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Griechischer Premier in Moskau: Tsipras lockt, Putin bremst

Von , Moskau

Der Moskau-Besuch des griechischen Premiers Tsipras hat noch keinen Durchbruch gebracht: Russlands Lebensmittel-Embargo bleibt in Kraft, Finanzspritzen gibt es keine - nur langfristig stellt der Kreml ein lukratives Projekt in Aussicht.

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Den Saal, in dem Wladimir Putin und Alexis Tsipras in Moskau vor die Presse traten, schmückten für die TV-Kameras drei Fahnen den Hintergrund: Russlands Trikolore, Griechenlands blau-weiße Fahne und zwischen beiden - etwas eingeklemmt - die Fahne der EU. Wer nach einem passenden Bild suchte für eine russisch-griechische Annäherung auf Europas Kosten, konnte also bereits fündig werden, bevor die gemeinsame Pressekonferenz des griechischen Premiers mit Russlands Präsidenten begann.

Der Moskauer Außenpolitik-Experte Fjodor Lukjanow brachte die Erwartungshaltung vor dem Treffen auf den Punkt: Wird der Kreml sich darauf einlassen, Athen eine "Finanzspritze zu geben, um damit die EU von innen zu sprengen?"

Die Antwort lautet: Nein, bislang nicht. Putin und Tsipras rückten zwar auch bei der Pressekonferenz demonstrativ zusammen, saßen Schulter an Schulter. Der Grieche tätschelte dem Gastgeber freundlich den Arm. Russlands Präsident Putin dagegen wirkte während des Termins gelegentlich abwesend und fast schon desinteressiert.

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Tsipras in Moskau: Freundschaftsanfrage aus Athen
Alexis Tsipras sprach von einem "sehr wichtigen Tag" und "Frühling in den griechisch-russischen Beziehungen". Konkrete Einigungen konnten - oder wollten - beide Seiten aber nicht verkünden. So bleibt das russische Embargo für europäische Lebensmittel auch für griechische Waren zunächst in Kraft. Putin beklagte zwar zu Beginn des Treffens den Einbruch des Handels zwischen beiden Ländern um 40 Prozent. Dass Griechenland aber von Russlands Vergeltungssanktionen getroffen werde, sei "nicht unsere Schuld", so der Kreml-Chef.

Moskaus Botschaft an die "Jungeuropäer"

Putin erklärte, man habe aber die Möglichkeit erörtert, in Zukunft russisch-griechische Gemeinschaftsunternehmen zu schaffen, um den Handel anzukurbeln. Eine Aufhebung des russischen Lebensmittelbanns hätte allerdings ohnehin nur Symbolwert gehabt: Alexis Tsipras bezeichnete die Einbußen der griechischen Landwirtschaft zwar als eine "große Wunde". Schätzungen beziffern die Verluste allerdings auf einen Betrag zwischen 180 und 430 Millionen Dollar, ein bescheidener Wert angesichts griechischer Staatsschulden von mehr als 300 Milliarden Euro.

Tsipras nutzte den Auftritt und verwahrte sich gegen Kritik aus der EU an seinem Russland-Kurs. Griechenland habe in den vergangenen Jahren zwar viel an Wirtschaftskraft verloren, nicht aber an "geopolitischer Dynamik". Der Premier aus Athen kritisierte erneut die vom Westen gegen Russland verhängten Sanktionen. Tsipras kündigte an, er wolle Griechenland zu einer "Brücke zwischen der EU und Russland" machen. Gleichzeitig sprach er sich für die Etablierung einer neuen "Sicherheitsarchitektur unter Einbindung Russlands" aus. Pläne dafür stellte er nicht vor.

Tsipras wird noch bis einschließlich Donnerstag in Moskau bleiben. Er will in der russischen Hauptstadt mit Patriarch Kirill zusammenkommen, dem Oberhaupt der Russischen Orthodoxen Kirche, sowie mit Russlands Premierminister Dmitrij Medwedew. Konservative Kräfte innerhalb der russischen Elite sehen im ebenfalls durch das orthodoxe Christentum geprägte Griechenland einen "natürlichen Bündnispartner" und einen Hebel, um Einfluss auf Europas Sanktionspolitik zu nehmen.

Die Rede ist davon, gemeinsam mit anderen - Moskau gegenüber positiv eingestellten - EU-Regierungen wie Ungarn oder Zypern ein Gegengewicht zu schaffen gegen Russland-Kritiker in Europa. Moskaus Botschafter in Athen, Andrej Maslow, nannte in einem Interview vor allem die "Jungeuropäer Estland, Lettland, Litauen, Polen und Rumänien".

Russisches Gas könnte durch Griechenland strömen

Tsipras hatte zuletzt Griechenlands "wunderbare Zukunft" mit Russland beschworen. Das sind Töne, die man in Moskau gern vernimmt. Sie haben allerdings noch nicht dazu geführt, dass Russland seine Geldbörse geöffnet hätte. Über Kredite und Finanzhilfen sei nicht gesprochen worden, stellte Putin klar. Die griechische Regierung habe auch nicht darum gebeten. Die Finanz- und Wirtschaftskrise sei "im Rahmen Europas zu lösen", sagte Tsipras.

Außenpolitik-Experte Fjodor Lukjanow hält es für unwahrscheinlich, dass jemals russische Kredite in die klamme griechische Staatskasse fließen. Das sei "sinnlose Hilfe beim Stopfen von Löchern, die umgehend für das Begleichen anderer Kredite draufgehen". Besser sei es, Griechenland in längerfristige Projekte einzubinden.

Über eines davon berieten auch Putin und Tsipras. Die Rede ist vom Pipeline-Projekt "Turkish Stream", das russisches Gas durch das Schwarze Meer in die Türkei liefern soll. Die Leitung könnte weiter bis nach Griechenland gebaut werden, womit Athen zu einem wichtigen Verteilerknoten für russisches Gas auf dem Balkan aufsteigen könnte. Allein durch Transitgebühren könnte Athen "Millionen Dollar pro Jahr einnehmen, einfach so", sagte Putin.

Zusammengefasst:

Der Moskau-Besuch des griechischen Premiers Tsipras brachte bislang keine konkreten Einigungen. So bleibt das russische Embargo für europäische Lebensmittel auch für griechische Waren zunächst in Kraft. Der russische Präsident Putin regte die Einrichtung von Gemeinschaftsunternehmen an, um den Handel zu intensivieren. Auch beim Pipeline-Projekt "Turkish Stream", das russisches Gas durch das Schwarze Meer in die Türkei liefern soll, könne man mit Athen zusammenarbeiten.

Zum Autor
Benjamin Bidder ist Korrespondent von SPIEGEL ONLINE in Moskau und berichtet regelmäßig über die Krise in der Ukraine - unter anderem aus Moskau, Kiew, Odessa, Donezk.

E-Mail: Benjamin_Bidder@spiegel.de

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 109 Beiträge
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1. Richtig ist, dass Griechenland ....
joG 08.04.2015
.....insolvent ist und nicht weiter zahlen sollte aus neuen Krediten. Dazu sollte man Euroland aber nicht die EU verlassen und sein Vetorecht in den Gremien nutzen, um wirtschaftliche Vergünstigungen zu erhalten.
2. Russland vs. EU ?
cemalaslan01 08.04.2015
Es gab schon mehrere Angriffskriege aus dem westeuropäischen Raum gegen den Osten, aber so klug und auf den Punkt hat noch keine russische/Zaren/Sowjet. Regierung gekontert. Chapeau! Ich hoffe, dass was zusammengehört zusammen findet. EU/Russland und endlich die Zukunft Europas nicht gegen die Wand gefahren wegen temporärer Partner aus der neuen Welt.
3. und?
sara.asar 08.04.2015
Was ist das Schlimme dabei? Griechenland will gute Beziehungen mit Russland pflegen. Und das wird quasi krimminalisiert. Warum? Täte Griechenland das mit der USA getan, wäre alles in bester Ordnung. Warum? Hat Russland Irak angegriffen und völkswiderrechtlich zerstört? Hat Russland Afganistan bombardiert , um Bin Laden mit einer Bombe zu treffen? Warum gerade Deutschland krimminalisietrt jeden, der mit Russland gute Kontakte pflegen möchte? Verstehe nicht.
4. Sehr diplomatisch ...
freddygrant 08.04.2015
... was Putin hier mit Tsipras bespricht und politisch vereinbart. Sollte sich die EU nicht genauso kooperativ und vernünftig in ihrer "russischen" Außenpolitik verhalten, werden u.a. neue Kooperationen und russisch-griechische Handelsunternehmen errichtet und entstehen die die EU-Vereinbarungen umgehen werden und eine gewaltige Sprengkraft innerhalb der EU und auch in den transatlantischen Beziehungen erzeugen werden. Ein richtiger Wirtschaftskrimi im "wilden" Westen.
5. Bei der Zuverlässigkeit Griechenlands versickert das Russengas in der Ukraine
Eppelein von Gailingen 08.04.2015
In der EU kommt nach wie vor nichts an. Die Ostsee-Pipeline ein Witz oder Wagnis, die Variante über Türkei/Griechenland eine Steigerung dessen. Die Griechen sind Weltmeister im Anzapfen, damit es nichts kostet. Putin riecht den Braten, die Anfangs-Euphorie ist eingefroren. Die Jungeuropäer - besser bekannt als Chaoten haben sich wahrscheinlich mehr erhofft. Für Putin hätte es ein Fallstrick sein können. Und jetzt kommt der geläuterte Jungeuropäer als Persona non grata wieder nach Brüssel zum Betteln. Oder zur sehr verschnupften Merkel. Dann kann Griechenland seine Wunschträume in den Hafen von Piräus zum Ausnüchtern hängen.
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