Griechenland vor Neuwahlen: Alles hängt von den Linken ab

In Griechenland läuft alles auf eine Neuwahl hinaus. Die kleine Partei der Linksdemokraten fordert eine Regierungsbeteiligung der radikalen Syriza-Gruppe - doch deren Chef sträubt sich.

Athen - Griechenlands Präsident Karolos Papoulias gibt die Hoffnung auf eine arbeitsfähige Regierung nicht auf. Am Sonntagabend kündigte das Staatsoberhaupt an, die Gespräche mit den Parteien am Montag fortsetzen zu wollen. Sollten alle Koalitionsverhandlungen scheitern, finden spätestens am 17. Juni Neuwahlen statt.

Die wichtigste Rolle hat dabei Syriza, das Bündnis der radikalen Linken. Die kleine Partei der Linksdemokraten stellte am Montag klar, dass sie sich nur an einer Koalition beteiligt, wenn auch die Syriza als zweitstärkste politische Kraft mit von der Partie ist.

Doch davon will Syriza-Chef Alexis Tsipras nichts wissen. Er lehnt auch ein Gespräch mit Staatspräsident Papoulias ab. Syriza ist im Gegensatz zu den Konservativen von der Nea Dimokratia (ND) und der sozialistischen Pasok auch gegen einen Sparkur.

Bei der Wahl vor rund einer Woche waren die einstigen Volksparteien Pasok und ND abgestraft worden. Ihnen droht der politische Bedeutungsverlust. Nach jüngsten Umfragen dürfte das Linksbündnis unter Tsipras gewinnen und die ND als stärkste Partei ablösen. An dem erklärten Gegner des Sparkurses dürfte bei der Regierungsbildung kein Weg mehr vorbeiführen.

Griechenland droht Ende Juni das Geld auszugehen, wenn bis dahin keine neue Regierung im Amt ist, die die Sparzusagen gegenüber den internationalen Helfern einhält. Die Partner Griechenlands stellen sich mittlerweile auf dessen Austritt aus der Euro-Zone ein.

72 Prozent der Griechen fordern in einer repräsentativen Umfrage, dass die Parteien alles unternehmen sollten, damit eine stabile Regierung gebildet werden kann. Noch mehr, nämlich 78 Prozent, sprechen sich für einen Verbleib im Euro-Land aus. Die Umfrage wurde am Sonntag in der Athener Zeitung "To Vima" veröffentlicht.

als/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 35 Beiträge
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1. Deutschland ist wie Griechenland; es gibt nur einen kleinen Unterschied
wolfgangotto 14.05.2012
Zitat von sysopIn Griechenland läuft alles auf eine Neuwahl heraus. Die kleine Partei der Linksdemokraten fordert eine Regierungsbeteiligung der radikalen Syriza-Gruppe - doch deren Chef sträubt sich. Griechenland: Alles hängt von den Linksradikalen ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,832973,00.html)
Deutschland ist wie Griechenland: -Firmen zahlen kaum Steuern -Vermögende schaffen ihr Geld ins Ausland und tragen nichts zum Gemeinwesen bei -Grundbesitzer zahlen keine Steuern -Erben zahlen (fast) keine Steuern für anstrengungsloses Einkommen Der Unterschied ist, dass in Deutschland die Hälfte des Lohnes/Gehaltes der Arbeitnehmer in den Lohnbüros in Form von Steuern und Sozialabgaben einbehalten und dem Fiskus monatlich überwiesen wird. Der Arbeitnehmer bekommt dieses sauer verdiente Geld erst gar nicht zu Gesicht; dann tut es nicht so weh. Das versetzt den Staat in die Lage, seine Aufgaben der Allgemeinverpflichtung wahrzunehmen. Wäre dies nicht so und müsste der Fiskus diesen Beträgen hinterrennen, herrschten bei uns identische Zustände wie in Griechenland. Also bitte kein Hochmut gegenüber anderen Völkern.
2.
ekel-alfred 14.05.2012
Zitat von sysopNach jüngsten Umfragen dürfte das Linksbündnis unter Tsipras gewinnen und die ND als stärkste Partei ablösen.
Sollte dieser Fall eintreten, dann kann man die Griechen nicht mehr ernst nehmen. Einen Parteichef, der in dieser Krise nicht das Wohlergehen des Landes im Blick hat, sondern nur aus parteitaktischem Kalkül handelt, kann man doch nicht ernsthaft wählen?
3.
review 14.05.2012
Zitat von ekel-alfredSollte dieser Fall eintreten, dann kann man die Griechen nicht mehr ernst nehmen. Einen Parteichef, der in dieser Krise nicht das Wohlergehen des Landes im Blick hat, sondern nur aus parteitaktischem Kalkül handelt, kann man doch nicht ernsthaft wählen?
Doch kann man, besonders wenn man bedenkt dass die beiden anderen Parteien die am Verhandlungstisch sitzen Griechenland nach der Diktatur dort hin geführt haben, wo es sich jetzt befindet.
4. Dann muss ich
masc672 14.05.2012
Zitat von wolfgangotto-Grundbesitzer zahlen keine Steuern
und Millionen andere wohl was falsch machen.
5.
alexbln 14.05.2012
Zitat von wolfgangottoDeutschland ist wie Griechenland: -Firmen zahlen kaum Steuern -Vermögende schaffen ihr Geld ins Ausland und tragen nichts zum Gemeinwesen bei -Grundbesitzer.....
selten so gelacht, sie wissen schon wer den großteil der einkommenssteuern in diesem land trägt?
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