Gipfeltreffen Juan Carlos verbietet Chávez den Mund

Hugo Chávez, Präsident Venezuelas, ist bekannt für seine radikalen Ausfälle. Diesmal lästerte er auf dem Iberoamerikanischen Gipfel in Chile über die spanische Politik. König Juan Carlos fiel vor laufenden Kameras aus seiner noblen Rolle - und keilte zurück.


Santiago – "Por qué no te callas?" ("Warum hältst du nicht die Klappe?") – mit diesen Worten beschied das spanische Staatsoberhaupt den Venezolaner rüde, nachdem dieser zum wiederholten Male eine Antwortrede des spanischen Regierungschefs Luis Rodríguez Zapatero zu unterbrechen versucht hatte. In seinem Beitrag hatte Zapatero Chávez dafür kritisiert, dass der linksgerichtete Politiker tags zuvor den konservativen spanischen Ex-Regierungschef José Maria Aznar als Faschist beschimpft hatte.

Spaniens König Juan Carlos attackiert Hugo Chávez: Grundprinzip demokratischer Gesellschaften ist der Respekt vor dem politischen Gegner
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Spaniens König Juan Carlos attackiert Hugo Chávez: Grundprinzip demokratischer Gesellschaften ist der Respekt vor dem politischen Gegner

"Ich möchte Ihnen - Präsident Hugo Chávez - sagen, dass in einem Forum demokratischer Regierungen eines der Grundprinzipien der Respekt ist", sagte Zapatero. Ungeachtet ideologischer Unterschiede mit seinem Vorgänger sei dieser vom spanischen Volk gewählt gewesen und verdiene deshalb Respekt. "Man kann radikal unterschiedliche Meinungen haben, ohne respektlos zu sein", fügte Zapatero hinzu und erntete damit Beifall einiger der anderen Gipfel-Teilnehmer.

Die Replik Zapateros hatte Chávez mehrfach durch Zwischenrufe zu unterbrechen versucht, bis der spanische König ihm schließlich genervt über den Mund fuhr. Die Mikrofone der Staatsmänner waren zwar abgeschaltet, doch die Kameras, die das Treffen aufzeichneten, übertrugen die Attacke. Chávez dagegen war tatsächlich für einige Minuten sprachlos.

Ihm sprang wenig später der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega zur Seite. Es müsse erlaubt sein, die Wahrheit zu sagen, erklärte dieser. "Die venezolanische Regierung kann das Recht für sich in Anspruch nehmen, auf eine Aggression zu antworten – jederzeit, an jedem Ort und in jedem Ton."

An dem dreitägigigen Treffen, das gestern endete, nahmen 19 größtenteils linksgerichtete Staats- und Regierungschefs aus Lateinamerika, Spanien, Portugal und Andorra teil. Chávez hatte schon in der Vergangenheit bei Gipfeltreffen mit Beleidigungen auf sich aufmerksam gemacht. Im vergangenen Jahr etwa bezeichnete er am Rande der Uno-Vollversammlung US-Präsident George W. Bush als "Teufel".

mik/Reuters/AP



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