• Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Griechenland am Abgrund "Freiheit oder Tod"

Athen hat die heftigsten Proteste seit Jahren erlebt, und der Sturm gegen das radikale Sparprogramm zeigt Wirkung: Nach gerade mal drei Monaten steht Premier Papademos vor dem Scheitern - und das Land am Abgrund. Viele Bürger kämpfen buchstäblich ums Überleben.

Als sie den Zustand der zentralen Verkehrsachsen Stadiou, Panepistimiou und Akademias in der Nähe des Verfassungsplatzes sahen, waren selbst hartgesottene Athener am Montagmorgen schockiert: Bei Protesten gegen die neue Regierung hatten Randalierer am Sonntagabend 45 teils historische Gebäude angezündet. Zahlreiche Banken wurden demoliert und Geschäfte geplündert. Die Polizei nahm 142 Personen fest, 35 Zivilisten und 68 Sicherheitskräfte wurden verletzt und mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden.

Der Einsatz von Tränengas war derart massiv, dass die Chemikalie noch am Montagmorgen durch weite Teile der Innenstadt waberte. "Solche Schäden hat es das letzte Mal im Dezember 2008 gegeben", stellte der Athener Bürgermeister Georgios Kaminis fest. Damals hatten Autonome und Anarchisten nach dem Tod des 15-jährigen Schülers Alexis Grigoropoulos für Chaos im Athener Zentrum gesorgte. Das Toben des Mobs bedeutete seinerzeit den Anfang vom Ende der konservativen Regierung Karamanlis.

Jetzt scheinen die Tage der Regierung des parteilosen Premiers Loukas Papademos nur drei Monate nach deren Vereidigung gezählt. Zwar peitschte die nach dem Ausscheiden der rechtskonservativen Laos-Partei nur noch von der sozialdemokratischen Pasok und der konservativen Nea Dimokratia gebildete Übergangsregierung das

Gesetz zur "Reduzierung der Staatsschulden und Rettung der Wirtschaft" in einem zweitägigen Schnellverfahren durch das Parlament. Aber Papademos wirkt blass und müde. Weite Passagen seiner Rede zum Abschluss der zehnstündigen, oft chaotischen Parlamentsdebatte waren nur wortgetreue Wiederholungen der Äußerungen, die der Ex-Zentralbanker in den vergangenen Tagen im Kabinett und in einer Rede zur Nation schon einmal emotionslos vorgetragen hatte. Sein immer wiederkehrendes Motto lautet: Entweder "Ja" zum neuen Programm, oder es droht der Staatsbankrott "mit verheerenden Folgen".


Hunderttausende Bürger hatten in ganz Griechenland ihre Empörung gegen das neue Wirtschafts- und Finanzprogramm der Regierung Papademos friedlich zum Ausdruck gebracht. Athen erlebte die größte Protestkundgebung seit vielen Jahren. Auch in Thessaloniki, Heraklion, Volos und anderen Städten gingen die Bürger auf die Straße. Doch wenige hundert Vermummte brachten es fertig, die Athener Innenstadt in Schutt und Asche zu legen, obwohl 6000 Polizisten eigentlich für Ruhe und Ordnung in der Hauptstadt sorgen sollten.

Kritik am Vorgehen der Polizei

Das Vorgehen der Spezialeinheiten der Polizei (Mat) wurde von Augenzeugen heftig kritisiert, auch die griechische Presse monierte die Taktik der Sicherheitskräfte am Montag. Sie hatten schon früh ohne erkennbaren Grund massiv Tränengas eingesetzt und die gewaltbereite Minderheit damit provoziert. Die riesige Menschenmenge, darunter viele Ältere und Frauen, sollte offenbar davon abgehalten werden, sich direkt vor dem Parlament einzufinden. Außerdem sollten Protestwillige der Protestaktion gegen die Regierung einfach aus Angst fernbleiben.

Während sich die Mat-Einheiten direkt vor dem Parlament mit den meist jungen Krawallmachern prügelten, blieben Zigtausende Bürger wütend in den Seitenstraßen. Ihrem Unmut gegen Polizei und Politik machten sie mit Sprechchören und Gesängen Luft.

Massiver Einsatz von Tränengas

"Papademos legt wieder die gleiche Kassette ein", kommentierte die einheimische Presse den Auftritt des Regierungschefs nach der Abstimmung um Mitternacht hämisch. Die Billigung des Gesetzes ist ein Pyrrhussieg für Papademos. Denn beide Regierungsparteien gehen schwer angeschlagen aus der namentlichen Abstimmung. Insgesamt 43 Abgeordnete der Regierungskoalition ließen sich nicht von den vorab gemachten Drohungen der Parteiführer Georgios Papandreou (Pasok) und Antonis Samaras (Nea Dimokratia) beeindrucken, wonach die Verweigerung des "Ja" den sofortigen Ausschluss aus den betreffenden Fraktionen zur Folge haben würde. Die Abweichler votierten dagegen oder blieben der historischen Parlamentssitzung schlicht fern.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 426 Beiträge
gast2011 13.02.2012
mägen die spiele beginnen...die sieger sind schon lange bekannt und haben ihr geld auf die seite gebracht.
mägen die spiele beginnen...die sieger sind schon lange bekannt und haben ihr geld auf die seite gebracht.
Fleetenkieker 13.02.2012
Und ich befürchte, dass sind erst die Vorboten der Ereignisse, die sich demnächst auch in Portugal, Spanien und Italien abspielen werden. Höchste Zeit, dass wir uns von der Illusion einer funktionierenden Währungsunion in [...]
Zitat von sysopAthen hat die heftigsten Proteste seit Jahren erlebt, und der Sturm gegen das radikale Sparprogramm zeigt Wirkung: Nach gerade mal drei Monaten steht Premier Papademous vor dem Scheitern - und das Land am Abgrund. Viele Bürger kämpfen buchstäblich ums Überleben. Griechenland am Abgrund: "Freiheit oder Tod" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814935,00.html)
Und ich befürchte, dass sind erst die Vorboten der Ereignisse, die sich demnächst auch in Portugal, Spanien und Italien abspielen werden. Höchste Zeit, dass wir uns von der Illusion einer funktionierenden Währungsunion in Europa verabschieden. Die von Frau Merkel u.a. in Brüssel angestrebten Zwangsregulierungen der Staatshaushalte werden inzwischen, besonders in England, als eine Neuauflage deutscher Herrschaftsansprüche über Europa angesehen. Da wird von „MerkelReich“, „Gauleitern“, einem Versaille und neuem Karthago für Griechenland gesprochen.- Die erhobene Nazikeule ist unübersehbar. Ist das diese Kunstwährung wert?
herr_kowalski 13.02.2012
steuerlich wirksame Abschreibungen ihrer Verluste zu ersparen. Was für ein Europa. Ein Irrenhaus.
Zitat von sysopAthen hat die heftigsten Proteste seit Jahren erlebt, und der Sturm gegen das radikale Sparprogramm zeigt Wirkung: Nach gerade mal drei Monaten steht Premier Papademous vor dem Scheitern - und das Land am Abgrund. Viele Bürger kämpfen buchstäblich ums Überleben. Griechenland am Abgrund: "Freiheit oder Tod" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814935,00.html)
steuerlich wirksame Abschreibungen ihrer Verluste zu ersparen. Was für ein Europa. Ein Irrenhaus.
arioffz 13.02.2012
die nächsten, hinter dem Abgrund sein, viele von uns haben es noch nicht umrissen, aber es werden auch massive Einschnitte bei uns kommen, wer mit offenen Augen durch unser Land sieht, hat gemerkt wohin "der Hase" [...]
Zitat von sysopAthen hat die heftigsten Proteste seit Jahren erlebt, und der Sturm gegen das radikale Sparprogramm zeigt Wirkung: Nach gerade mal drei Monaten steht Premier Papademous vor dem Scheitern - und das Land am Abgrund. Viele Bürger kämpfen buchstäblich ums Überleben. Griechenland am Abgrund: "Freiheit oder Tod" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814935,00.html)
die nächsten, hinter dem Abgrund sein, viele von uns haben es noch nicht umrissen, aber es werden auch massive Einschnitte bei uns kommen, wer mit offenen Augen durch unser Land sieht, hat gemerkt wohin "der Hase" läuft. In den modernen Feudalismus, das wird ein Spaß!
friedi234 13.02.2012
...die Demonstranten die zum Yachthafen nach Piräus ziehen und Steuergerechtgkeit fordern. ..Warum werden denn die Auslandskonten griechischer Mitbürger nicht unter Sequesta gestellt?... ..eine Sonderabgabe eingeführt?. [...]
Zitat von sysopAthen hat die heftigsten Proteste seit Jahren erlebt, und der Sturm gegen das radikale Sparprogramm zeigt Wirkung: Nach gerade mal drei Monaten steht Premier Papademous vor dem Scheitern - und das Land am Abgrund. Viele Bürger kämpfen buchstäblich ums Überleben. Griechenland am Abgrund: "Freiheit oder Tod" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814935,00.html)
...die Demonstranten die zum Yachthafen nach Piräus ziehen und Steuergerechtgkeit fordern. ..Warum werden denn die Auslandskonten griechischer Mitbürger nicht unter Sequesta gestellt?... ..eine Sonderabgabe eingeführt?. Vermögen ab 5 Mio geschätzt und mit 20% Sondersteuer beaufschlagt,... ...weil sich die herrschende Klasse mit den Steuerbetrügern nicht schlecht stellen mag. Morgen ist auch noch ein Tag, dann sitzt der Pöbel wieder daheim vorm TV... ..Armes Griechenland...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Finanzkrise in Griechenland

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,359 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Loukas Papademos

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Griechenland-Reiseseite






TOP



TOP