Globale Studie: Wo der Islam sich ausbreitet

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Autoren wie Thilo Sarrazin schüren Ängste vor einer Islamisierung Europas. Wie unrealistisch solche Annahmen sind, zeigt jetzt eine US-Studie: Zwar wächst die Zahl der Muslime in den kommenden Jahren weltweit - aber deutlich langsamer als bislang vermutet.

Studie: Die Muslime der Welt Fotos
DPA

Berlin - Er wolle, dass seine Enkelkinder noch in Deutschland leben, schreibt Thilo Sarrazin in seinem umstrittenen Buch "Deutschland schafft sich ab". "Ich möchte nicht, dass das Land meiner Enkel und Urenkel zu großen Teilen muslimisch ist, dass dort über weite Strecken Türkisch und Arabisch gesprochen wird, die Frauen ein Kopftuch tragen und der Tagesrhythmus vom Ruf der Muezzine bestimmt wird."

Das Szenario von der Machtübernahme der Muslime in Europa ist unbegründet. Zwar wächst die muslimische Bevölkerung in den nächsten zwanzig Jahren in Europa weiter an - aber in keinem nord- oder westeuropäischen Land werden in der nächsten Generation Muslime auch nur annähernd eine Mehrheit stellen. Das ist ein Ergebnis einer groß angelegten neuen US-Studie, die das Institut "Pew Research Center on Religious and Public Life" veröffentlicht hat.

Die Kernaussage der Studie des Instituts: Weltweit wächst die muslimische Bevölkerung bis zum Jahr 2030 zwar - aber sie wächst deutlich langsamer als in der Vergangenheit. Der Grund dafür: immer niedrigere Geburtenraten, eine älter werdende Bevölkerung, immer mehr Bildung für Frauen und Mädchen, der Zuzug in die Städte.

Pakistan löst Indonesien als bevölkerungsreichstes muslimisches Land ab

Im Detail schlüsseln die Forscher auf: Von 1990 bis 2010 wuchs die Zahl der Muslime jährlich weltweit um durchschnittlich 2,2 Prozent. In den kommenden zwanzig Jahren wird diese Rate aller Voraussicht nach auf 1,5 Prozent sinken - mit dem Ergebnis, dass 2030 etwa 26,4 Prozent aller Menschen der Welt Muslime sind, heute sind es 23,4 Prozent. Damit werden Christen weiterhin die größte Religionsgruppe stellen: Die "New York Times" zitiert Untersuchungen, nach denen der Anteil der Christen an der Weltbevölkerung in zwanzig Jahren 30 bis 33 Prozent betragen wird.

Die Zahl der Staaten, in denen es eine große muslimische Gruppe gibt, steigt leicht an: 2030 werden in 79 Ländern mehr als eine Million Muslime leben, heute ist das in 72 Staaten weltweit der Fall. Bei der Verteilung der muslimischen Bevölkerung nach Regionen gibt es laut der Studie keine einschneidenden Veränderungen: Auch 2030 wird der größte Teil der islamischen Bevölkerung im asiatisch-pazifischen Raum leben (rund 60 Prozent), 20 Prozent im Mittleren Osten und in Nordafrika. Die Zahl der Muslime im subsaharischen Afrika wird indes leicht steigen. In Europa bleiben islamische Gläubige demnach weiter eine Minderheit - aber eine wachsende. Eine bedeutsame Veränderung im Ranking gibt es: In zwanzig Jahren wird Pakistan Indonesien als Staat mit der zahlenmäßig größten muslimischen Bevölkerung überholt haben, sagt die Studie voraus.

Die Wissenschaftler haben sich ausführlich mit der Bevölkerungentwicklung in Europa beschäftigt. Folgende Ergebnisse sind hier zentral:

  • Gibt es keine großen Veränderungen in der Einwanderungspolitik, dann werden 2030 etwa acht Prozent (insgesamt 58,2 Millionen) aller Europäer dem Islam angehören. Heute sind es sechs Prozent (44,1 Millionen). Die Wachstumsrate der muslimischen Bevölkerung schwächt sich im Vergleich zu den vergangenen Jahren aber auch hier ab und nähert sich immer mehr der der Nicht-Muslime an. Heute bringen Musliminnen in Europa durchschnittlich 2,2 Kinder zur Welt (Nicht-Musliminnen 1,5 Kinder) und 2030 werden europäische Musliminnen 2 und Nicht-Musliminnen durchschnittlich 1,6 Kinder kriegen. Ein anderer Grund für das gebremste Bevölkerungswachstum ist die Altersstruktur in der muslimischen Bevölkerung Europas. 2010 noch waren in Europa 26 Prozent aller Muslime zwischen 15 und 29 Jahre alt, 2030 werden es 21 Prozent sein.
  • Auch in zwanzig Jahren werden die meisten europäischen Muslime im Osten Europas leben, auf dem ehemaligen Balkan und in Russland, das auch 2030 das europäische Land mit der absolut größten muslimischen Bevölkerung bleiben wird. Die größten Zuwächse erwarten die US-Forscher für west- und nordeuropäische Länder
  • In einzelnen nord- und westeuropäischen Ländern wird die Entwicklung signifikant sein: In Westeuropa - dazu zählen die Forscher Frankreich, Deutschland und die Niederlande - wird demnach der Anteil der muslimischen Bevölkerung von 11,3 auf 16,4 Millionen anwachsen - der prozentuale Anteil von 6 auf 8,6 Prozent. Aufgeteilt nach Ländern stellen die Wissenschaftler folgende Zahlen dar: In Frankreich werden 2030 6,9 Millionen Muslime leben, im Vergleich zu 4,7 Millionen im Jahr 2010. Die deutsche muslimische Bevölkerung steigt demnach von 4,1 auf 5,5 Millionen. Nach absoluten Zahlen leben zwar in Italien, Schweden, Spanien, Belgien und Österreich verhältnismäßig wenig Muslime - aber ihr Anteil wird nach der Untersuchung in den nächsten Jahren besonders stark anwachsen.
  • Eine Beinahe-Verdopplung der muslimischen Bevölkerung sehen die Forscher für den Norden Europas - dazu wird Großbritannien gerechnet - voraus. Hier wird die Zahl der Muslime von 3,8 auf 7,5 Millionen steigen. Muslime machen im Jahr 2030 den Berechnungen zufolge 7 Prozent der Bevölkerung aus - im Vergleich zu 3,8 Prozent heute. In Großbritannien sollen dann 5,6 Millionen Muslime leben, heute sind es nur 2,9 Millionen. Schwedens muslimische Bevölkerung wird von 4,9 auf 9,9 Prozent anwachsen.
  • Die bedeutendste Veränderung in ganz Europa erwarten die Forscher für Irland, dort wird die islamische Bevölkerung um 188 Prozent anwachsen bis 2030, in Mazedonien indes werden 2030 über 40 Prozent Muslime sein, heute sind es bereits knapp 35 Prozent.

Zur Einordnung der Entwicklung betonen die Forscher, dass Muslime in Osteuropa schon seit Jahrhunderten Teil der Bevölkerung seien, in West- und Nordeuropa handle es sich hingegen um Menschen, die in jüngerer Zeit eingewandert sind. Aber auch in Russland spiele Migration künftig eine immer größere Rolle: Muslime aus den ehemaligen Sowjetrepubliken kommen auf der Suche nach Arbeit dorthin.

Genaue Zahlen gibt es in der Studie auch für die USA. Dort wird sich den Voraussagen der Forscher nach die Zahl der Muslime bis 2030 von 2,6 auf 6,2 Millionen mehr als verdoppelt haben. Der Anteil der Muslime aber in den Vereinigten Staaten wird aber auch 2030 weiterhin gering sein, heute sind 0,8 Prozent aller US-Amerikaner islamischen Glaubens, 2030 werden es der Studie zufolge 1,7 Prozent sein. Amaney A. Jamal, Wissenschaftler der renommierten Universität in Princeton und Berater des "Pew Research Center" fasst die Aussagekraft der neuen Studie laut "New York Times" wie folgt zusammen: "Es gibt die überwältigende Annahme, dass Muslime die Welt bevölkern, dass sie Europa und bald darauf die USA dominieren werden." Die neuen Zahlen aber zeigten, dass dieses Szenario komplett unrealistisch sei. "Ich frage mich, wo die ganze Hysterie herkommt", so der Wissenschaftler.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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sebs42 27.01.2011
Leider bestätigt diese Studie Sarrazins Thesen. "Unrealistisch" ist nur der Teaser. Schön, dass er sich irgendwo anders nicht so stark ausbreitet. Das bringt uns hier leider nicht viel.
2. blablub pfui sarrazin
sponleser872 27.01.2011
Zitat von sysopAutoren wie Thilo Sarrazin schüren Ängste vor einer Islamisierung Europas. Wie*unrealistisch solche Annahmen sind, zeigt jetzt eine US-Studie:*Zwar wächst die Zahl der Muslime in den kommenden Jahren weltweit - aber deutlich langsamer als bislang vermutet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,741905,00.html
"Die größten Zuwächse erwarten die US-Forscher für west- und nordeuropäische Länder "
3. aha...
Arion's Voice 27.01.2011
Zitat von sebs42Leider bestätigt diese Studie Sarrazins Thesen. "Unrealistisch" ist nur der Teaser. Schön, dass er sich irgendwo anders nicht so stark ausbreitet. Das bringt uns hier leider nicht viel.
"Das bringt uns hier leider nicht viel". (*kopfschüttel*) Momentan habe ich als Deutscher weitaus mehr Probleme mit Deutschen, als ich es mit Muslimen in den nächsten 20 Jahren haben werde.
4. Typisch...
Suryo 27.01.2011
Typisch, mal wieder wurde der Artikel nicht gelesen und/oder absichtlich falsch verstanden. Heute sind mindestens 95 Prozent der Menschen in Deutschland KEINE Muslime. In einigen Jahrzehnten werden es immer noch mindestens 93 Prozent sein. Wer angesichts solcher zahlen ernsthaft Angst vor "Einführung der Scharia" o.ä. hat, sollte sich mal psychiatrisch untersuchen lassen. Rational denken kann er jedenfalls nicht.
5. .
rockhudson 27.01.2011
Zitat von sysopAutoren wie Thilo Sarrazin schüren Ängste vor einer Islamisierung Europas. Wie*unrealistisch solche Annahmen sind, zeigt jetzt eine US-Studie:*Zwar wächst die Zahl der Muslime in den kommenden Jahren weltweit - aber deutlich langsamer als bislang vermutet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,741905,00.html
In den deutschen Haushalten wurden 1965 1,2 Mio Kinder geboren, 2009 waren es noch ca. 0,43 Mio. Ein Rückgang um 63 Prozent (!). Bereits jetzt sind die Moslems an vielen Schulen in Deutschland dominierend - 2014/2015 werden Moslems an praktisch allen Schulen ausser Gymnasien überwiegend oder komplett dominieren. Und was auf den Schulhöfen abläuft wird 20 Jahre später gesamtgesellschaftlich stattfinden.
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Islam
Geschichte
Der arabische Begriff "Islam" bedeutet "Unterwerfung", gemeint ist "unter den Willen Gottes". Er bezeichnet die jüngste der drei monotheistischen Weltreligionen. Der Islam entstand im 7. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel im heutigen Saudi-Arabien. Schon bald nach dem Tod des Propheten Mohammed stieg das islamische Reich zur Weltmacht auf.
Islam , Christentum und Judentum eint vieles, zum Beispiel die zentrale Bedeutung der Beziehung zwischen Gott, dem Schöpfer, und dem Menschen, seinem Geschöpf. Auch spielen viele aus dem Alten und Neuen Testament bekannte Propheten eine Rolle im Islam.
Die fünf Säulen des Islam sind das Glaubensbekenntnis, das fünfmalige tägliche Gebet, die Spende an die Armen, das Fasten im Monat Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka ( Hadsch ). Über eine Milliarde Menschen bekennen sich zum Islam, in über 50 Staaten stellen Muslime die Mehrheit die Bevölkerung. Rund zehn Prozent der Muslime sind Schiiten , fast alle übrigen Sunniten .
Mohammed
Mohammed war der Empfänger des Koran : Ihm erschien der Erzengel Gabriel, er gab Gottes Offenbarung an die Mekkaner weiter. Die freilich wollten von der aufrührerischen neuen Lehre zunächst nichts wissen und ihren Polytheismus nicht aufgeben. Mohammed verließ seine Heimatstadt daraufhin und zog mit seinen ersten Unterstützern ins rund 300 Kilometer entfernte Yatrib, das spätere Medina. Dort stieg Mohammed bald zum Führer seiner stetig wachsenden Gemeinde auf. Schließlich schlossen sich auch die Mekanner dem Islam an.
Mohammed war Prophet, Richter, Heerführer und Herrscher in einer Person. Aber anders als etwa Jesus für die Christen ist er nach islamischer Ansicht weder sündenfrei noch göttlichen Ursprungs gewesen. Gleichwohl gilt er den Muslimen als das beste Vorbild. Außer dem Koran sind die Sammlungen von Mohammeds Taten und Aussprüchen deshalb wichtige Texte für die islamische Glaubenspraxis und Rechtsfindung.
Mohammed entstammte einem verarmten Zweig eines wichtigen mekkanischen Stammes, den Koreischiten. Schon bevor ihm der Engel Gabriel erschien, soll er sich regelmäßig als Eremit zum Kontemplieren und Meditieren zurückgezogen haben - eine damals nicht völlig unübliche Praxis. Mit welchen anderen religiösen Vorstellungen Mohammed vertraut war, ob er Umgang mit christlichen oder jüdischen Religionsgelehrten hatte, ist ungewiss. Aber Mohammed war auch Kaufmann, er begleitete Karawanen, zum Beispiel in den syrischen Raum. Es ist wahrscheinlich, dass er dabei mit einer Vielzahl von Glaubensvorstellungen in Berührung kam.
Koran
"Koran" bedeutet in etwa "Das Vorzutragende" und beschreibt die Summe der Offenbarungen, die der Prophet Mohammed von Gott empfing - übermittelt durch den Erzengel Gabriel.
Bald nach dem Tod des Propheten (632 n. Chr.) begannen die Versuche, aus den bis dahin vor allem mündlichen Überlieferungen einen gemeinsamen, authentischen und schriftlich kodifizierten Koran zu kompilieren - ein Unternehmen, das erfolgreich war, denn heute gibt es zwar noch einige abweichende Lesarten des Koran, aber im Wesentlichen beziehen sich alle Muslime, egal ob Sunniten oder Schiiten , auf denselben Text.
Der Koran ist in Suren gegliedert, die wiederum aus Versen bestehen. Der Koran ist nach Länge der Suren geordnet - aber auch eine zeitliche Ordnung lässt sich einigermaßen sicher rekonstruieren. So unterschieden sich die sehr früh geoffenbarten Suren stilistisch und inhaltlich deutlich von den späteren, die weniger poetisch sind und zahlreiche klare Anweisungen enthalten.
Nach orthodox-islamischer Vorstellung ist der Koran (anders als die Bibel ) die wörtliche Rede Gottes - er ist deswegen unveränderlich und überall und zu jeder Zeit gültig. Das heißt aber nicht, dass er nicht der Interpretation zugänglich wäre: Zahllose islamische Gelehrte haben dem Koran in 14 Jahrhunderten immer wieder neue Facetten abgerungen und ihn für das tägliche Leben anwendbar gemacht.
Mekka
Mekka ist als Geburtsort des Propheten Mohammed die heiligste Stadt und der wichtigste Wallfahrtsort des Islam . Mittelpunkt Mekkas ist die Kaaba im Hof der Hauptmoschee. Jeder Moslem muss einmal im Leben dieses Heiligtum im Westen von Saudi-Arabien besuchen - vorausgesetzt, seine Gesundheit und finanziellen Mittel lassen die Reise zu. Nicht-Moslems dürfen die nähere Umgebung der Stadt nicht betreten.
In der ganzen Welt richten sich die Gebetsnischen der Moscheen nach Mekka und zeigen damit den Betenden die Richtung an, in die sie sich niederzuwerfen haben.
Mekka ist ein reines Kult- und Kulturzentrum ohne Industrie oder Landwirtschaft.
Kaaba
Die Kaaba ist ein würfelförmiges Gebäude in Mekka , das heute von einer riesigen Moschee umbaut ist. Sie ist das Zentrum der islamischen Religion, zu ihr wenden sich alle Muslime beim Ritualgebet, zu ihr pilgern alljährlich Millionen Gläubige. Sie umkreisen den Bau und versuchen, den in die Ostecke eingelassenen schwarzen Stein (möglicherweise ein Meteorit) zu küssen.
Schon in vorislamischer Zeit war die Kaaba ein bedeutendes Heiligtum. Nach islamischer Vorstellung ist sie "das erste Haus Gottes auf Erden" (Sure 3, Vers 96), erbaut vom Propheten Abraham. Jedes Jahr zum Ende des Hadsch wird die Kaaba mit einem Überzug aus schwarzem Brokat neu eingekleidet.
Hadsch
Hadsch , die Pilgerfahrt nach Mekka im heutigen Saudi-Arabien ist eine der fünf Säulen des Islam . Sie findet im letzten Monat des islamischen Mondjahres statt. Fast drei Millionen Gläubige nehmen an den Riten teil, zu denen außer dem Umkreisen der Kaaba auch der Aufenthalt am Berg Arafat und eine symbolische Steinigung des Satans gehören. Nach dem Opferfest und der Rückkehr nach Mekka mit erneuter Umrundung der Kaaba endet der Weihezustand (arab. "Ihram"), in dem sich die Pilger befinden, und sie legen das Pilgergewand ab. Fortan dürfen die Männer den Ehrentitel Hadsch bzw. Hadschi führen, Frauen werden Hadscha genannt.
Bilderfeindlichkeit
Der Koran kennt kein Verbot der bildlichen Darstellung. Allerdings bezeichnet eine Vielzahl von Prophetenworten (Hadith) die Nachbildung von Mensch und Tier als blasphemisch und daher als verboten: Gott allein dürfe Lebewesen erschaffen. Daher vertraten sunnitische wie schiitische Rechtsgelehrte seit dem 8. Jahrhundert eine bilderfeindliche Haltung.
Trotzdem entwickelte sich in der islamischen Welt eine reiche Maltradition, die im 12. Jahrhundert in der Buchkunst ihren Ausgang nahm. Im 14. Jahrhundert entstanden sogar Illustrationen, die Szenen aus dem Leben des Propheten Mohammed zeigen. Nur der Koran wurde nie bildlich verziert.
Fotostrecke
Mekka: Pilgerziel für Millionen