Greatest Hits Die Abtritte und Ausfälle des Jörg Haider

Die Karriere des österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider ist geprägt von verbalen Ausfällen und Rücktrittsdrohungen. Eine kleine Zusammenstellung - ohne Anspruch auf Vollständigkeit.


1988:

In einem ORF-Interview schlägt Haider deutsch-nationale Töne an und sorgt damit für allseitige Empörung: "Das wissen Sie so gut wie ich, dass die österreichische Nation eine Missgeburt gewesen ist, eine ideologische Missgeburt, denn die Volkszugehörigkeit ist die eine Sache, und die Staatszugehörigkeit ist die andere Sache, und wenn man es jemandem freistellt, sich als slowenischer Österreicher zu bekennen, als ungarischer, als kroatischer, dann muss es auch möglich sein, sich als deutscher Österreicher zu bekennen. Und das ist auch das, was in unserem Programm formuliert ist."

Ein Mann, der polarisiert: Rechtspopulist Haider
REUTERS

Ein Mann, der polarisiert: Rechtspopulist Haider

Juni 1988: Der FPÖ-Vorsitzende droht erstmals beleidigt seinen Rücktritt an. Es gehe nicht an, dass ausschließlich er selbst Spitzenleistungen vollbringe, die Parteigremien jedoch nicht ihr Optimum gäben. Er sei "nicht mehr bereit, sich physisch und psychisch zu Grunde zu richten".

Juni 1991: Im Kärtner Landtag sagt Haider: "Na, das hat's im Dritten Reich nicht gegeben, weil im Dritten Reich haben sie ordentliche Beschäftigungspolitik gemacht, was nicht einmal Ihre Regierung in Wien zusammenbringt."

März 1992: Haider stellt seiner Partei ein Ultimatum: Wenn die Funktionäre seinen Weg nicht akzeptierten, dann werde er im Mai den Parteivorsitz abgeben und sich auf seine Kärtner aufgaben konzentrieren.

Juni 1994: "Ich sage euch", prophezeit Haider im "Standard", wenn Österreich der EU beitrete, werde dieses Land "fremdbestimmt". Denn Maastricht sei "die Fortsetzung von Versailles ohne Krieg".

September 1995: Bei einer Veranstaltung von Veteranen der Waffen-SS nennt Haider seine Zuhörer "anständige Menschen mit Charakter", die "auch bei größtem Gegenwind zu ihrer Überzeugung stehen". "Und das ist eine Basis, mein lieben Freunde, die auch an uns Junge weitergegeben wird. Und ein Volk, das seine Vorfahren nicht in Ehren hält, ist sowieso zum Untergang verurteilt. Nachdem wir aber eine Zukunft haben wollen, werden wir jenen Menschen, den politisch Korrekten, beibringen, dass wir nicht umzubringen sind und dass sich Anständigkeit in unserer Welt allemal noch lohnt, auch wenn wir momentan nicht mehrheitsfähig sind, aber wir sind den anderen geistig überlegen. ... Wir geben Geld für Terroristen, für gewalttätige Zeitungen, für arbeitsscheues Gesindel, und wir haben kein Geld für anständige Menschen." In einem ORF-Interview erklärte Haider wenige Tage später, im Grunde sei "alles, was dort von mir gesagt wurde, absolut in Ordnung".

Januar 1998: Haider vermisst bei seinen Parteifreunden "das Feuer der Begeisterung" und stellt seinen Rücktritt in Aussicht. Das gleiche Szenario wiederholt sich im Juni und im August.

Februar 2000: Haider verkündet seinen Rücktritt als Parteivorsitzender. "Ich will vermeiden, dass unsere Minister ständig damit konfrontiert werden, sie müssten für jede Entscheidung beim Schattenkanzler in Kärnten rückfragen." Ab jetzt sei er "einfaches FPÖ-Mitglied".

Mai 2000: Haider übergibt die Parteispitze an Susanne Riess-Passer: "Susi, geh du voraus."

Oktober 2000: Nach den Stimmenverlusten der Freiheitlichen bei der steirischen Landtagswahl droht Haider erstmals mit dem Ende der Koalition. Der Koalitionspartner ÖVP sei "hinterhältig".

März 2001: Haider droht nach der Niederlage der FPÖ bei der Wiener Gemeinderatswahl mit seinem Rückzug aus der Bundespolitik.

Februar 2002: Nach seinem umstrittenen Besuch beim irakischen Präsidenten Saddam Hussein verkündet Haider erneut seinen Rückzug aus der Bundespolitik: "Ich bin schon weg."

Juni 2002: Rücktritt vom Rückzug: "Es wird auch in Zukunft die Zurufe aus dem Süden geben", stellt Haider klar. Er kündigt an, die FPÖ im Wahlkampf nicht zu unterstützen.

Juli 2002: Parteichefin Riess-Passer lehnt ein Angebot Haiders ab, bis zur Wahl erneut den Vorsitz der FPÖ zu übernehmen.

25. August 2002: Haider droht im ORF-Interview mit "totalem Rückzug". Gleich darauf lässt er seinen Sprecher berichtigen: Der Rückzug beziehe sich nur auf den Wahlkampf.

30. August 2002: Haider kündigt erneut seinen Rückzug aus der Bundespolitik an: "Das ist endgültig." Sagt er.

25. November 2002: Nach dem Wahldebakel der FPÖ kündigt Haider seinen Rücktritt als Kärtner Landeshauptmann an.



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