"Goldene Morgenröte" Griechische Polizei nimmt rechtsextreme Abgeordnete fest

Die griechische Justiz macht offenbar Ernst im Kampf gegen den Rechtsextremismus: Die Polizei hat die Führungsriege der Partei "Goldene Morgenröte" festnehmen lassen. Die Gruppierung wurde als verbrecherische Vereinigung eingestuft.

Giorgos Germenis bei seiner Ankunft auf der Polizeihauptwache in Athen
DPA

Giorgos Germenis bei seiner Ankunft auf der Polizeihauptwache in Athen


Athen - Griechenland hatte nach dem faschistisch motivierten Mord an einem Musiker ein hartes Durchgreifen versprochen und Gewalttaten der rechtsextremen Partei "Goldene Morgenröte" (Chrysi Avgi) von Anti-Terror-Diensten untersuchen lassen. Am Samstagmorgen folgten dem Versprechen erste Konsequenzen: Mehrere führende Mitglieder und Abgeordnete der rechtsradikalen Partei "Goldene Morgenröte" wurden festgenommen. Dies teilte die griechische Polizei mit.

Inzwischen gebe es ausreichend Beweise dafür, dass die "Goldene Morgenröte" als verbrecherische Vereinigung einzustufen sei, berichten griechische Medien. Unter den Festgenommenen soll demnach auch der Parteichef Nikolaos Michaloliakos sein.

Der Mord an Pavlos Fyssas hatte Griechenland schwer erschüttert: Auf Anweisung des Ministeriums für öffentliche Ordnung wurden alle Ermittlungen zu Gewalttaten, hinter denen die Partei Chrysi Avgi stehen soll, von den Anti-Terror-Diensten übernommen. Allen 18 Abgeordneten der Neonazi-Partei sowie den örtlichen Parteibüros wurde der Polizeischutz entzogen, weil nach Angaben der Regierung keine "kriminelle Organisation" mehr bewacht werden sollte.

Der mutmaßliche Täter sitzt in Haft

Chrysi Avgi wird für mehrere Angriffe auf Einwanderer, Politiker und linksgerichtete Aktivisten verantwortlich gemacht. Bisher allerdings blieb die Partei weitgehend unbehelligt. Erst der Mord an dem 34-jährigen Rapper Pavlos Fyssas durch ein mutmaßliches Mitglied von Chrysi Avgi sorgte für landesweite Empörung und Ausschreitungen in mehreren Städten.

Der Musiker war in Athen mit mutmaßlichen Parteianhängern in Streit geraten und später niedergestochen worden. Der 45-jährige Giorgos Roupakias sitzt in Arrest und soll sowohl den Mord als auch seine Verbindungen zur rechtsextremen "Goldenen Morgenröte" eingeräumt haben.

Auch der Fall Fyssasliegt ab sofort bei den Sonderermittlern.

jjc/Reuters/AP

insgesamt 80 Beiträge
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Mach999 28.09.2013
1.
Ich glaube, mir fehlen noch ein paar Informationen. Ich bin dafür dafür, die Goldene Morgenröte zu verbieten. Meines Erachtens sind das wirklich Verbrecher. Aber Abgeordnete sollten doch auch in Griechenland Immunität genießen, die erst durch das Parlament oder einen Parlamentsausschuss aufgehoben werden muss. Ist das denn passiert? Es wäre schön, wenn der Bericht ergänzt werden könnte. Den Abzug der Personen- und Objektschützer halte ich auch für nicht nachvollziehbar. Personen- und Objektschützer sind kein Statussymbol, sondern sollen Straftaten bei besonders gefährdeten Personen oder Objekten verhindern. Entweder es war eine Gefährdung da, dann kann man sie gerade jetzt nicht einfach abziehen. Oder es war keine Gefährdung da, dann muss man sich grundsätzlich die Frage stellen, ob die Kriterien für den Einsatz überarbeitet werden müssen. Dann scheinen sie wirklich nur ein Statussymbol zu sein.
Leto13 28.09.2013
2. hm
Wenn alle Parlamentarier der Neonazis ihren Ruecktritt erklaeren, gibt es in den Regionen, wo sie gewaehlt wurde, Neuwahlen. Der Slogan der Regierung wird wohl sein: Samaras (der aktuelle ND-Premier) oder Chaos. Und dann soll noch einer sagen, die ND steckt nicht mit den Nazis unter einer Decke.
bambus 28.09.2013
3. Da macht es
eine Regierung, wenn auch sehr spät, richtig. Nicht wegschauen sondern hart zuschlagen, was anderes hilft nicht gegen die rechten Mörderbanden.
mourvedre 28.09.2013
4.
Dieses Vorgehen könnten sich Verfassungsschutz, BKA und Polizei zum Vorbild nehmen.
Svenako 28.09.2013
5. Hoffentlich geht der Schuss nicht nach hinten los!
So sehr es mich freut wenn Extremisten das Handwerk gelegt wird, das hier läuft sehr griechisch ab: Erst jahrelang Nichts tun und dann innerhalb einer Woche Himmel und Hölle in Bewegung setzen. Leider haben die Demokraten dabei einige wesentliche Spielregeln der Demokratie einfach ignoriert: - Auch in Griechenland genießen Parlamentsabgeordnete Immunität, die nicht einfach par ordre de Mufti aufgehoben werden kann. Zwar hat der öffentliche Ermittler erklärt, dass er inzwischen ausreichendes Beweismaterial dafür habe, dass es sich bei der Chrysi Avgi um eine verbrecherische Organisation handele. Das wäre ja aber auch bei uns noch kein rechtskräftiges Verdikt. Man kann nur hoffen, dass diese überstürzte Aktion nicht dazu führt, dass diese Bande nun zu Märtyrern und Helden wird!
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