Global Hawk Obama will Südkorea Drohnen liefern

Die US-Regierung will offenbar modernste Überwachungflugzeuge an Südkorea verkaufen. Der Deal soll bis zum kommenden Jahr abgeschlossen sein. Die Verhandlungen fallen in eine Zeit höchster Spannungen zwischen Seoul und dem kommunistischen Nordkorea.

Global Hawk: Die Drohne soll die alten U-2-Maschinen ersetzen
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Global Hawk: Die Drohne soll die alten U-2-Maschinen ersetzen


Hamburg - Die Verhandlungen sollen in einem sehr frühen Stadium sein. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hat die Regierung von Präsident Barack Obama angefangen, erste Gespräche mit dem US-Kongress über eine mögliche Lieferung von Global-Hawk- Drohnen an Südkorea zu führen. Der auswärtige Ausschuss von Senat und Repräsentantenhaus müsste einer solchen Waffenlieferung zustimmen. Als Quelle nennt die Agentur mit der Sache vertraute Fachleute.

Über den Umfang eines möglichen Geschäfts oder den Zeitpunkt, wann ein formales Verfahren eingeläutet werden könnte, gibt es bisher keine Angaben. Von der Herstellerfirma Northrop Grumman heißt es dem Bericht zufolge, Südkorea wolle vier Überwachungsflugzeuge vom Typ RQ-4 Global Hawk "Block 30" kaufen. Verkaufspreis pro Stück: 30 Millionen Dollar. Sollten die Maschinen im kommenden Jahr bestellt werden, könnten sie dem Unternehmen zufolge 2014 oder 2015 geliefert werden.

Die USA setzten solche Drohnen auf Wunsch der Japaner kurz nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima ein. Sie lieferten Wärmebilder und konnten so helfen, das Ausmaß der Zerstörung einzuschätzen.

Ein solcher Deal könnte die schwierige Situation auf der koreanischen Halbinsel weiter verschärfen. Das Verhältnis zwischen den beiden Staaten ist seit geraumer Zeit äußerst angespannt. Vor allem am umstrittenen Grenzverlauf gibt es immer wieder Zwischenfälle, die Menschenleben kosten. So haben etwa nach einem Schuss der nordkoreanischen Artillerie nahe der Seegrenze die südkoreanischen Streitkräfte Anfang August zurückgefeuert. Besonders brenzlig war die Situation vergangenes Jahr im November. Damals hatte der Norden die südkoreanische Insel Yeonpyeong unter Beschuss genommen und vier Menschen getötet. Seitdem befinden sich die südkoreanischen Streitkräfte in erhöhter Alarmbereitschaft. Zudem wirft Südkorea dem Norden vor, im vergangenen Jahr eines seiner Kriegsschiffe versenkt zu haben. Dabei kamen 46 Soldaten ums Leben.

Das Verteidigungsministerium in Seoul bestätigte Reuters zufolge das Interesse an den Überwachungsflugzeugen. Man warte auf eine offizielle Erlaubnis aus Washington. Bisher arbeitet die südkoreanische Luftwaffe laut Reuters noch mit Spionageflugzeugen vom Typ U-2 aus Zeiten des Kalten Krieges.

ler/Reuters



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