Nach Räumung des "Dschungels" Frankreich eröffnet neues Flüchtlingslager am Ärmelkanal

Ein Teil des "Dschungels", des Flüchtlingslagers in Calais, wird geräumt. In Grande-Synthe ist nun ein neues Camp entstanden, das internationalen Standards entspricht.

Flüchtlingslager in Grande-Synthe
AFP

Flüchtlingslager in Grande-Synthe


In der nordfranzösischen Gemeinde Grande-Synthe stehen nun 220 hölzerne Wohncontainer. Bald sollen es 375 sein - dann hätte das Lager Platz für 2500 Menschen. Bereits jetzt gibt es Duschen und Toiletten, außerdem Küchen und Unterrichtsräume. Das neue Flüchtlingslager mit Platz für 1500 Bewohner ist eröffnet.

Das Camp in der an Dünkirchen angrenzenden Gemeinde entspricht nach Angaben der Verantwortlichen als erstes Flüchtlingslager dieser Art in Frankreich internationalen Standards. "Heute ist ein Tag voller Menschlichkeit", sagte der grüne Bürgermeister von Grande-Synthe, Damien Carême.

Im 40 Kilometer westlich von Grande-Synthe gelegenen Calais kamen derweil immer mehr Flüchtlinge in provisorischen Unterkünften unter. Der sogenannte Dschungel wird nun seit Anfang vergangener Woche geräumt. Nachdem das Verwaltungsgericht in Lille die Räumung des Südteils des Flüchtlingslagers gebilligt hatte, wälzten Bulldozer über die Zelte und Hütten - gegen den Protest der Flüchtlinge und Aktivisten.

In Grande-Synthe soll nun alles besser sein. In dem von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen und der Stadtverwaltung errichteten Lager sollen in erster Linie Flüchtlinge unterkommen, die bislang in einem nahegelegenen, illegalen Camp unter miserablen hygienischen Bedingungen lebten.

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Camp in Dünkirchen: Schlimmer als der "Dschungel"
Die Präfektur der Region hatte sich gegen die Errichtung der Holzhütten ausgesprochen - sie will die Flüchtlinge in Aufnahmezentren in andere Landesteile bringen. Bewohner der Region befürchten, das neue Lager könne noch mehr Flüchtlinge dazu bewegen, in die Region zu kommen.

Die meisten Flüchtlinge, die in Nordfrankreich ausharren, hoffen jedoch vielmehr darauf, mit Fähren oder durch den Eurotunnel heimlich nach Großbritannien zu gelangen.

Insgesamt ist Frankreich von der Flüchtlingskrise deutlich weniger betroffen als andere europäische Länder - die meisten Flüchtlinge zieht es nicht nach Frankreich. Die französische Regierung hat sich bereit erklärt, im Zuge der Umverteilung von Flüchtlingen in Europa 30.000 Menschen aufzunehmen. Die Umverteilung kommt aber kaum voran: Bislang hat Frankreich erst knapp 300 der 30.000 zugesagten Flüchtlinge aufgenommen.

Video: Reportage aus dem "Dschungel" (25.02.2016)

Pierre Gautheron

vek/AFP/AP

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