Tödlicher Hinterhalt auf dem Golan Ex-Kamerad verteidigt österreichische Blauhelme

Österreichische Uno-Soldaten am Golan warnten syrische Polizisten nicht vor einem Hinterhalt - und sahen mit an, wie die Männer in den Tod fuhren. Genau richtig, verteidigt nun ein Ex-Soldat seine ehemaligen Kollegen.

Uno-Soldat in den Golanhöhen
DPA

Uno-Soldat in den Golanhöhen


Ein früherer Soldat des österreichischen Bundesheers hat seine in die Kritik geratenen Kollegen in Schutz genommen. Sie sollen syrische Polizisten nicht vor einem tödlichen Hinterhalt gewarnt haben. "Der Befehl lautete: nicht einmischen", sagte der Mann den "Salzburger Nachrichten". "Wenn sie die Syrer gewarnt hätten, wären sie selbst "auf der Abschussliste der Bewaffneten" gelandet.

Der umstrittene Zwischenfall liegt zwar bereits sechs Jahre zurück, wurde aber erst jetzt bekannt, nachdem die Wochenzeitschrift "Falter" ein Video von damals veröffentlichte.

"Wir waren nicht dort, um zu kämpfen""

Der Ex-Soldat äußerte sich anonym. Er sagte der Zeitung, er sei selbst bis 2012 auf den Golanhöhen im Einsatz gewesen. Er will Teil der 50 Mann starken Kompanie gewesen sein, zu der auch die Soldaten gehörten, die den Hinterhalt geduldet und gefilmt haben sollen. "Die Österreicher hatten keine kugelsicheren Westen und jeder 30 Schuss Munition. Wir waren nicht dort, um zu kämpfen und auch nicht, um uns in den innersyrischen Konflikt einzumischen", sagte er. Das Verhalten seiner Ex-Kameraden hält er für richtig. "Sie haben zu 100 Prozent korrekt gemäß unserem Auftrag gehandelt." Die in der Videoaufnahme zu hörenden Soldaten erkannte er nach eigenen Angaben wieder.

Das Video zeigt, wie die Uno-Soldaten zunächst aus der Ferne beobachten, dass sich 13 mutmaßliche Kämpfer der Opposition an einer Gebirgsstraße am Mount Hermon in einen Hinterhalt legen. Als später neun Syrer, vermutlich Polizisten, den österreichischen Kontrollposten passieren, warnen die Blauhelme sie offenbar nicht vor dem vor ihnen liegenden Hinterhalt.

"Die Sprüche sind derbe"

Später ist zu sehen, wie das Fahrzeug der Syrer unter heftigen Beschuss gerät. Keiner dürfte den Angriff überlebt haben. Eine entsprechende Meldung wurde damals auch an die Uno in New York geschickt, bestätigte ein Uno-Sprecher. Aus dem österreichischen Verteidigungsministerium heißt es, es gebe keine Zweifel an der Echtheit der Aufnahmen.

Die Blauhelme besprechen im Video, warum sie die Syrer nicht warnen: "Wenn da einer überbleibt (nach dem Beschuss im Hinterhalt), kommt er rüber und schießt uns ab", ist ein Mann umgangssprachlich zu hören. Nach dem von den Soldaten bezeichneten "Himmelfahrtskommando" der syrischen Polizisten diskutieren die Blauhelme noch darüber, ob es überhaupt Sinn macht, einen Krankenwagen zu schicken.

"Die Sprüche auf dem Video sind derbe und nicht korrekt, aber man muss bedenken, die Sprüche stammen von jungen Burschen, die unter Stress stehen", sagte der ehemalige österreichische Soldat den "Salzburger Nachrichten". Der entscheidende Befehl sei per Funk vom Kommandanten der Kompanie gekommen und sei auch richtig gewesen.

Der Ex-Soldat widersprach damit der Einschätzung des Völkerrechtlers Manfred Nowak, demzufolge die Blauhelme die Pflicht gehabt hätten, die Syrer vor dem Hinterhalt zu warnen. Schlimmstenfalls könnte den Bundesheer-Soldaten eine Anklage wegen Beihilfe zum Mord drohen. Der österreichische Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) hat inzwischen eine Untersuchungskommission eingesetzt.

Eine multinationale Uno-Truppe überwacht seit 1974 auf den Golanhöhen, ob Syrien und Israel den Waffenstillstand einhalten. Österreich beendete 2013 nach 39 Jahren seinen dortigen Uno-Einsatz. Der jetzt bekannt geworden Zwischenfall hatte laut Verteidigungsministerium nichts mit dieser Entscheidung zu tun.

Mehr zum Thema



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.