeint: Vorderlader oder Atomwaffen? In 2008 hat der US Supreme Court mit knapper Mehrheit entschieden dass der erste Teilsatz nur eine beispielhafte Anwendung des im zweiten Teilsatz garantierten Rechts darstellt. Damit haben sie die heute allgemein anerkannte Auslegung der Verfassung geschaffen. In Stein gemeisselt ist das aber nicht. Derlei "case law" kann auch "overturned" werden. Viele Gruesse aus dem liebralen (und warmen) Kalifornien nach Deutschland. -winandy
5. Ballot2014
jbleeck 31.01.2013
Wir leben fast 30 Jahre in den USA. Taeglich sterben hier Menschen durch Schusswaffen,deren Besitz drastisch eingeschraenkt werden muss. Es ist sinnlos,mit der Waffenlobby zu diskutieren. Die bisher schweigende Mehrheit kann und sollte ihren Wunsch nach sehr strengen Waffengesetzen durchsetzen bei den naechsten Kongresswahlen 2014.
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