Berlin - Die Griechenland-Krise ist neu aufgeflammt - und sorgt für ein kurzfristig terminiertes Spitzentreffen am Mittwoch in Cannes vor dem G-20-Gipfel. Das teilte die Bundesregierung am Dienstag in Berlin mit.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy werden sich wegen der Pläne für eine Volksabstimmung in Griechenland über das Sparpaket überraschend bereits am Mittwoch in Cannes treffen. Das eigentliche G-20-Treffen beginnt erst am Donnerstag.
Laut Regierung soll am Abend eine Konsultationsrunde mit den europäischen Institutionen und dem Internationalen Währungsfonds IWF stattfinden. Außerdem ist ein Treffen mit der griechischen Regierung geplant, um "alle erforderlichen Maßnahmen zur umgehenden Umsetzung der am 27. Oktober in Brüssel geschlossenen Vereinbarung zu treffen", hieß es weiter.
Beide Politiker drängten darauf, die Gipfelbeschlüsse zur Sanierung des überschuldeten Griechenland bald umzusetzen. "Deutschland und Frankreich wünschen, dass in Abstimmung mit ihren europäischen Partnern und dem IWF bald ein Zeitplan zur Umsetzung dieser Vereinbarung angenommen wird", erklärte Merkels Sprecher Steffen Seibert.
Deutlicher wird das Blog L'Elysée côté jardin, das einen Berater des französischen Präsidenten zitiert: "Die Geste Griechenlands ist irrational und gefährlich."
Griechenlands Regierungschef Georgios Papandreou hatte am Montagabend überraschend angekündigt, die eigene Bevölkerung über das Euro-Rettungspaket abstimmen zu lassen. Die Volksbefragung solle "bindend" sein, sagte Papandreou am Montagabend in Parlament. Beim Euro-Krisengipfel in Brüssel hatten die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone am Donnerstag einen Schuldenschnitt für Griechenland beschlossen.
Märkte reagieren sofort auf Ankündigung
Finanzminister Evangelos Venizelos deutete im Fernsehen an, die Volksabstimmung sei erst für das kommende Frühjahr geplant. Dem Referendum müsse erst noch das Parlament zustimmen. "Griechenland durchlebt ein Drama", hatte Venizelos zuvor vor Abgeordneten erklärt, "es muss sich daraus befreien, indem es das Volk bittet, seinen Willen zum Ausdruck zubringen."
Wie überall in der Euro-Zone, so herrscht auch in Berlin große Unruhe. In Regierungskreisen wird die Entscheidung aus Athen mit vielen Fragen versehen. Ein Referendum im Frühjahr 2012 würde eine lange Phase der Unsicherheit bedeuten, insbesondere auf den Märkten. Auch rätselt man, worüber Papandreou konkret abstimmen lassen will. Die Bedingungen für den Schuldenschnitt und die Modalitäten für eine Aufstockung des EFSF-Rettungsfonds würden derzeit schließlich erst ausgehandelt
Tatsächlich reagierten die Märkte sofort auf die unerwartete Ankündigung aus Athen: Nach der Erholung der vergangenen Woche stürzten die Kurse ab. Der Dax fiel am Vormittag um über fünf Prozent, der französische Index brach ein, Bankwerte wie Crédit Agricole, BNP oder Société Générale, die durch ihre Verbindungen mit Griechenland besonders exponiert sind, verloren zwischen zehn und zwölf Prozent.
jok/dpa/dapd
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