Giftgasinspektion in Duma USA werfen Russland und Syrien bewusste Verzögerung vor

Auch zwölf Tage nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff im syrischen Duma bleibt internationalen Chemiewaffenexperten der Zugang verwehrt. Aus den USA heißt es nun, Moskau und Damaskus behinderten die Untersuchung gezielt.

Syrisches Duma
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Syrisches Duma


Seit Tagen schon verzögert sich die Untersuchung eines mutmaßlichen Giftgasangriffs in der syrischen Stadt Duma durch internationale Experten. Die US-Regierung vermutet, dass Russland und Syrien dafür verantwortlich sind. "Wir haben glaubwürdige Informationen, dass russische Vertreter mit dem syrischen Regime kooperieren, um den Inspekteuren den Zugang nach Duma zu verwehren und Zeugen zu beeinflussen", twitterte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert.

Die USA vermuteten daher, dass Russland und Syrien eine eigene inszenierte Untersuchung in Duma durchführen wollten. Zudem sollten die Stellen, an denen die Giftgasangriffe vermutet wurden, durch das Entfernen möglicher Beweise für den Einsatz von Giftgas "gesäubert" werden.

Experten der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) sitzen seit Tagen in der Hauptstadt Damaskus fest und können nicht nach Duma. Sicherheitsmitarbeiter der Vereinten Nationen waren zuletzt unter Beschuss geraten, als sie die Lage in Duma für das OPCW-Team erkunden wollten. Die Zeit für die Spurensicherung drängt. Die mutmaßliche Attacke war bereits am 7. April.

US-Verteidigungsminister James Mattis hatte bereits am Mittwoch der Regierung in Damaskus vorgeworfen, dafür zu sorgen, dass die internationalen Experten nicht zu den entsprechenden Orten gelangen können. Der britische Botschafter Peter Wilson beklagte Anfang der Woche, Russland blockiere die Ermittlungen in Syrien. Einen Tag darauf hieß es aus dem französischen Außenministerium: Man sei sich sicher, dass in der Zwischenzeit Beweise verschwinden.

Duma war zum Zeitpunkt des Angriffs mit Dutzenden Toten in der Hand islamistischer Rebellen, steht inzwischen aber unter Kontrolle der syrischen Regierung und seines Verbündeten Russland. Westliche Staaten machen die syrische Regierung für den mutmaßlichen Giftgasangriff verantwortlich. Nach Angaben der syrischen Zivilschutzorganisation Weißhelme wurden dabei mehr als 40 Menschen getötet.

Die USA, Großbritannien und Frankreich hatten auf den Gasangriff mit einer Luftattacke auf mehrere Giftgaseinrichtungen in Syrien reagiert. Dabei waren am Samstag mehr als hundert Marschflugkörper eingesetzt worden.

Die syrische Regierung und ihr Verbündeter Russland bestreiten den Einsatz von Chemiewaffen. Der syrische Uno-Botschafter Baschar al-Dschafari hatte vor Kurzem mitgeteilt, die OPCW-Experten hätten noch nicht ihre Arbeit aufnehmen können, da sie noch auf grünes Licht des Uno-Sicherheitsteams warteten.

aar/dpa

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quark2@mailinator.com 20.04.2018
1.
Also wenn man will, daß Inspekteure schnell vor Ort kommen, dann macht es vielleicht Sinn, das Land nicht mit einer Unzahl an Marschflugkörpern zu beschießen, insbesondere wenn man dann noch auf Stellen zielt, an denen (Gegen-)Beweise sein könnten. Mal ganz davon abgesehen, daß der Beschuß nach der UN-Charta illegal war.
andre1972 20.04.2018
2. Und was wäre zu lesen, wenn
wirklich Experten der OPCW zu schaden kämen...? Dann würde die Formulierung von "Verzögerung" zu "Sabotage" wechseln oder schlimmeres, die Russen wären Schuld (Assad ja eh) und es gäbe neue Sanktionen - einen Grund würde man finden. Also ganz dünnes Eis, Damaskus/Russland wird für die Sicherheit der Mission in die Verantwortung genommen. Auf der anderen Seite wissen dies natürlich auch die Gegner und somit wären die Kontrolleure die perfekten Opfer, denn der Schuldige stände schon fest ...
bran_winterfell 20.04.2018
3. Ist schon merkwürdig...
Während im Netz schon haufenweise Videos und Interviews aus Duma machen, mit 'Funden' und 'Zeugen' und 'Beweisen' für die russischen Versionen (die sich ja ständig ändern), können unabhängige Untersuchungen nicht stattfinden. Man muss schon sehr naiv sein bzw sein wollen, wenn man das alles glaubt und umgekehrt 'den Westen' ständig Lug und Trug vorwirft.
Idinger 20.04.2018
4. Wie zu erwarten
ist es den vereinten Kräften von Russland und Syrien gelungen, die Inspektionen so zu verzögern, dass alle Spuren beseitigt werden können. Das zeigt einmal mehr, daß diese beiden Länder kein wirkliches Interesse an einer unabhängigen Untersuchung haben. Ich verstehe auch nicht, dass die UNO nicht von Anfang an die OPCW-Experten von einem robusten Schutz durch Bewaffnete unbeteiligter Staaten begleiten ließ. Offensichtlich war die Staatengemeinschaft wieder mal zu vertrauensseelig vor allem gegenüber der Assad-Schutzmacht Russland.
Ventil4tor 20.04.2018
5. Kaum verdächtig...
Warum verzögert sich das? Schon wieder mal, wenn es um Untersuchungen geht! Hat Russland nicht gesagt und darauf gedrängt? Damit macht man sich aber unglaubwürdig und verdächtig! Laßt die Leute durch und ihre Arbeit machen! Wer nichts zu verbergen hat, muss doch nichts befürchten...
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