Gipfeltreffen: China fordert aktive Reue

Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi und der chinesische Präsident Hu Jintao haben sich am Rande des Asien-Afrika-Gipfels in Jakarta zu einem Krisengespräch getroffen. Doch mehr als eine vorsichtige Annäherung schafften die Staatsmänner nicht. In den Augen Chinas ist Japan allenfalls auf Bewährung.

Japans Ministerpräsident Koizumi (li), Chinas Präsident Hu: Vorsichtige Annäherung nach erstem Krisentreffen
AFP

Japans Ministerpräsident Koizumi (li), Chinas Präsident Hu: Vorsichtige Annäherung nach erstem Krisentreffen

Jakarta - Hu erklärte nach dem knapp einstündigen Gespräch, Japan müsse seiner Reue Taten folgen lassen. Wie Tokio mit seiner Vergangenheit umgehe, habe Einfluss auf die Stabilität in ganz Asien. Japan dürfe die Gefühle der chinesischen Bevölkerung nicht weiter verletzten. Hu warnte den Nachbarn außerdem noch einmal davor, die Unabhängigkeitsbestrebungen Taiwans zu unterstützen.

Koizumi sprach lediglich von einem guten Treffen. Einzelheiten nannte er nicht.

Es war das erste Gespräch beider Seiten auf Regierungsebene seit Beginn der antijapanischen Proteste in chinesischen Großstädten vor einigen Wochen. China und Japan befinden sich derzeit in ihrer schwersten diplomatischen Krise seit Aufnahme der Beziehungen 1972. China wirft Japan vor, in seinen Geschichtsbüchern Kriegsverbrechen zu verharmlosen.

Am Freitag hatte sich Koizumi für die Besatzungspolitik seines Landes in China entschuldigt. In der Vergangenheit habe Japan durch seine Kolonialherrschaft und Aggression den Menschen in vielen Ländern gewaltigen Schaden und Leid zugefügt, sagte Koizumi. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verfolge Japan jedoch strikt eine Politik, die besage, niemals zur Militärmacht zu werden.

Peking legt Wert auf friedliche Nachbarschaft

Vor dem Treffen von Hu und Koizumi hoben beide Seiten ihre Bereitschaft hervor, den Streit beizulegen. Koizumi erklärte, langfristig sei es im Interesse aller, die Konfrontationen beizulegen und die Beziehungen auszuweiten. Freundliche japanisch-chinesische Beziehungen seien von großer Bedeutung für Tokio. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte, Peking lege großen Wert auf nachbarschaftliche, freundschaftliche und kooperative Beziehungen zu Japan.

China, Südkorea und andere Länder in Asien werfen Japan seit langem vor, sich nicht angemessen für die Besatzungszeit entschuldigt zu haben. In den dreißiger und vierziger Jahren kamen unter japanischer Besatzung mindestens zwölf Millionen Chinesen ums Leben.

Kooperation in der Armutsbekämpfung vereinbart

Die chinesische Regierung hatte am Freitag zu einem Ende der antijapanischen Proteste aufgerufen. Am Samstag waren keine Demonstranten in Peking zu sehen, die japanische Botschaft wurde von zahlreichen Soldaten bewacht. In Tokio protestierten etwa 150 Demonstranten gegen China und forderten eine Entschuldigung von der Regierung in Peking.

Der Streit zwischen China und Japan überschattete den Asien-Afrika-Gipfel, an dem Präsidenten, Regierungschefs und Könige aus 88 Ländern teilnahmen. Die Delegierten unterzeichneten am Samstag ein Abkommen zur engeren Zusammenarbeit im Kampf gegen Armut, Korruption und Terrorismus. In der Resolution hieß es, die weltweite Lage und die besonderen Bedingungen in Asien und Afrika machten gemeinsames Handeln notwendig, damit alle von den Vorteilen der Globalisierung profitieren könnten. Die Teilnehmer erinnerten außerdem an das erste Gipfeltreffen vor 50 Jahren, das zur Geburtsstunde der blockfreien Bewegung wurde.

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