Giftgasattacke in Syrien: Uno drängt auf Zugang zum Ort des Grauens

Noch haben die Uno-Experten keinen Zugang zu den Orten bekommen, an denen Syriens Armee Giftgas eingesetzt haben soll. Doch der Druck auf das Regime wächst. US-Präsident Obama lässt das Militär Optionen für eine Intervention vorbereiten.

Damaskus - Hat das syrische Militär wirklich Giftgas gegen die Rebellen eingesetzt? Während westliche Regierungen ihre Optionen prüfen, sollen die Inspekteure der Vereinten Nationen den Fall vor Ort untersuchen. Auch die deutsche Uno-Abrüstungsexpertin Angela Kane ist inzwischen in Damaskus gelandet. Bisher jedoch bekommen die Uno-Vertreter keinen Zugang zu den betroffenen Bezirken östlich der Hauptstadt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte die syrische Regierung auf, die Gesandten nicht zu behindern. "Jetzt geht es darum, den Uno-Inspekteuren, die bereits in Syrien sind, schnellstmöglich Zugang zum Ort des Geschehens zu verschaffen", sagte Merkel dem "Focus".

Um den angeblichen Einsatz von Nervengas zweifelsfrei klären zu können, bleibt den Uno-Mitarbeitern offenbar nicht viel Zeit. Je später die Experten vor Ort Proben nehmen könnten, desto schwerer werde ein Nachweis, sagte der Chemiewaffenexperte des Schweizer Bundesamtes für Bevölkerungsschutz, Stefan Mogl, im Deutschlandradio Kultur. Die Uno-Mitarbeiter bräuchten so rasch wie möglich sicheres Geleit, um mutmaßlichen Opfern Blut- und Urinproben entnehmen zu können. Solche Proben müssten binnen weniger Tagen genommen werden, um aussagekräftig zu sein. Im Boden ließen sich dagegen Spuren von Kampfstoffen auch später noch nachweisen.

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Möglicher Giftgasangriff: Uno-Inspekteure in Syrien

Syrische Rebellen werfen Machthaber Baschar al-Assad vor, bei einem Giftgasangriff östlich von Damaskus bis zu 1300 Menschen getötet zu haben.

Neben der britischen Regierung macht nun auch Frankreich das Regime für den Angriff verantwortlich. Alle bekannten Anzeichen deuteten darauf hin, dass es bei Damaskus ein Massaker mit Chemiewaffen gegeben habe und das Regime von Assad dahinter stehe, sagte der französische Außenminister Laurent Fabius. Beweise dafür gibt es bisher nicht.

Die syrische Regierung holt inzwischen auch zum propagandistischen Gegenschlag aus: Das staatliche Fernsehen berichtet, Soldaten hätten in Rebellentunneln in einem Vorort von Damaskus Chemikalien gefunden. Einige der Männer würden nun gesundheitliche Probleme haben und müssten behandelt werden. Hierfür gibt es jedoch ebenfalls keine unabhängige Bestätigung.

USA bereitet Optionen für Intervention vor

Nach den Berichten über den mutmaßlichen Giftgasangriff sind die Forderungen nach einem Eingreifen des Westens lauter geworden. US-Präsident Barack Obama äußerte sich zwar zurückhaltend, wies das Pentagon jedoch an, Optionen für ein mögliches militärisches Eingreifen vorzubereiten. Mit dem Zerstörer "USS Mahan" wurde bereits ein viertes Kriegsschiff in das östliche Mittelmeer beordert. Das Pentagon habe die Pflicht, dem Präsidenten Optionen für alle Eventualitäten anzubieten, sagte Verteidigungsminister Chuck Hagel.

In US-Medien werden bereits Angriffsszenarien mit Marschflugkörpern diskutiert. Laut einem Bericht der "New York Times" betrachten Obamas Sicherheitsberater auch den Luftkrieg im Kosovo 1999 als eine mögliche Blaupause für einen Schlag gegen das Assad-Regime.

Obama nannte die Berichte über den möglichen Giftgasangriff in einem Interview mit dem TV-Sender CNN "zutiefst beunruhigend". Er sprach jedoch auch von völkerrechtlichen Bedenken, sollte es keine klaren Beweise für den Einsatz von Chemiewaffen geben. Bei einem Eingreifen ohne Uno-Mandat müsse man auch die Frage stellen: "Haben wir eine Koalition, die es möglich machen würde?" Offenbar will sich der Präsident am Samstagvormittag mit seinen Sicherheitsberatern treffen, um alle Optionen für Syrien auszuloten.

Generalstabschefs treffen sich in Jordanien

Am Sonntag sollen zudem Gespräche internationaler Militärs in Amman beginnen. Auf Einladung Jordaniens kommen die Generalstabschefs mehrerer Länder zusammen, darunter der US-Generalstabschef Martin Dempsey und seine Kollegen aus Saudi-Arabien, Katar, der Türkei, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada. Wie eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums bestätigte, wird auch der deutsche Generalinspekteur Volker Wieker an dem dreitägigen Treffen teilnehmen. Die Einladung sei allerdings schon am 7. August eingegangen, sie stehe daher nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der aktuellen Entwicklung in Syrien.

Jordanischen Angaben zufolge sollen bei dem Treffen die Auswirkungen der syrischen Krise auf die Region und Möglichkeiten zur militärischen Kooperation besprochen werden, um die Sicherheit Jordaniens zu gewährleisten.

hut/AP/AFP/dpa

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1. Natürlich
Steinwald 24.08.2013
Wahrscheinlich war das nicht der Assad, aber ehrlich gesagt ist es doch auch mittlerweile wurscht. Wie kann es sein, daß dieser Krieg immer weitergeht, ich finde, die Welt sollte endlich eingreifen, dem Horror ein Ende bereiten und dafür sorgen, daß sich dort kein Gottesstaat breitmacht. Wie unmenschlich müssen jene in der russischen und chinesischen Staatsführung inzwischen sein, trotz all des Grauens in Syrien einfach eine Lösung weiter zu blockieren. Ein Eingreifen wäre richtig, aber es geschieht nicht aus Angst vor den Russen. Dabei müßte schon ein getötetes Kind Grund genug sein, daß alle sagen, sorry, wir legen sofort die Waffen nieder, das war Quatsch, laßt uns reden. Mein Gott, was ist aus den Menschen geworden. Bzw. wozu ist diese Spezies in der Lage... grauenhaft.
2. noch nicht ein jota
aufdenpunkt 24.08.2013
von Beweisen wer da wen mit Gas beschossen hat - und schon wieder Aufregung ueber alle Grenzen hinweg. Es waere dem Westen sehr zu raten strategische Interessen im Auge zu behalten und sich nicht wieder vorschnell mit der falschen Seite ( sprich alQaida treuen sog. Opposition in Syria) zu verbuenden
3. abgekartetes Spiel
natonothanks 24.08.2013
Es war klar das die imperialistischen Hauptmächte irgenwann zum offenen Bombebterror übergehen, es war nur eine Frage der Zeit. Wäre es Syrien gelungen den islamistischen Terror zu besiegen und damit die US-amerikanischen Agenten in die Flucht zu schlagen, wäre das als Niederlage der USA angesehen worden - und kein Präsident will als Verlierer gelten. Nun wird eine Welle des mordens, folterns und halsabschneidens Syrien überollen, mit NATO Luftunterstüzung wird AL-Kaida den Krieg so leicht gewinnen wie in Libyen. Von Syrien wird nicht viel übrig bleiben - außer Leichengeruch und triumphierende Islamistenmilizen, der Grossteil der Bevölkerung ermordet oder vertrieben.
4. der reinste irrsinn,diese art des journalismus...
der autobahn 24.08.2013
aber orte des grauens für die amerika & fassallen verantwortlich sind,existieren in deutschlands propagandamedien nicht. hier wird eindeutig kriegspropaganda in seiner übelsten form betrieben. ich frage mich was diese kriegshetze saudie arabien und katar gekostet haben. wenn es zum überfall auf syrien kommen sollte,hat sich die springer,bertelsmann,staatsjournalie aber auch die redaktion des spiegels für das was jetzt passiert zu verantworten.
5. USA hat erfolgreich das Yougoslawien-Morden gestoppt
plagiatejäger 24.08.2013
Das war ein Armutszeugnis für Europa, als man nach Jahren des Mordens nur zuschaute, bis die USA die Menschen (Muslime) gerettet haben.
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Kinder als Flüchtlinge: Die Massenflucht der kleinsten Syrer

Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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