Hunderte Tote nach Giftgaseinsatz: Frankreich droht Assad mit Reaktion der Stärke

Außenminister Westerwelle mit französischem Amtskollegen Fabius: "Wenn das wahr ist, ist es grauenvoll" Zur Großansicht
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Außenminister Westerwelle mit französischem Amtskollegen Fabius: "Wenn das wahr ist, ist es grauenvoll"

Entsetzt und besorgt reagieren die Europäer auf den Chemiewaffenangriff in Syrien, bei dem Hunderte Menschen starben. Frankreich droht indirekt mit militärischem Eingreifen. Deutschland warnt: Das Verbrechen müsse erst vollständig aufgeklärt werden.

Berlin/Paris - Die französische Regierung droht nach dem Giftgasangriff in Syrien mit einem harten Vorgehen. "Wenn das wahr ist, ist es grauenvoll", sagte Außenminister Laurent Fabius dem französischen Sender BFM TV und deutete ein militärisches Eingreifen an. Sollten dem Regime die Attacken nachgewiesen werden, sei mehr als eine internationale Verurteilung notwendig. Dann müsse es eine "Reaktion der Stärke" geben.

Frankreich macht somit offenbar die Truppen von Präsident Baschar al-Assad für die Tat verantwortlich. Großbritanniens Außenminister William Hague erklärte bereits, er hoffe, die mutmaßliche Attacke führe den Unterstützern Assads dessen "mörderische und barbarische" Art der Herrschaft vor Augen.

Östlich der Hauptstadt Damaskus soll am Mittwoch ein grauenvoller Angriff stattgefunden haben: Zwischen 500 und 1300 Menschen sollen bei einer Attacke mit Giftgas gestorben sein, berichtet die Opposition. Auf Videos waren zahlreiche Leichen zu sehen, darunter viele Kinder. Augenzeugen berichten von schrecklichen Szenen in Notkrankenhäusern in Irbin. Momentan weiß allerdings niemand mit Sicherheit, wer für das Grauen verantwortlich ist. Die Aufständischen beschuldigen das Assad-Regime, dieses dementiert.

Auch Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle verurteilte den Chemiewaffeneinsatz als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Zugleich bremste er Spekulationen über ein mögliches militärisches Eingreifen. "Bevor man über Konsequenzen spricht, muss man eine wirkliche Aufklärung ermöglichen", sagte Westerwelle.

Die Türkei pocht auf schnelle Sanktionen. Ohne ein entschlossenes Vorgehen müsse man mit weiteren Massakern rechnen, so Minister Davutoglu bei seinem Besuch in Berlin. In Syrien seien alle "roten Linien" überschritten worden. Von einem militärischen Eingreifen sprach er jedoch nicht.

Israel kritisiert die abwartende Haltung des Westens im Syrien-Krieg scharf. "Die Welt verurteilt, die Welt untersucht, die Welt gibt Lippenbekenntnisse ab", sagte Juval Steinitz, Minister für Geheimdienste und strategische Angelegenheiten, im israelischen Rundfunk. "In den vergangenen zwei Jahren ist nichts Ernsthaftes unternommen worden, um die Massaker des Assad-Regimes an seinen Bürgern zu stoppen." Er machte das Regime auch für den neuen Giftgaseinsatz verantwortlich.

Uno-Experten sollen Vorwürfe klären

US-Präsident Barack Obama hatte den Einsatz von Chemiewaffen vor rund einem Jahr als "rote Linie" für ein militärisches Eingreifen in den Bürgerkrieg bezeichnet. Seither wurden von Rebellen- und Regierungsseite mehrfach Vorwürfe erhoben, es sei Giftgas eingesetzt worden. Derzeit hält sich ein Team von Uno-Experten in Syrien auf, um das zu überprüfen.

Viele westliche Staaten fordern, die Experten sollten den neuen grausamen Vorfall untersuchen. Bislang ist aber unklar, ob Assad eine Überprüfung der Vorwürfe zulassen wird. Die syrische Regierung will kurzfristig keinen Besuch der Experten in dem umkämpften Gebiet östlich von Damaskus erlauben.

Der Uno-Sicherheitsrat hatte nach einer Krisensitzung darauf verzichtet, eine Untersuchung durch die Uno-Inspektoren zu fordern - nach Angaben von Diplomaten blockierten die Vetomächte Russland und China einen entsprechenden Vorstoß.

Die USA reagieren jetzt zögerlich. Washington will warten, bis das Uno-Team die Vorwürfe aufgeklärt hat. Auf die Frage, was passiere, wenn das Massaker nicht aufgeklärt werden könne, antwortete Obamas Sprecher Josh Earnest: "Bevor wir empfehlen, was nach einer Inspektion geschehen könnte, sollten wir sichergehen, dass diese Untersuchung überhaupt erst mal stattfindet."

Die mit Assad verbündete Regierung Irans wies die Vorwürfe gegen die Regierungstruppen am Donnerstag zurück. "Wenn die Informationen zur Verwendung chemischer Waffen zutreffend sind, sind sie ganz sicher von den Terroristen und Takfiris (sunnitischen Extremisten) eingesetzt worden, die gezeigt haben, dass sie vor keinem Verbrechen zurückschrecken", sagte der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif laut amtlicher Nachrichtenagentur Irna.

kgp/dpa/AFP

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1. Das GiftgasKommitee
spon-facebook-10000069206 22.08.2013
Wie ein Zufall. Kaum haben die Kriegstreiberlaender von Syrien,US+UK+DE+FR+Israel in den VN durchgepeitscht das Giftgaskontrolleure geschickt werden muessen , und sehe da ist schon der erste Giftgaseinsatz .Dabei soll man bedenken das mindestens US+UK+FR+Israel Giftgas besitzen
2. Das GiftgasKommitee
spon-facebook-10000069206 22.08.2013
Zitat von sysopDPAEntsetzt und besorgt reagieren die Europäer auf den Chemiewaffenangriff in Syrien, bei dem Hunderte Menschen starben. Frankreich droht indirekt mit militärischem Eingreifen. Deutschland warnt: Das Verbrechen müsse erst vollständig aufgeklärt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/giftgas-in-syrien-frankreich-droht-mit-konsequenzen-berlin-bremst-a-917974.html
Wie ein Zufall. Kaum haben die Kriegstreiberlaender von Syrien,US+UK+DE+FR+Israel in den VN durchgepeitscht das Giftgaskontrolleure geschickt werden muessen , und sehe da ist schon der erste Giftgaseinsatz .Dabei soll man bedenken das mindestens US+UK+FR+Israel Giftgas besitzen
3. Natürlich...
echobravo 22.08.2013
muss zuerst geklärt werden was da los war! Ich halte es nicht für unmöglich, dass die Rebellen die Bevölkerung für ihre Ziele Opfern, Gott werde die ja bei sich aufnehmen!
4.
UdoL 22.08.2013
Zitat von sysopDPAEntsetzt und besorgt reagieren die Europäer auf den Chemiewaffenangriff in Syrien, bei dem Hunderte Menschen starben. Frankreich droht indirekt mit militärischem Eingreifen. Deutschland warnt: Das Verbrechen müsse erst vollständig aufgeklärt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/giftgas-in-syrien-frankreich-droht-mit-konsequenzen-berlin-bremst-a-917974.html
... um dann einzugreifen, wenn sich Entsprechendes ergibt ...? Klar, anders werden wir unser Geld schließlich nicht los. Und dass die Afghanistan-Geschichte außer Ärger rein gar nichts gebracht hat, ist als misslungene Generalprobe zu werten.
5. Frankreich droht mit Reaktion der Staerke
merkur08 22.08.2013
Selten so gelacht. Frankreich ist dazu militaerisch ueberhaupt nicht in der Lage. Im Unterschied mit Mal hat Frankreich um Syrien ueberhaupt keine Landsturtzpunkte und muesste seinen einzigen Flugzeigtraeger einsetzen. Im Vergelich zu den amerikanischen ist der relativ klein und duerfte auch nich tbesonders viel Begleitschiffe haben. Und Raketenbeschuss von Schiffen aus? In Syrien liegen russische Kriegsschiffe. Die koennten zureuckschiessen, oder die Syrer mit moderen Boden-See Raketen ausruesten. Das waere es dann. Ohne den Ami wird es nicht gehen und der will offensichtlich nicht.
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Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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