Chemiewaffen in Syrien Russischer Spitzenpolitiker bezichtigt Obama der Lüge

Ein russischer Außenpolitiker greift US-Präsident Obama scharf an. Sein Vorwurf, der syrische Diktator Assad habe Chemiewaffen eingesetzt, sei eine Lüge. Die Informationen seien gefälscht wie einst die Berichte über Massenvernichtungswaffen im Irak.

Zerstörtes Homs:  USA sehen rote Linie überschritten
REUTERS/ SNN

Zerstörtes Homs: USA sehen rote Linie überschritten


Moskau - Der russische Politiker Alexej Puschkow gilt nicht gerade als Diplomat, obwohl er Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma ist. Mit schneidenden Worten kritisiert er gerne mal Europa und die USA - auch seine neuesten Einlassungen dürften Washington irritieren, wenn nicht sehr verärgern. Denn über Twitter verkündete Puschkow, die US-Berichte über einen Einsatz von Chemiewaffen durch die syrische Armee seien eine Fälschung.

Die Informationen seien "an derselben Stelle fabriziert" worden wie die "Lüge" über Massenvernichtungswaffen des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein, schrieb Puschkow. US-Präsident Barack Obama beschreite damit den gleichen Weg wie sein Vorgänger George W. Bush vor dem Irak-Krieg. Bush hatte die angeblichen Massenvernichtungswaffen als Grund für die Invasion des Irak 2003 genannt, die Waffen wurden allerdings nie gefunden.

Doch die USA sind nicht allein mit ihrem Vorwurf gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Auch Frankreich und Großbritannien haben die Führung in Damaskus beschuldigt, mit Giftgas gegen die Rebellen vorzugehen.

Das US-Präsidialamt erklärte am Donnerstag, Assads Streitkräfte hätten im vergangenen Jahr mehrfach in kleinerem Umfang Kampfstoffe wie das Nervengift Sarin eingesetzt. Es beruft sich auf Erkenntnisse des Geheimdienstes. Vizesicherheitsberater Ben Rhodes erklärte zugleich, auch Russland seien diese Beweise zugänglich gemacht worden.

Assads Verbündete in Moskau

Russland gilt als Verbündeter des Assad-Regimes. Moskau hatte unter anderem angekündigt, Kampfjets an den Diktator zu liefern und wurde dafür unter anderem von Bundesaußenminister Guido Westerwelle scharf kritisiert.

Das Verhältnis zwischen Moskau und Washington war in den vergangenen Monaten nicht immer einfach. Zuletzt bemühten sich aber beide Länder, eine internationale Friedenskonferenz für das Bürgerkriegsland Syrien zu initiieren.

Heftig umstritten ist aber seit Wochen, ob Chemiewaffen in Syrien eingesetzt wurden und von wem. Journalisten der Zeitung "Le Monde" wurden nach eigenen Aussagen Zeugen eines solchen Angriffs auf Rebellen.

Obama hatte den Einsatz chemischer Kampfstoffe wiederholt zur "roten Linie" erklärt. Jetzt zieht er Konsequenzen: Die Rebellen würden künftig stärker militärisch unterstützt, kündigte Obama an.

Die syrische Opposition begrüßte dieses Vorhaben. Der Generalstabschef der von Deserteuren gegründeten Freien Syrischen Armee, General Salim Idriss, äußerte gegenüber dem Nachrichtensender al-Arabija die Hoffnung, dass es nicht bei Plänen bleibe, sondern dass sie so schnell wie möglich auch umgesetzt würden.

In dem seit mehr als zwei Jahren andauernden syrischen Konflikt sind Uno-Schätzungen zufolge mindestens 93.000 Menschen getötet worden.

kgp/dpa/Reuters

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ftraven 14.06.2013
1. Bekanntes Muster
Kennt man dies von den USA nicht schon zur Genüge? Wir war das mit den Massenvernichtungsmitteln des Irak? Die Welt wurde bewusst von den USA belogen, um einen völkerrechtswidrigen Racheangriff auf Hussein führen zu können. Die Folgen sieht man ja heute und wie der Irak im Chaos und Bürgerkrieg versinkt. Sollten die USA (mit dem Westen) auch in Syrien eingreifen, so wird ein Pulverfass im Nahen Osten explodieren, mit allen möglichen militärischen und wirtschaftlichen Folgen. Es schein mittlerweile eine Manie des Westens zu sein, sich militärisch in die Angelegenheiten anderer Staaten einzuschreiten (Irak, Libyen, Mali etc.). Seltsam ist nur, dass es nicht dort passiert (z.B. Kongo, Somalia), wo keine geostrategischen Überlegungen dahinterstehen.
Noctim 14.06.2013
2.
Giftgas hin oder her. Für die Opfer ist es egal, ob sie zerfetzt, erschossen oder vergast werden. Sie sind ganz einfach tot. Überprüfen kann es niemand. Ich glaube den USA in dieser Hinsicht nicht mehr. Aber diesen Wahnsinnigen Irren bei den Rebellen noch mehr Waffen zu geben, halte ich für vollkommen falsch und fatal. Das wird nach hinten losgehen, wie damals bei Saddam und Osama.
Dramidoc 14.06.2013
3.
Zitat von sysopREUTERSEin russischer Außenpolitiker greift US-Präsident Obama scharf an. Sein Vorwurf, der syrische Diktator Assad habe Chemiewaffen eingesetzt, sei eine Lüge. Die Informationen seien gefälscht wie einst die Berichte über Massenvernichtungswaffen im Irak. http://www.spiegel.de/politik/ausland/giftgas-in-syrien-puschkow-wirft-obama-luege-vor-a-905698.html
Wenn man die Geschichte der USA seit 1898 betrachtet und das Verhalten gegenüber den Indianern, halte ich den Vorwurf Putins in der Sache für berechtigt. wie heißt es so schön: "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht"
ralf_si 14.06.2013
4.
Unter der Annahme, dass tatsächlich Chemiewaffen eingesetzt wurden (und das ganze nicht wieder ein Märchen der kriegstreiberischen USA ist): Ist denn sicher, dass es nicht die Rebellen selbst waren und den Verdacht auf das Regime lenken will? Die Geschichte zeigt doch immer wieder, dass "Beweise" auch gern untergeschoben werden...
quadratwurzel 14.06.2013
5. Der kalte Krieg kehrt zurück
Zitat von sysopREUTERSEin russischer Außenpolitiker greift US-Präsident Obama scharf an. Sein Vorwurf, der syrische Diktator Assad habe Chemiewaffen eingesetzt, sei eine Lüge. Die Informationen seien gefälscht wie einst die Berichte über Massenvernichtungswaffen im Irak. http://www.spiegel.de/politik/ausland/giftgas-in-syrien-puschkow-wirft-obama-luege-vor-a-905698.html
Wenn man sich die Entwicklung der Weltlage in den letzten Monaten ansieht, würde es mich nicht wundern, wenn es bald wieder zu einem kalten Krieg kommt. Das wachsende Misstrauen zwischen den USA und Russland, die Situation im nahen Osten, die Rolle Chinas, der Kampf um Ressourcen – all dies kann zwangsläufig nur zu einer Konfrontation führen. ich denke, wir sollten uns langsam dran gewöhnen, irgendwann einmal zur besten Sendezeit die Übertragung einer Atomexplosion sehen zu dürfen, weil irgendjemand ausgerastet ist.
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