Milliardeninvestition Pentagon ging noch kurz vor Shutdown auf Einkaufstour

Am Vorabend des Shutdown hat das US-Verteidigungsministerium insgesamt fünf Milliarden Dollar in Waffen und Ausrüstung investiert. Feldbetten, Spionagesatelliten und ein Fitnessstudio standen auf der Einkaufsliste. Hunderttausende zivile Angestellte befinden sich nun im unbezahlten Zwangsurlaub.

Amerikanischer Jet: Das Pentagon hat vor dem Shutdown großzügig eingekauft
REUTERS

Amerikanischer Jet: Das Pentagon hat vor dem Shutdown großzügig eingekauft


Washington - Nur einen Tag vor dem Government Shutdown in den USA hat das Pentagon Milliarden von Dollar investiert. Insgesamt fünf Milliarden wurden von den verschiedenen Abteilungen des Verteidigungsministeriums für Waffen, Ausrüstung und Infrastruktur ausgegeben. Laut dem Magazin "Foreign Policy" bewilligte die Führung am Montag 94 Verträge - obwohl durch den Shutdown inzwischen etwa 400.000 zivile Mitarbeiter der Streitkräfte beurlaubt sind.

Die Einkaufsliste ist lang: 65 Millionen Dollar für Helme, 19 Millionen Dollar für Feldbetten, 40 Millionen Dollar für finnische Handgranaten - besonders freigiebig war die Logistikabteilung: Insgesamt 2,5 Milliarden Dollar gab man dort für Waffen-Ersatzteile aus. Außerdem landeten Spionagesatelliten, ein U-Boot-Roboter oder Teleskop-Spiegel im Einkaufskorb der Militärs.

Zahlreiche Drohnen, ein Sonarsystem für das Aufspüren von Unterwasserminen und ein Treibstoff-Pier im Hafen von Point Loma in Kalifornien wurden ebenso bewilligt wie ein neues Fitnessstudio für die Mitglieder der Air Force Academy, inklusive eines Triathlon-Bereichs und einem Fernsehstudio.

Das Magazin nennt die großzügigen Anschaffungen zum Ende des Finanzjahres die "jährliche Ausgaben-Orgie". Anscheinend wollten sich die Pentagon-Chefs auch vom Regierungs-Sparzwang diese nicht verderben lassen.

Am 27. September klang das noch anders, als Robert Hale, der Finanzchef des Verteidigungsministeriums, über einen drohenden Finanzstopp sprach: Man sei dann nicht mehr in der Lage, "die meisten Verträge abzuschließen". Das hat man im Pentagon nun umgangen.

Angesichts von etwa 400.000 beurlaubten zivilen Mitarbeitern bekommen die Milliarden-Deals einen faden Beigeschmack. Denn nicht nur am Personal wird gespart. Carl Levin, Vorsitzender des Militärausschusses im US-Kongress, sagte, dass "Truppen für den Kampfeinsatz mit Schuldscheinen bezahlt" werden. Außerdem würden sich Zahlungen an Hinterbliebene verzögern, wenn Soldaten während des Shutdown getötet würden. Pentagon-Mann Hale nannte dies eine "makabere" Maßnahme.

Für die Kriegsflotten im Mittelmeer, inklusive derer, die für einen möglichen Angriff auf Syrien stationiert sind, soll es jedoch keine Veränderungen geben. "Ich denke, dass die meisten unserer Schiffe auf dem Meer bleiben", kommentierte Hale.

Auf einer Südkorea-Reise hatte der US-Verteidigungsminister Chuck Hagel vor wenigen Tagen seine Furcht vor einem Ansehensverlust der Vereinigten Staaten zum Ausdruck gebracht: Der Shutdown "bringt einen auf die offensichtliche Frage: Kann man auf die USA als Partner vertrauen, der seinen Verpflichtungen gegenüber seinen Verbündeten nachkommt?"

Die Milliardenausgaben am Vorabend des Shutdown lassen für "Foreign Policy" nur einen Schluss zu: Auch wenn die Regierung harte Einsparungen machen muss und das Militär zeitweise die Hälfte seiner zivilen Arbeitskräfte verliert, könne "das Pentagon Geld ausgeben wie fast niemand sonst."

asp/AP

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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
derlabbecker 02.10.2013
1. das wäre bei uns...
Zitat von sysopREUTERSAm Vorabend des Shutdown hat das US-Verteidigungsministerium insgesamt fünf Milliarden Dollar in Waffen und Ausrüstung investiert. Feldbetten, Spionagesatelliten und ein Fitnessstudio standen auf der Einkaufsliste. Hunderttausende zivile Angestellte befinden sich nun im unbezahlten Zwangsurlaub. http://www.spiegel.de/politik/ausland/government-shutdown-pentagon-auf-milliarden-shoppingtour-a-925715.html
... genauso, wenn es sowas wie diesen Shutdown hier gäbe. Man achte nur mal auf die Berichte über neue Pöstchen und Postenbesetzungen in den Berliner Ministerien, wenige Monate vor der BT Wahl... .da wurden noch schnell Kumpels und Parteimitglieder auf Versorgungsposten gesetzt....
kaynchill 02.10.2013
2. Die USA leben nunmal vom Krieg
Wenn die USA keinen Krieg führen würden wären sie sofort pleite. So zieht sich das hin. Außerdem: ohne Kriege würde der Terrorismus keinen Zulauf mehr finden und den USA würde ihr ihre Handlungen legitimierendes Feindbild wegfallen. Man stelle sich das mal vor! Na dann shoppt mal schön und sorgt dafür das der Kreislauf nicht unterbrochen wird..
wi_hartmann@t-online.de 02.10.2013
3. Insolvenz USA
Ein durch und durch krankes Land. Ein Land mit einer riesigen Militärmaschinerie unwürdigen Schauspiels, was aber den "Rest" der Welt zu denken geben dürfte. Harry
testi 02.10.2013
4. Offensichtlich
sind die USA gar nicht zahlungsunfähig. Das ist nur eine Täuschung der Öffentlichkeit. Was hätte man mit 5 Milliarden alles sinnvolles machen können...
humbahumba 02.10.2013
5. Usa
Klar ist das Militaer von allen Sparmassnahmen ausgenommen. Dieser weltgroesste Schurkenstaat wird doch nicht seine Existenzgrundlage wegsparen.
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