Griechen-Votum: Merkel und Sarkozy planen Krisentreffen in Cannes

Griechenlands Volksabstimmung zum Sparprogramm sorgt für massiven Gesprächsbedarf: Daher treffen sich Kanzlerin Merkel und der französische Präsident Sarkozy schon früher als geplant in Cannes. Auf einem Krisentreffen vor dem G-20-Gipfel wollen sie weitere Schritte erläutern.

Politiker Sarkozy und Merkel (im Oktober in Brüssel): Weiteres Sondertreffen angekündigt Zur Großansicht
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Politiker Sarkozy und Merkel (im Oktober in Brüssel): Weiteres Sondertreffen angekündigt

Berlin - Die Griechenland-Krise ist neu aufgeflammt - und sorgt für ein kurzfristig terminiertes Spitzentreffen am Mittwoch in Cannes vor dem G-20-Gipfel. Das teilte die Bundesregierung am Dienstag in Berlin mit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy werden sich wegen der Pläne für eine Volksabstimmung in Griechenland über das Sparpaket überraschend bereits am Mittwoch in Cannes treffen. Das eigentliche G-20-Treffen beginnt erst am Donnerstag.

Laut Regierung soll am Abend eine Konsultationsrunde mit den europäischen Institutionen und dem Internationalen Währungsfonds IWF stattfinden. Außerdem ist ein Treffen mit der griechischen Regierung geplant, um "alle erforderlichen Maßnahmen zur umgehenden Umsetzung der am 27. Oktober in Brüssel geschlossenen Vereinbarung zu treffen", hieß es weiter.

Beide Politiker drängten darauf, die Gipfelbeschlüsse zur Sanierung des überschuldeten Griechenland bald umzusetzen. "Deutschland und Frankreich wünschen, dass in Abstimmung mit ihren europäischen Partnern und dem IWF bald ein Zeitplan zur Umsetzung dieser Vereinbarung angenommen wird", erklärte Merkels Sprecher Steffen Seibert.

Deutlicher wird das Blog L'Elysée côté jardin, das einen Berater des französischen Präsidenten zitiert: "Die Geste Griechenlands ist irrational und gefährlich."

Griechenlands Regierungschef Georgios Papandreou hatte am Montagabend überraschend angekündigt, die eigene Bevölkerung über das Euro-Rettungspaket abstimmen zu lassen. Die Volksbefragung solle "bindend" sein, sagte Papandreou am Montagabend in Parlament. Beim Euro-Krisengipfel in Brüssel hatten die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone am Donnerstag einen Schuldenschnitt für Griechenland beschlossen.

Märkte reagieren sofort auf Ankündigung

Finanzminister Evangelos Venizelos deutete im Fernsehen an, die Volksabstimmung sei erst für das kommende Frühjahr geplant. Dem Referendum müsse erst noch das Parlament zustimmen. "Griechenland durchlebt ein Drama", hatte Venizelos zuvor vor Abgeordneten erklärt, "es muss sich daraus befreien, indem es das Volk bittet, seinen Willen zum Ausdruck zubringen."

Wie überall in der Euro-Zone, so herrscht auch in Berlin große Unruhe. In Regierungskreisen wird die Entscheidung aus Athen mit vielen Fragen versehen. Ein Referendum im Frühjahr 2012 würde eine lange Phase der Unsicherheit bedeuten, insbesondere auf den Märkten. Auch rätselt man, worüber Papandreou konkret abstimmen lassen will. Die Bedingungen für den Schuldenschnitt und die Modalitäten für eine Aufstockung des EFSF-Rettungsfonds würden derzeit schließlich erst ausgehandelt

Tatsächlich reagierten die Märkte sofort auf die unerwartete Ankündigung aus Athen: Nach der Erholung der vergangenen Woche stürzten die Kurse ab. Der Dax fiel am Vormittag um über fünf Prozent, der französische Index brach ein, Bankwerte wie Crédit Agricole, BNP oder Société Générale, die durch ihre Verbindungen mit Griechenland besonders exponiert sind, verloren zwischen zehn und zwölf Prozent.

jok/dpa/dapd

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1. Die richtige Entscheidung
diwoccs 01.11.2011
Zitat von sysopDie geplante Volksabstimmung in*Griechenland sorgt für massiven Gesprächsbedarf: Daher treffen sich Kanzlerin Merkel und der französische Präsident Sarkozy schon früher als*geplant*in Cannes. Auf einem Krisentreffen vor*dem G-20-Gipfel wollen sie weitere Schritte erläutern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,795267,00.html
Bitte, liebe Griechen, seid uns nicht böse, dass wir euch helfen wollen. Ihr könnt ruhig weitermachen, wie bisher, und wir kommen dann jederzeit - falls ihr es erlaubt - um euch wieder auszulösen. Es it mir unerklärlich, wie so ein kleines LAnd OHNE jegliche wirtschaftliche Bedeutung, ohne Bodenschätze etc. seit Monaten die Welt in Atem hält. Lasst sie gehen: sie können ihre Weintrauben essen und den furchtbaren Ouzo trinken - und sich der Sonne erfreuen.
2. Über allen Gipfeln ist bald Ruh..
Baikal 01.11.2011
Zitat von sysopDie geplante Volksabstimmung in*Griechenland sorgt für massiven Gesprächsbedarf: Daher treffen sich Kanzlerin Merkel und der französische Präsident Sarkozy schon früher als*geplant*in Cannes. Auf einem Krisentreffen vor*dem G-20-Gipfel wollen sie weitere Schritte erläutern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,795267,00.html
.. in allen Völkern wächst die Wut über euren Schmu - das fangt ihr nicht mehr ein, ihr Machtdarsteller von Finanzmarkts Gnaden! Referenden überall, das ist des Euros lauter Knall.
3. bis Frühjahr kommenden Jahres?
Medienkritiker 01.11.2011
Das kann ja wohl nicht wahr sein! Das Referendum muss in max. 4 Wochen stattfinden. Merkel und Sarkozy sollten ihre Krisenbewältigung auf das Entsenden tausender mobiler Abstimmungsbuden beschränken. Das griechische Tempo darf keinesfalls weiter als Signal der Verunsicherung die Märkte diktieren - Schluss mit der Rumgeiere!!! Die Entscheidung Papandreus wird zweifellos den totalen Bankrott Griechenlands zur Folge haben, das muss dem griechischen Volk ohne Umschweife erklärt werden, dann ist Schluss mit weiterer Hilfe. Der Irrglaube, dass sich an der brutalen Sparpolitik ohne dem vermeintlichen Diktat der EU etwas verbessere, muss schonungslos beseitigt werden.
4. Die beiden sollten ihre Krisentreffen nach ihrer Abwahl institutionalisieren
khaproperty 01.11.2011
und in ihrer gut ausgepolsterten Rentenphase in Cannes, Nizza, an der Ost- oder Nordsee abhalten. Vielleicht schreibt ja doch noch irgendjemand darüber. Nur bleibt beides ebenso nutzlos wie bereits gegenwärtig.
5. Feind
Sabi 01.11.2011
Zitat von sysopDie geplante Volksabstimmung in*Griechenland sorgt für massiven Gesprächsbedarf: Daher treffen sich Kanzlerin Merkel und der französische Präsident Sarkozy schon früher als*geplant*in Cannes. Auf einem Krisentreffen vor*dem G-20-Gipfel wollen sie weitere Schritte erläutern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,795267,00.html
So wie die Griechen mit anderen EU-Partnern umgehen, so machen es auch Feinde ! Nach soviel Einsatz und Mühe für Halbierung der Schulden, dann dieser Dolchstoß ohne Vorwarnung ! Anständige Partner würden die Partner vorher informieren, wenn sie alles wieder in Frage stellen wollen ! Es gibt nur eine Alternative: GR raus aus EU und raus aus Euro-Zone ! Das Vertrauensverhältnis ist völlig zerrüttet !
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.
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