Grenze zu Israel Vier Palästinenser bei neuen Unruhen im Gazastreifen getötet

Sie wurden von Schüssen israelischer Soldaten an der Grenze getroffen: Bei erneuten Unruhen im Gazastreifen sind vier Palästinenser getötet worden.

Proteste in Gaza an der Grenze zu Israel (Archivaufnahme)
REUTERS

Proteste in Gaza an der Grenze zu Israel (Archivaufnahme)


Wieder ein Freitag mit Massenprotesten im Gazastreifen: Bei erneuten Unruhen an der Grenze zu Israel wurden nach palästinensischen Angaben durch Schüsse israelischer Soldaten zwei Palästinenser getötet. Einer der Toten sei erst 15 Jahre alt gewesen, ein weiterer behindert. 445 weitere Palästinenser seien verletzt worden, davon 125 durch Schüsse.

Damit steigt die Zahl der getöteten Palästinenser bei den Protesten an der Gaza-Grenze auf 39. Seit Ende März wurden zudem Hunderte durch Schüsse israelischer Soldaten verletzt. Die israelische Armee hatte bisher immer wieder betont, die meisten der Getöteten seien "Terroristen" gewesen. Es ist der schlimmste Gewaltausbruch seit dem Gaza-Krieg 2014.

Vor den Freitagsprotesten hatte die israelische Armee die palästinensische Bevölkerung davor gewarnt, sich dem Grenzzaun zu nähern. Ein Armeeflugzeug warf am Freitagmorgen Flugblätter über dem Küstengebiet ab, wie die Armee mitteilte.

"Ihr beteiligt euch an gewaltsamen Unruhen", heiße es darin. "Die Hamas-Terrororganisation nutzt euch aus, um Terroranschläge zu verüben." Die Armee versuche, die Verluste zu begrenzen, werde aber keine Beschädigung der israelischen Sicherheitseinrichtungen dulden.

Junge Palästinenser zündeten am Freitag Dutzende Autoreifen an und präparierten Hunderte Lenkdrachen. Sie lenkten die Drachen nach Israel - mit brennenden Flüssigkeiten sowie arabischen und hebräischen Botschaften wie "Zionisten: Es gibt keinen Platz für Euch in Palästina". Bei ähnlichen Aktionen in den vergangenen Tagen hatten mehrfach Felder in Israel Feuer gefangen, wie die "Times of Israel" berichtete.

Nach Augenzeugenberichten feuerten israelische Soldaten am Freitag massiv auf die Drachen. Die Armee teilte lediglich mit, dass mehrere Drachen am Boden gelöscht worden seien, wenn notwendig.

Anlass für den "Marsch der Rückkehr" ist der 70. Jahrestag der israelischen Staatsgründung. Die Palästinenser sehen die Staatsgründung als Katastrophe an, weil 1948 Hunderttausende von ihnen fliehen mussten oder vertrieben wurden. Sie pochen auf ein "Recht auf Rückkehr" in das heutige israelische Staatsgebiet. Israel lehnt dies ab.

als/dpa/AP



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