Griechisch-mazedonische Grenze "Wenn wir das gewusst hätten, wären wir in Syrien geblieben"

Viele Flüchtlinge beginnen zu zweifeln, ob sie Deutschland jemals erreichen werden: Inzwischen sitzen rund 11.000 Menschen im griechischen Grenzort Idomeni fest. Ihr Frust wird von Tag zu Tag größer.

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Von der griechisch-mazedonischen Grenze berichten und Roman Pernack (Video)


Im mazedonischen Grenzort Gevgelija herrscht Betriebsamkeit. Ein Militärwagen nach dem anderen fährt mit neuen Stacheldraht-Rollen beladen zur Grenze. Jeden Tag wird der Zaun dort länger und dichter. Hunderte Soldaten, Polizisten und Polizeihunde sind in den Feldern hinter Gevgelija im Einsatz.

Die Polizisten stammen nicht nur aus Mazedonien. Auch mehrere der zentral- und osteuropäischen Visegrád-Staaten - darunter Polen, Tschechien und die Slowakei - haben Einsatzkräfte und Berater geschickt. Von den mazedonischen Feldern aus können sie die bunte Zeltstadt sehen, die auf der anderen, der griechischen Seite des Zauns jeden Tag ein wenig größer wird.

Das Nicht-EU-Land Mazedonien ist dabei, zur neuen Außengrenze des Schengenraumes zu werden - und Idomeni, ein nahezu unbewohntes griechisches Bauerndorf, das zuvor selbst in Griechenland kaum jemand kannte, wird jetzt international zu einem Begriff.

In Idomeni sitzen die Geflüchteten fest, seit Mazedonien sie nur noch durch einen Grenzübergang einreisen lässt und ihre Dokumente genau überprüft. Das bedeutet, dass nicht mehr als ein paar Hundert von ihnen pro Tag weiterkommen.

"Wir wären in Syrien geblieben"

Damit ist die Reise von inzwischen über 11.000 Menschen hier zu Ende, zumindest vorübergehend. Das griechische Bauerndorf ist dabei, sich ins Calais der Balkanroute zu verwandeln: zu einem "Dschungel" mit Hütten, in dem die Gestrandeten ausharren und hoffen, dass sie doch noch irgendwann weiterkönnen.

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Grenze Griechenland - Mazedonien: Frust in Idomeni
Vor allem Familien sitzen in Idomeni fest. Viele sind zunehmend enttäuscht und verzweifelt. "Wenn wir das gewusst hätten, wären wir in Syrien geblieben", sagt Adel. "Wir sagen allen unseren Verwandten: Bleibt, wo ihr seid!" Er ist mit seiner Frau und den zwei Kindern unterwegs nach Deutschland. Vor fünf Monaten hatten sie den ältesten Sohn, 15 Jahre alt, dorthin vorgeschickt und auf Familiennachzug gehofft. Doch der wurde abgelehnt. Also führen sie die Familie nun selbst zusammen.

"In Syrien ist man wenigstens in fünf Minuten tot. Nicht wie hier, wo man mitansehen muss, wie die eigenen Kinder im Dreck leben", sagt Adel. Er lebte im Nordosten des Landes, wo der "Islamische Staat" herrscht. Der Tod komme dort schnell, erzählt er - durch eine Kugel oder durch die Bomben von Baschar al-Assad oder der Russen.

"Sagt endlich, was Sache ist"

Die Unsicherheit zehrt an den Nerven der Flüchtlinge. Inzwischen fragen sich viele, ob sie jemals weiterkommen oder ob sie in Idomeni nur hingehalten werden.

Eine junge Frau aus dem syrisch-kurdischen Afrin ist den Tränen nahe. Sie reist allein mit ihren drei Kindern. Ihr Ehemann ist verschollen im syrischen Krieg. Verhaftet, entführt, begraben unter Bombentrümmern - es gibt viele Varianten, um in Syrien für immer zu verschwinden. Sie hat aufgegeben, darauf zu warten zu erfahren, was mit ihm passiert ist.

"Ich bin seit elf Tagen hier", sagt sie. "Es gibt hier nichts. Stundenlang stehe ich in der Essenschlange an. Und wenn ich drankomme, dann sagen sie mir, sie können mir nichts zu essen mitgeben für meine Kinder, wenn ich die Kinder nicht mit mir in der Schlange habe." Mehrere Hilfsorganisationen verteilen Essen an die Flüchtlinge. Doch weil es kaum für alle reicht, geben sie die Lebensmittel sparsam aus.

Die junge Frau ist den Tränen nahe: "Sagt mir, dass ich nicht weiter darf. Sagt mir, dass ich zurück soll. Ganz gleich, aber gebt mir endlich Informationen. Sagt endlich, was Sache ist."

Im Video: "Nirgendwo gibt es noch Sicherheit"

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Das sind die neuen Routen, über die Flüchtlinge jetzt nach Nordeuropa geschleust werden:

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL)

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