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Gipfel in L'Aquila: G-8-Staaten einigen sich auf Klimaziel

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Erster Schritt zu einem möglichen Erfolg: Die Staats- und Regierungschefs der acht größten Wirtschaftsmächte haben sich darauf verständigt, dass die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzt werden soll. Ob China und Indien mitziehen werden, ist aber noch völlig offen.

L'Aquila - Die großen Industriestaaten sind sich im Klimaschutz zumindest ein wenig näher gekommen: Auf dem G-8-Gipfel im italienischen L'Aquila haben sich die USA, Kanada, Japan, Deutschland, Großbritannien, Italien, Frankreich und Russland zu dem Ziel bekannt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. "Die zwei Grad sind jetzt unsere gemeinsame Basis", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwochabend.

Nach Angaben von Schwedens Ministerpräsident Frederik Reinfeldt haben sich die G-8-Staaten auch darauf geeinigt, die Treibhausgas-Emissionen bis 2050 zu halbieren. Unklar blieb aber zunächst, welches Referenzjahr für die Halbierung gelten soll. Zudem fällt die Einigung hinter das im März 2007 beschlossene Ziel der EU zurück, den CO2-Ausstoß bis 2020 bereits um 20 Prozent zu senken - und zwar im Vergleich zu 1990. Deutschland nahm sich daraufhin vor, sogar 40 Prozent bis 2020 schaffen zu wollen.

Auch die Finanzierung der Klimaschutzziele ließen die G-8-Vertreter offen, wie es in L'Aquila hieß. Eine entsprechende Entscheidung sei auf den G-20-Gipfel in Pittsburgh (US-Bundesstaat Pennsylvania) Ende September verschoben worden.

Weltklimaverhandlungen
Wichtige Punkte
Die G-8-Staaten haben sich grundsätzlich zu dem Ziel bekannt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auch die Schwellenländer haben sich dem jetzt angeschlossen. Doch konkrete Vorgaben und Zusagen zur Finanzierung fehlen noch - deshalb könnte es beim bloßen Lippenbekenntnis bleiben.
Worum geht es?
Die internationale Staatengemeinschaft will sich vom 7. bis 18. Dezember in Kopenhagen auf ein neues Weltklimaabkommen einigen. Es wird das Kyoto-Protokoll ersetzen, das 2012 ausläuft. Es schrieb vor, dass die Industrieländer die Emissionen der wichtigsten Treibhausgase zwischen 2008 bis 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 senken. Doch die USA, bis vor kurzem der größte Kohlendioxid (CO2)-Emittent, haben das Abkommen nie ratifiziert. Und China, heute größter Luftverschmutzer, bekam überhaupt keine verbindlichen Reduktionsziele vorgeschrieben, weil es damals noch als reines Entwicklungsland eingestuft wurde.
Wer sind die wichtigsten Akteure?
Außer den USA und China sollen diesmal auch die anderen Schwellenländer wie Indien, Mexiko oder Brasilien ins Boot geholt werden. Insgesamt werden 192 Staaten nach Kopenhagen reisen. Doch auch die Entwicklungsländer sollen Verantwortung übernehmen und Wege festlegen, wie sie klimaschonendes Wirtschaftswachstum erreichen wollen. Der Westen ist dafür auch zu Finanz- und Technologietransfers bereit.
Wie ist der Stand in Europa?
Europa - vor allem Deutschland - sieht sich gerne als Vorreiter im globalen Kampf gegen die Erderwärmung. In den globalen Verhandlungen tritt das Bündnis gemeinsam auf, vertreten von der EU-Kommission und der EU-Ratspräsidentschaft, derzeit Schweden. Die 27 EU-Staaten haben im Dezember in ihrem "EU-Klimapaket" beschlossen, bis 2020 den CO2-Ausstoß um ein Fünftel gegenüber 1990 zu senken. Jetzt fordert die EU von den anderen großen Verschmutzern ähnliche Bekenntnisse.

Doch während in der EU, aber auch in Russland, der CO2-Ausstoß von 1990 bis 2005 wegen des Zusammenbruchs der Ostblock-Schwerindustrien sowieso sank, stieg er im gleichen Zeitraum in den USA, Japan und anderen großen Industrienationen. Gemessen am derzeitigen Niveau müsste die EU ihren Ausstoß nur noch um zwölf Prozent senken. Besonders Japan fordert deshalb 2005 als Basisjahr und hat ein Reduktionsziel von 15 Prozent angeboten. Die USA wollen ihre Treibhausgase im gleichen Zeitraum um 17 Prozent reduzieren. Der Weltklimarat (IPCC) fordert Minderungen um 25 bis 40 Prozent bis 2020 gegenüber 1990.
Was sind die Knackpunkte der Verhandlungen?
Es geht um Geld, Bezugsjahre und Prozente. Der Streit um das Basisjahr steht symptomatisch für das globale Ringen um die Lastenteilung. Die Entwicklungs- und Schwellenländer beharren auf der Schuld des Westens am Klimawandel und fordern ihre Rechte auf Wohlstand und Wirtschaftswachstum. Die Industrienationen sind bereit, der Dritten Welt zu helfen, in Kopenhagen kursiert die Zahl von hundert Milliarden Dollar, die bis 2020 pro Jahr gezahlt werden sollen. Experten Umstritten ist auch der Schlüssel, mit dem die Gelder auf die einzelnen Länder umgerechnet werden sollen.

Experten streiten zudem darüber, ob Technologien wie die CO2-Abscheidung und -Lagerung oder klimafreundliche Projekte in Entwicklungsländern angerechnet werden können oder ob sie nicht vielmehr das Problem nur aufschieben und deshalb abzulehnen sind.
Was, wenn die Verhandlungen scheitern?
Gibt es in Kopenhagen keine Einigung, ist nicht alles verloren, aber es wird zeitlich eng: Bis 2012 muss eine neue Konvention ratifiziert sein, da dann das Kyoto-Protokoll ausläuft. Und sollte die Weltgemeinschaft nicht zusammenstehen, dürfte die Erderwärmung ungebremst weitergehen. Experten warnen, dass die Temperaturen noch in diesem Jahrhundert um mehr als sechs Grad steigen würden. Es drohen katastrophale Überschwemmungen wegen der Eisschmelze, Dürren, Stürme, Artensterben und Millionen "Klimaflüchtlinge". ssu/dpa
Umweltschützer und Wissenschaftler drängen die Politik derweil immer verzweifelter zur Eile. Unter Forschern gilt als ausgemacht, dass das Zwei-Grad-Ziel ohnehin nur noch unter größten Anstrengungen zu erreichen ist - wenn überhaupt. Sollte sich die Erde um mehr als zwei Grad erwärmen, befürchten Experten teils katastrophale Folgen. Doch erst vor kurzem kam eine Studie zu dem Ergebnis, dass die magische Grenze ohnehin nicht mehr haltbar ist.

Langer Weg nach Kopenhagen

Von zentraler Bedeutung im Kampf gegen die globale Erwärmung ist zudem, ob wichtige Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien mitziehen. Die entsprechenden Verhandlungen wurden offenbar dadurch gebremst, dass Chinas Präsident Hu Jintao wegen der Unruhen in seinem Land nicht an den Gesprächen in L'Aquila teilgenommen hat. Vor seiner Abreise sprach Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi von chinesischem "Widerstand" bei den Klimaverhandlungen. "China ist noch immer skeptisch", so Berlusconi. Man werde erst am Donnerstag sehen, inwieweit China und Indien zu Zugeständnissen bereit seien.

Wie aus Kreisen der Verhandlungsteilnehmer in L'Aquila verlautete, ist insbesondere die Zustimmung der Schwellenländer zur Halbierung der Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 unsicher. Schon bei früheren Klimaverhandlungen, zuletzt beim Uno-Gipfel auf der indonesischen Insel Bali, hatte sich herausgestellt, dass aufstrebende Länder wie Indien, China und Brasilien ihr eigenes Wirtschaftswachstum über Klimaverpflichtungen stellen. Ihr Argument: Die westlichen Industrienationen, die für die bisherige Erwärmung hauptverantwortlich sind, sollen vorangehen.

Die Industriestaaten wiederum betonen gemeinsam mit Wissenschaftlern, dass alle Klimaschutzbemühungen von vornherein zum Scheitern verurteilt sind, sollten die Schwellenländer nicht mitziehen. Und das heißt: konkrete Vereinbarungen statt vager Zusagen. Die bloße Einigung auf die Zwei-Grad-Grenze wäre nach Ansicht von Experten bei weitem nicht ausreichend, solange nicht geklärt wird, wie genau dieses Ziel erreicht werden soll.

Arme Länder können auf Milliardenhilfen hoffen

Ob beim Uno-Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember aber eine solche Einigung - und damit ein funktionierender Nachfolgevertrag des Kyoto-Protokolls - zustande kommt, erscheint derzeit fraglich. Denn an den Grundpositionen der Industrie- und Schwellenländer hat sich seit den Verhandlungen auf Bali im Dezember 2007 wenig verändert.

Die Umweltorganisation WWF wertet die Klimabeschlüsse der G-8-Staats- und Regierungschefs deshalb zwar als Fortschritt, aber nicht als Durchbruch. Die Einigung aufs Zwei-Grad-Ziel sei zwar positiv, sagte die WWF-Klimaexpertin Kathrin Gutmann am Mittwoch in L'Aquila. "Es fehlt aber die Erklärung, was daraus konkret folgt." Jetzt müssten konkrete Zahlen auf den Tisch, wie die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 gesenkt werden können. Eine Aussage, was bis zum Jahr 2050 passieren solle, sei nicht ausreichend.

Die G-8-Staaten wollen auch Bauern in den armen Ländern milliardenschwere Hilfen geben. Unter der Führung der USA und Japans sollen mehr als zwölf Milliarden Dollar (8,7 Milliarden Euro) zusammenkommen, um die Anbaumethoden zu verbessern. So sollen die Menschen in den ärmsten Staaten auf Dauer besser durch die heimische Landwirtschaft ernährt werden. Die USA überdenken mit diesem Schritt ihre jahrzehntelangen Nahrungsmittelexporte in die Dritte Welt, von denen die amerikanischen Bauern massiv profitierten.

Die entwicklungspolitische Organisation Oxfam zweifelte jedoch an, ob damit von den G-8-Staaten wirklich zusätzliches Geld in die Hand genommen werde. "Buchhalterische Tricks" dürfe es nicht geben.

Merkel: Industrienationen müssen Vorreiter sein

Unmittelbar vor Beginn des dreitägigen Gipfels hatte Kanzlerin Merkel noch einmal die Anstrengungen aller beim Klimaschutz, insbesondere der alten Industrienationen, eingefordert. "Deshalb haben wir, die wir ja auch schon viele Schäden an der Natur angerichtet haben, natürlich auch die Aufgabe, Vorreiter zu sein, wenn es um den Schutz des Klimas geht", sagte Merkel.

Die EU führte den neuen Schwung vor allem auf die Bewegung der USA nach dem Amtsantritt von Barack Obama zurück. "Es gibt sehr wichtigen Fortschritt von den USA", sagte der schwedische Regierungschef und amtierende EU-Ratsvorsitzende Reinfeldt.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso räumte allerdings ein, dass einige der internationalen Partner noch nicht bereit seien, den ehrgeizigen Klimazielen der Europäer auf mittlere Sicht zu folgen. "Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen", sagte Barroso.

Mit Material von AP, Reuters, dpa

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