Göttlicher Zorn: Erzbischof verdammt USA, preist muslimische Betrituale

Mit biblischem Furor wettert einer der prominentesten Kirchenführer der Welt gegen den Westen: Die US-Politik sei schlimmer als die britische Kolonialherrschaft, sagt Rowan Williams, Oberhaupt der Kirche von England. Statt den Irak zu verwüsten, sollten die Christen lieber fünfmal am Tag beten - wie die Muslime.

Steile These eines Erzbischofs: So schlimm war die britische Kolonialherrschaft in Indien gar nicht. Im Gegenteil: Da könnten sich die USA sogar etwas für ihr Vorgehen im Irak abschauen. Das ist die Botschaft eines Interviews mit Rowan Williams, Erzbischof von Canterbury.

Wörtlich sagte Williams dem britischen Muslim-Magazin " Emel": "Es ist eine Sache, ein Gebiet zu übernehmen und Energie und Ressourcen einzusetzen, um es zu verwalten und zu normalisieren. Ob es falsch war oder richtig - genau das hat das britische Empire geleistet, zum Beispiel in Indien."

Etwas ganz anderes sei es, "in ein Land einzumarschieren mit der Überzeugung, dass ein schneller Gewaltausbruch alles klärt, dass man weiterziehen kann und andere die Dinge wieder zusammenfügen." So seien die Vereinigten Staaten im Irak vorgegangen, behauptet Williams ( PDF-Version des Interviews bei Times Online).

Wörtlich nennt der Erzbischof die Außenpolitik der Vereinigten Staaten zwar nicht imperialistisch, doch er umschreibt diesen Vorwurf deutlich: Die Vereinigten Staaten würden ihren Einfluss immer weiter vergrößern, diese gegenwärtige Situation mit nur einer globalen Macht sei "die schlimmste aller Welten".

Williams provoziert immer wieder mit seinen Äußerungen. Im vergangenen Jahr bezeichnete er Befürworter eines Angriffs gegen Syrien oder Iran als kriminell und mörderisch. Die israelische Tageszeitung Haaretz kritisierte Williams wegen dessen Äußerungen in Bethlehem zu Israels Mauer. Zuvor hatte Williams' Amtsvorgänger Bischof Carey ihn wegen eines Boykott-Aufrufs angegriffen. Damals hatte unter Williams' Vorsitz die Synode der Anglikanischen Kirche entschieden, Aktienanteile am US-Unternehmen Caterpillar zu verkaufen. Begründung: Die Firma liefere die Bagger, mit denen Israel Häuser in Palästinensergebieten einreiße.

Auch im aktuellen Interview mit dem Magazin "Emel" erwähnt Williams das enorme Leid, das die Mauer in Israel verursache. Von Terroranschlägen sprach Williams nicht. Einzige verworren-kritische Äußerung zum Islam: Die muslimische Welt sollte bedenken, dass man etwas von der Frage lernen könne, wie "klassische liberale Demokratie zu einer islamischen Weltsicht passt".

Abgesehen davon empfiehlt Williams in dem Interview allen Gläubigen die muslimischen Betrituale: Fünfmal am Tag zu beten könne helfen, "Gott stärker in den Alltagsrhythmus zu integrieren".

lis

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