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Gipfel in Kopenhagen: Klimapolitiker warnen vor Kompromissen

Zwei Wochen zur Rettung der Welt: Regierungsvertreter aus 192 Staaten verhandeln ab heute in Kopenhagen darüber, wie der Klimakollaps zu verhindern ist. Experten unter den Politikern warnen vor einem Minimalkonsens - er wäre das Schlimmste, eine enorme Belastung für kommende Generationen.

Mann vor Weltkugel-Installation in Kopenhagen: "Unterstützung der Menschen in aller Welt" Zur Großansicht
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Mann vor Weltkugel-Installation in Kopenhagen: "Unterstützung der Menschen in aller Welt"

Kopenhagen - Hoffen auf den Durchbruch: Kurz vor dem Beginn des wichtigen Uno-Klimagipfels in Kopenhagen hat der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) die Konferenzteilnehmer zu entschiedenem Handeln aufgefordert. "Klimawandel ist keine Gefahr der fernen Zukunft, Klimawandel passiert bereits jetzt", sagte der ehemalige Chef des Uno-Umweltprogramms der "Passauer Neuen Presse". "Wenn wir nicht wirklich handeln, werden wir alle verlieren. Wir können uns ein Scheitern des Gipfels nicht erlauben."

Wegen der drastischen Unterschiede der an dem Gipfel teilnehmenden Ländern erwarte er "schwierige Verhandlungen". "Aber ich glaube, dass wir die Unterstützung der Menschen in aller Welt haben", sagte Töpfer der Zeitung. Töpfer gab sich außerdem überzeugt, dass das Ziel der Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad in Kopenhagen grundsätzlich anerkannt werde. Die Frage werde eher sein, "ob jetzt schon alle Maßnahmen rechtsverbindlich beschlossen werden", die das Erreichen dieses Zieles gewährleisteten. Vor diesem Hintergrund forderte er die Bundesregierung zum Handeln auf. Noch sei "nicht zu sehen, wie wir unser Ziel von fast 40 Prozent weniger CO2-Emissionen im Jahr 2020 gegenüber 1990 auch wirklich realisieren können", sagte Töpfer der Zeitung.

In Kopenhagen beraten ab diesem Montag Delegationen aus 192 Staaten über ein Nachfolgeabkommen des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls. Zum Schluss der Verhandlungen wollen zahlreiche Staats- und Regierungschefs anreisen, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama.

"Minimalkompromiss wäre großer Rückschlag"

Der Chef des Uno-Umweltprogramms (Unep), Achim Steiner, forderte einen Erfolg des Weltklimagipfels in Kopenhagen. "Ein Minimalkompromiss wäre ein großer Rückschlag für die Klimapolitik und vor allem eine enorme Hypothek für die kommende Generation", sagte Steiner der Nachrichtenagentur ddp.

Wenn die internationale Gemeinschaft noch einmal zehn Jahre verlieren würde, wären die Kosten für den Klimaschutz um ein Vielfaches höher. Gleichzeitig würde damit die Chance vergeben, gemeinsam Klimapolitik zu betreiben. "Wir haben durch Klimawandel und globale Erwärmung erstmals ein Phänomen, wo alle Länder einen Beitrag leisten müssen", sagte Steiner. Kein Staat könne Erfolg haben ohne die Beteiligung der anderen.

"Es ist heute ein Konsens, dass wir dieses Phänomen haben, dass der Mensch ein Kernverursacher dieser Entwicklung ist", sagte Steiner. Wenn nur die Hälfte dessen eintreffen würde, was der Klimarat vorausgesagt habe, sei dies bereits dramatisch. Gleichzeitig appellierte Steiner an die Verantwortung für kommende Generationen. "Die nächste Generation hat vielleicht gar nicht mehr die Wahl, die wir heute haben", sagte der Leiter des Uno-Umweltprogramms.

Steiner nahm insbesondere die Staats- und Regierungschefs in die Pflicht: Wenn der Gipfel scheitern sollte, sei dies die Verantwortung derjenigen, die die Verhandlungen führen. "Und das sind letztlich die gewählten Regierungsoberhäupter", sagte Steiner. Er sprach sich für ein Abkommen aus, das konkrete Zahlen, Ziele und Zeitvorgaben enthalte. "Wenn uns das gelingt, ist Kopenhagen ein Erfolg und auch die Voraussetzung dafür, dass wir die Ziele, die wir vom Weltklimarat vorgegeben bekommen haben, auch erreichen können", sagte Steiner.

Er räumte ein, dass derzeit noch eine Lücke klaffe zwischen den Angeboten der Industriestaaten zur Reduzierung der klimaschädlichen Treibhausgase und den Empfehlungen des Weltklimarats. Ein Deal sei aber möglich.

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Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verbreitete Optimismus. "Wir werden ein historisches Übereinkommen erreichen, das die globale Erwärmung bremst", sagte der Südkoreaner der dänischen Zeitung "Berlingske Tidende". Der Chef des Uno-Klimasekretariats, Yvo de Boer, erwartet ein "starkes Ergebnis als Wendepunkt für die Klimaentwicklung". De Boer sagte: "Die Stunde der Entscheidung ist gekommen."

Als konkrete Ziele für das bis zum 18. Dezember dauernde Treffen nannte er "schnelle und effektive Wege" zur Finanzierung klimafreundlicher Technologien sowie "ehrgeizige Ziele" bei der Verminderung von CO2-Emissionen und die Bereitstellung langfristiger Finanzen. Außerdem müsse die Kopenhagener Konferenz die "Vision einer Zukunft mit niedrigen Schadstoffausstößen" bringen.

Greenpeace lobt Merkel

Das Weiße Haus in Washington erklärte zu den neuen Reiseplänen Obamas, es gebe Fortschritte hin zu einem Abkommen, "das alle Themen umfasst, die derzeit verhandelt werden". Obama habe in den vergangenen Tagen mit mehreren europäischen Spitzenpolitikern telefoniert, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Der US-Präsident gründe seine Zuversicht unter anderem auf China und Indien, die erstmals konkrete Ziele zur Reduzierung ihrer Treibhausgase genannt haben.

Der Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser lobte ausdrücklich Bundeskanzlerin Merkel für ihre Rolle bei der Zusage des US-Präsidenten: "Ihr persönliches Engagement gegenüber Obama hat sich ausgezahlt." Nun seien alle Chefs der Länder mit dem größten CO2-Ausstoß an Bord. Die USA und China haben weltweit die höchsten CO2-Emissionen, sind aber nur zu wesentlich geringeren Verminderungen bereit als die EU.

als/ap/AFP/dpa

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Forum - Klimakonferenz Kopenhagen - was soll die Welt beschließen?
insgesamt 1466 Beiträge
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1.
Klo, 30.11.2009
Zitat von sysopDer Druck auf die USA, China und andere Staaten steigt. Jetzt schlug der dänische Gastgeber in einem Verhandlungspapier vor, die CO2-Emissionen bis 2050 zu halbieren. Was soll die Welt Ihrer Meinung nach im Einzelnen beschließen?
Irgendwas. Aber man wird sich auch diesmal nicht durchringen können, irgendwas zu beschließen. Folglich wird auch diese Konferenz wieder eine sinnlose Farce.
2.
Edgar, 30.11.2009
Zitat von sysopDer Druck auf die USA, China und andere Staaten steigt. Jetzt schlug der dänische Gastgeber in einem Verhandlungspapier vor, die CO2-Emissionen bis 2050 zu halbieren. Was soll die Welt Ihrer Meinung nach im Einzelnen beschließen?
Eine kritische Reevaluierung der Daten, Methoden und Aussagen des 'Weltklimarats'.
3.
Angler29, 30.11.2009
Zitat von EdgarEine kritische Reevaluierung der Daten, Methoden und Aussagen des 'Weltklimarats'.
.....und als Konsequenz, dessen Abschaffung.
4.
de.nada 30.11.2009
Zitat von KloIrgendwas. Aber man wird sich auch diesmal nicht durchringen können, irgendwas zu beschließen. Folglich wird auch diese Konferenz wieder eine sinnlose Farce.
Na also was soll den schon beschlossen werden, wenn das so vom IPCC empfohlen wird wie am Ende des Artikels zu lesen ist ? "Der Weltklimarat (IPCC) hat von den Industriestaaten gefordert, die Emissionen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent zu senken. Dazu sagte Steiner: "Es klafft noch eine große Lücke, aber sie beginnt sich zu schließen." Die geforderten 25 bis 40 Prozent seien von den Potentialen her "durchaus zu schaffen", wie diverse Studien gezeigt hätten." Das ist ja sehr genau angedeutet möchte man als Leser da ausrufen. Das Viertel der Weltbevölkerung das "God save the Queen" sagen kann, hat's da doch wesentlich einfacher.
5. Die
saul7 30.11.2009
Zitat von sysopDer Druck auf die USA, China und andere Staaten steigt. Jetzt schlug der dänische Gastgeber in einem Verhandlungspapier vor, die CO2-Emissionen bis 2050 zu halbieren. Was soll die Welt Ihrer Meinung nach im Einzelnen beschließen?
Welt möge verbindliche und effektive Beschlüsse fassen, um die herannahende Klimakatastrophe aufzuhalten. Dazu wäre es nötig, dass alle Staaten ihre Partikularinteressen hintanstellen. Ein Traum und wahrscheinlich unerfüllbar...
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Weltklimaverhandlungen
Wichtige Punkte
Die G-8-Staaten haben sich grundsätzlich zu dem Ziel bekannt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auch die Schwellenländer haben sich dem jetzt angeschlossen. Doch konkrete Vorgaben und Zusagen zur Finanzierung fehlen noch - deshalb könnte es beim bloßen Lippenbekenntnis bleiben.
Worum geht es?
Die internationale Staatengemeinschaft will sich vom 7. bis 18. Dezember in Kopenhagen auf ein neues Weltklimaabkommen einigen. Es wird das Kyoto-Protokoll ersetzen, das 2012 ausläuft. Es schrieb vor, dass die Industrieländer die Emissionen der wichtigsten Treibhausgase zwischen 2008 bis 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 senken. Doch die USA, bis vor kurzem der größte Kohlendioxid (CO2)-Emittent, haben das Abkommen nie ratifiziert. Und China, heute größter Luftverschmutzer, bekam überhaupt keine verbindlichen Reduktionsziele vorgeschrieben, weil es damals noch als reines Entwicklungsland eingestuft wurde.
Wer sind die wichtigsten Akteure?
Außer den USA und China sollen diesmal auch die anderen Schwellenländer wie Indien, Mexiko oder Brasilien ins Boot geholt werden. Insgesamt werden 192 Staaten nach Kopenhagen reisen. Doch auch die Entwicklungsländer sollen Verantwortung übernehmen und Wege festlegen, wie sie klimaschonendes Wirtschaftswachstum erreichen wollen. Der Westen ist dafür auch zu Finanz- und Technologietransfers bereit.
Wie ist der Stand in Europa?
Europa - vor allem Deutschland - sieht sich gerne als Vorreiter im globalen Kampf gegen die Erderwärmung. In den globalen Verhandlungen tritt das Bündnis gemeinsam auf, vertreten von der EU-Kommission und der EU-Ratspräsidentschaft, derzeit Schweden. Die 27 EU-Staaten haben im Dezember in ihrem "EU-Klimapaket" beschlossen, bis 2020 den CO2-Ausstoß um ein Fünftel gegenüber 1990 zu senken. Jetzt fordert die EU von den anderen großen Verschmutzern ähnliche Bekenntnisse.

Doch während in der EU, aber auch in Russland, der CO2-Ausstoß von 1990 bis 2005 wegen des Zusammenbruchs der Ostblock-Schwerindustrien sowieso sank, stieg er im gleichen Zeitraum in den USA, Japan und anderen großen Industrienationen. Gemessen am derzeitigen Niveau müsste die EU ihren Ausstoß nur noch um zwölf Prozent senken. Besonders Japan fordert deshalb 2005 als Basisjahr und hat ein Reduktionsziel von 15 Prozent angeboten. Die USA wollen ihre Treibhausgase im gleichen Zeitraum um 17 Prozent reduzieren. Der Weltklimarat (IPCC) fordert Minderungen um 25 bis 40 Prozent bis 2020 gegenüber 1990.
Was sind die Knackpunkte der Verhandlungen?
Es geht um Geld, Bezugsjahre und Prozente. Der Streit um das Basisjahr steht symptomatisch für das globale Ringen um die Lastenteilung. Die Entwicklungs- und Schwellenländer beharren auf der Schuld des Westens am Klimawandel und fordern ihre Rechte auf Wohlstand und Wirtschaftswachstum. Die Industrienationen sind bereit, der Dritten Welt zu helfen, in Kopenhagen kursiert die Zahl von hundert Milliarden Dollar, die bis 2020 pro Jahr gezahlt werden sollen. Experten Umstritten ist auch der Schlüssel, mit dem die Gelder auf die einzelnen Länder umgerechnet werden sollen.

Experten streiten zudem darüber, ob Technologien wie die CO2-Abscheidung und -Lagerung oder klimafreundliche Projekte in Entwicklungsländern angerechnet werden können oder ob sie nicht vielmehr das Problem nur aufschieben und deshalb abzulehnen sind.
Was, wenn die Verhandlungen scheitern?
Gibt es in Kopenhagen keine Einigung, ist nicht alles verloren, aber es wird zeitlich eng: Bis 2012 muss eine neue Konvention ratifiziert sein, da dann das Kyoto-Protokoll ausläuft. Und sollte die Weltgemeinschaft nicht zusammenstehen, dürfte die Erderwärmung ungebremst weitergehen. Experten warnen, dass die Temperaturen noch in diesem Jahrhundert um mehr als sechs Grad steigen würden. Es drohen katastrophale Überschwemmungen wegen der Eisschmelze, Dürren, Stürme, Artensterben und Millionen "Klimaflüchtlinge". ssu/dpa

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