Umfrage Deutsche kennen Mitt Romney nicht

Auch wenn der Zauber von 2008 verflogen ist - Europas Bürger schätzen US-Präsident Obama laut einer Studie sehr, allen voran die Deutschen. Rivale Romney hingegen hat es schwer. Was Europäer und Amerikaner eint: die Furcht vor einer iranischen Atombombe und die Skepsis gegenüber dem Kapitalismus.

Mitt Romney: Wer ist das?
AFP

Mitt Romney: Wer ist das?

Von , Washington


Europas Bürger bleiben Anhänger von US-Präsident Barack Obama - und kennen dessen republikanischen Herausforderer Mitt Romney kaum. Das ergab die repräsentative Umfrage "Transatlantic Trends", welche die Washingtoner Denkfabrik German Marshall Fund in Zusammenarbeit mit der italienischen Stiftung Compagnia di San Paolo in zwölf EU-Staaten sowie den USA, der Türkei und Russland durchgeführt hat.

Danach geben 82 Prozent der befragten Europäer an, eine positive Meinung über Obama zu haben - während mehr als jeder Dritte (38 Prozent) zu Romney keine Auskunft geben konnte oder wollte. Weitere 39 Prozent beurteilten dessen politisches Programm gar negativ.

Besonders ausgeprägt ist diese Stimmung in Deutschland, wo 87 Prozent der Befragten für Obama stimmen würden, wären sie bei der US-Präsidentschaftswahl im November stimmberechtigt. 51 Prozent der Deutschen äußern sich ablehnend zu seinem konservativen Rivalen.

Allerdings ist das Verhältnis der Europäer zu Obama abgekühlt: Die Zustimmung zu seiner Außenpolitik ist in Europa seit 2009 um 12 Prozentpunkte von 83 auf 71 Prozent gefallen. Damit liegt dieser Wert allerdings immer noch dramatisch höher als in der Endphase der Bush-Regierung.

Aufwärts ging es jedoch bei der Einschätzung der transatlantischen Bande: Beinahe zwei Drittel der Europäer (61 Prozent) geben an, die USA seien für sie ein wichtigerer Partner als Asien. Auch eine Mehrheit der Amerikaner sieht Europa als einen verlässlicheren Verbündeten als etwa Staaten in Asien an.

Deutschland genießt hohes Ansehen in Europa

Beide Seiten teilen zudem die Sorge vor einem nuklear bewaffneten Iran. 80 Prozent der Europäer und 79 Prozent der Amerikaner macht diese Vorstellung Angst, ein Anstieg gegenüber dem vorigen Jahr. Allerdings plädieren Europäer eher für ökonomische Anreize statt Wirtschaftssanktionen, um Teheran von der Entwicklung einer Atombombe abzubringen. In den USA verhält es sich genau umgekehrt. Sollten alle Optionen erschöpft sein, würden zudem 54 Prozent der Deutschen einen nuklear bewaffneten Iran akzeptieren, statt militärisch einzugreifen. Eine klare Mehrheit der Deutschen (63 Prozent) spricht sich auch gegen eine Intervention in Syrien aus.

Deutschland ist in Europa trotz der Wirren der Euro-Krise weiterhin sehr angesehen. 74 Prozent der Europäer haben eine positive Meinung zum bevölkerungsreichsten Land Europas. Ein Durchschnittswert von 52 Prozent beurteilt das Euro-Krisenmanagement von Bundeskanzlerin Angela Merkel wohlwollend. Allerdings fallen diese Werte in Staaten, die von der Krise besonders stark betroffen waren - wie Italien, Portugal oder Spanien -, weit niedriger aus.

Deutsche Befragte äußern zudem starke Vorbehalte gegen Griechenland - drei von vier Bundesbürgern bewerten das Krisenland derzeit negativ.

Erstmals seit 2010 glaubt eine Mehrheit der Deutschen (53 Prozent) allerdings, dass der Euro gut für die deutsche Wirtschaftsentwicklung sei. Jedoch geben 26 Prozent an, Deutschland solle die Euro-Zone verlassen.

Besonders besorgniserregend: Die globale Finanzkrise hat das Vertrauen in die Gerechtigkeit des kapitalistischen Systems weltweit untergraben. 76 Prozent der Europäer und 64 Prozent der Amerikaner glauben, ihre Wirtschaftsordnung nutze eher einigen wenigen als dem Allgemeingut. 73 Prozent der Bundesbürger teilen diese Einschätzung.

Die komplette Studie ist abrufbar unter www.transatlantictrends.org



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sappelkopp 12.09.2012
1. Na, da sind sie ja in guter Gesellschaft...
Zitat von sysopAPAuch wenn der Zauber von 2008 verflogen ist - Europas Bürger schätzen US-Präsident Obama laut einer Studie sehr, allen voran die Deutschen. Rivale Romney hingegen hat es schwer. Was Europäer und Amerikaner eint: die Furcht vor einer iranischen Atombombe und die Skepsis gegenüber dem Kapitalismus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,855210,00.html
...die meisten Amis kennen Steinmeier, Steinbrück oder Gabriel auch nicht. Zudem glaube ich, dass es Romney ziemlich kalt lässt, denn wir sollen ihn ja auch nicht wählen.
manni-two 12.09.2012
2. 87 % für Obama
tja liebe FDP - es gibt also noch 13% neoliberale Hardliner- die wählen (im Gegensatz zu 2009) bei uns aber größtenteils wieder CDU.
gracie 12.09.2012
3. Auch nicht nötig...
Zitat von sysopAPAuch wenn der Zauber von 2008 verflogen ist - Europas Bürger schätzen US-Präsident Obama laut einer Studie sehr, allen voran die Deutschen. Rivale Romney hingegen hat es schwer. Was Europäer und Amerikaner eint: die Furcht vor einer iranischen Atombombe und die Skepsis gegenüber dem Kapitalismus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,855210,00.html
...denn Mitt kennt auch niemand und nichts aus Europa und warum sich die Mühe machen sich für so jemanden zu interessieren ? Wählen in die Amerikaner im November, geht er mit den USA unter dieser Form unter.
steinaug 12.09.2012
4. Kleiner
Kleiner Hinweis an Spon: Die Deutschen müssen Romney nicht kennen, da sie in den USA kein Wahlrecht haben.
gbk666 12.09.2012
5.
Wie? Wir kennen zum größtenteil nicht wer in den USA vielleicht mal Präsident werden könnte? Warum auch SPON. Ihr könnt da ruhig jeden Tag artikel drüber bringen aber es interessiert uns nicht und braucht uns auch nicht zu interessieren.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.