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Gipfeltreffen: Chávez attackiert König Juan Carlos als Kolonialherrn

"Faschist" - "Mund halten" - Auf dem ibero-amerikanischen Gipfel in Santiago de Chile gaben sich die Staatsoberhäupter Venezuelas und Spaniens eher brachial als diplomatisch. Der Schlagabtausch ist noch nicht zu Ende - er scheint erst richtig zu beginnen.

Santiago den Chile - Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet hatte noch versucht, den Konflikt einzudämmen: "Bitte keine Dialoge, meine Herren", maßregelte sie die Delegationen aus Spanien und Venezuela. "Sie hatten Zeit genug für ihre Beiträge."

Doch das, was gesagt war, konnte auch sie nicht ungeschehen machen: Spaniens König, allgemein als ausgeglichener und besonnener Staatsmann bekannt, war aus der Rolle gefallen. "Por qué no te callas?" ("Warum hältst du nicht die Klappe?") - mit diesen Worten hatte Juan Carlos den venezolanischen Staatschef zum Schweigen zu bringen versucht, nachdem dieser zum wiederholten Male eine Antwortrede des spanischen Regierungschefs Luis Rodríguez Zapatero zu unterbrechen versucht hatte.

Spaniens König Juan Carlos attackiert Hugo Chávez: Grundprinzip demokratischer Gesellschaften ist der Respekt vor dem politischen Gegner.
REUTERS

Spaniens König Juan Carlos attackiert Hugo Chávez: Grundprinzip demokratischer Gesellschaften ist der Respekt vor dem politischen Gegner.

Die Steilvorlage ließ Chávez sich nicht entgehen. Wenige Stunden nach dem Vorfall, in einer Dankesrede für die Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Arcis-Universität wies der die Verbalattacke des spanischen Königs noch einmal zurück - und legte nach. "Der König mag König sein, aber er kann mich nicht zum Schweigen bringen", sagte Chávez laut einem Bericht in der Online-Ausgabe der spanischen Tageszeitung "El País". "Der, der hier schlecht aussieht, ist derjenige, der die Kontrolle verloren hat, der uns befohlen hat, den Mund zu halten, als ob wir immer noch Untertanen wie im 17. oder 18. Jahrhundert wären. Auch der Indio Evo Morales ist Staatschef wie der König Juan Carlos von Bourbon."

Er könne genauso Respekt für sich beanspruchen, fügte Chávez hinzu. "Der König ist genauso Staatschef wie ich, mit dem Unterschied, dass ich dreimal gewählt worden bin."

In seinem Beitrag hatte Zapatero Chávez dafür kritisiert, dass der linksgerichtete Politiker tags zuvor den konservativen spanischen Ex-Regierungschef José Maria Aznar als Faschist beschimpft hatte.

"Ich möchte Ihnen - Präsident Hugo Chávez - sagen, dass in einem Forum demokratischer Regierungen eines der Grundprinzipien der Respekt ist", sagte Zapatero. Ungeachtet ideologischer Unterschiede mit seinem Vorgänger sei dieser vom spanischen Volk gewählt gewesen und verdiene deshalb Respekt. "Man kann radikal unterschiedliche Meinungen haben, ohne respektlos zu sein", fügte Zapatero hinzu und erntete damit Beifall einiger der anderen Gipfelteilnehmer.

Die Replik Zapateros hatte Chávez mehrfach durch Zwischenrufe zu unterbrechen versucht, bis der spanische König ihm schließlich genervt über den Mund fuhr. Die Mikrofone der Staatsmänner waren zwar abgeschaltet, doch die Kameras, die das Treffen aufzeichneten, übertrugen die Attacke. Chávez dagegen war tatsächlich für einige Minuten sprachlos.

Ihm sprang wenig später der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega zur Seite. Es müsse erlaubt sein, die Wahrheit zu sagen, erklärte dieser. "Die venezolanische Regierung kann das Recht für sich in Anspruch nehmen, auf eine Aggression zu antworten - jederzeit, an jedem Ort und in jedem Ton."

An dem dreitägigigen Treffen, das gestern endete, nahmen 19 größtenteils linksgerichtete Staats- und Regierungschefs aus Lateinamerika, Spanien, Portugal und Andorra teil. Chávez hatte schon in der Vergangenheit bei Gipfeltreffen mit Beleidigungen auf sich aufmerksam gemacht. Im vergangenen Jahr etwa bezeichnete er am Rande der Uno-Vollversammlung US-Präsident George W. Bush als "Teufel".

mik/Reuters/AP

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