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Flüchtlinge: Wo Europa seine Grenzen schließt

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DPA

Österreichisch-ungarisches Grenzgebiet: Verstärkte Kontrollen

Deutschland schickt Bundespolizisten an seine Grenzen - und andere Länder in Europa ziehen nach. Die Slowakei führt ebenfalls Kontrollen ein, Polen denkt darüber nach. Die Lage an den Grenzen im Überblick.

Es war eine Wende in der deutschen Flüchtlingspolitik. Weil die Behörden mit der großen Zahl an Hilfesuchenden überfordert waren, verkündete Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Sonntag: An der Grenze zu Österreich gibt es ab sofort wieder Grenzkontrollen. Zuvor waren innerhalb weniger Tage Tausende Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Die Regierung hatte vorübergehend Syrern in Ungarn Asyl in Aussicht gestellt - ungeachtet der europäischen Vereinbarungen.

Die Situation wird seither immer unübersichtlicher. Immer mehr Flüchtlinge stranden auf dem Weg von Osteuropa nach Deutschland in Österreich und können von dort nicht mehr weiterreisen. Deshalb schickt die Regierung in Wien Soldaten an die Grenze zu Ungarn. Auch die Slowakei oder Polen wollen die Sicherheitsmaßnahmen verstärken. Ein Überblick.

Deutschland:

Die Grenzkontrollen in Bayern sollen mindestens mehrere Wochen andauern. Dies sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dem Bayerischen Rundfunk. Die stärkeren Kontrollen seien notwendig, weil viele Menschen unterwegs seien, die keine wirklichen Flüchtlinge sind. "Da hat es sich in den letzten Tagen herumgesprochen, dass es erfolgreich ist, wenn jeder behauptet, Syrer zu sein." Es gehe um die Sicherheit Deutschlands und darum, ein Chaos zu vermeiden.

Video: Grenzkontrolle an der A3 - Dreißig Schleuser festgenommen

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Auch Sachsen hat mit der Vorbereitungen für Grenzkontrollen begonnen. "Die Vorgaben sind, dass der illegale Grenzübertritt vermieden werden soll", sagte der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) zu MDR Info. "Das bedeutet, dass Kontrollen durchgeführt werden können."

Für die Bürger heiße das, dass Grenzkontrollen im Schengen-Raum "jederzeit wieder anstehen können". Ulbig empfahl den Bürgern, "einerseits Ausweispapiere immer mitzuführen und andererseits auch Verständnis für diese Maßnahmen zu haben".

Österreich:

In Österreich hat die Polizei ebenfalls den Auftrag erhalten, verstärkt seine Grenzen zu Ungarn zu kontrollieren. Das würde "in einigen wenigen Stunden" nach den derzeit laufenden Vorbereitungen beginnen, sagte die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner in Brüssel.

Österreich hatte zuvor bereits angekündigt, in der Flüchtlingskrise auch Teile der Armee einzusetzen. Laut Bundeskanzler Werner Faymann sollen rund 2200 Soldaten unter anderem bei Grenzkontrollen helfen.

Slowakei:

An den Grenzen zu Österreich und Ungarn sollen auch in der Slowakei wieder Reisende überprüft werden, hieß es. Das Innenministerium in Bratislava begründete diesen Schritt mit der "Bekanntgabe Deutschlands, vorübergehend wieder Kontrollen an den Grenzen zu Österreich einzuführen". Außerdem seien 220 zusätzliche Polizisten an die Grenzen geschickt worden.

Tschechien:

Es gibt derzeit unterschiedliche Berichte über die tschechische Position. Nach Angaben der Nachrichtenagentur CTK plant das Land vorerst keine Grenzkontrollen an den Übergängen nach Österreich. "Die Lage ist für uns nicht so, dass wir grundsätzliche Maßnahmen in Betracht ziehen müssen", zitiert CTK den tschechischen Außenminister Lubomir Zaoralek.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtet dagegen, Innenminister Milan Chovanec und sein slowakischer Kollege Robert Kalinak hätten entsprechende Sicherungsmaßnahmen an den Grenzen abgestimmt.

Polen:

Polens Ministerpräsidentin Ewa Kopacz hat laut der Nachrichtenagentur Reuters die Bereitschaft ihres Landes erklärt, im Falle einer bedrohlichen Lage Grenzkontrollen einzuführen. Zudem lehne Polen den Angaben zufolge weiter eine Verteilung von Flüchtlingen in der EU nach festen Quoten ab.

kev/AFP/dpa/Reuters

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Asylkrise: Europa, du kannst so hässlich sein

Fläche: 83.871 km²

Bevölkerung: 8,58 Mio.

Hauptstadt: Wien

Staatsoberhaupt:
Heinz Fischer (Amtszeit abgelaufen); Doris Bures (amtierend)

Regierungschef: Christian Kern

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