Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Fund der griechischen Küstenwache: Die rätselhafte Fracht der "MS Trader"

Die griechische Küstenwache hat womöglich Waffenschmugglern im Mittelmeer das Handwerk gelegt. Doch was genau an Bord des verdächtigen Schiffes war und wer die Ladung bekommen sollte, ist einigermaßen unklar.

Der Tipp kam wohl vom Geheimdienst. Der knapp 80 Meter lange Containerfrachter mit dem Rufzeichen 5VCX4, so erfuhren die Mitarbeiter der griechischen Küstenwache, habe Verbotenes geladen. Und in der Tat: Als die Beamten die in Togo registrierte "Trader", früher auch unter dem Namen "Kuki Boy" unterwegs, stoppten und durchsuchten, fanden sie große Mengen an Waffen und Sprengstoff. Am 28. Februar war das, vor der Westküste der Insel Kreta.

So berichten es jedenfalls unter anderem der Branchendienst IHS Jane's und die griechische Zeitung "Kathimerini". Konkret will die Zeitung von 6400 Gewehren und einer großen Menge Explosivstoffen erfahren haben, die in zwei Containern versteckt gewesen sein sollen. Die "Trader" würde von einem internationalen Schmugglerring mit Ablegern im Libanon, Syrien und Griechenland benutzt, hieß es. An Bord seien elf Besatzungsmitglieder gewesen, aus Syrien, Indien und dem Libanon.

Libanesische Medien wie "Naharet" berichten allerdings, das Schiff hätte gar keine verbotenen Waffen, sondern Jagdgewehre an Bord gehabt. Das hätten zwei libanesische Eigentümer bei Befragungen angegeben. Klar scheint: Die "Trader" hatte zuletzt die türkischen Häfen Ismir und Mersin angelaufen. Als Nächstes hätte sie den Libanon ansteuern sollen. Von dort hätte es wohl nach Ghana und Kamerun weitergehen sollen.

Eine Ladung, zwei Theorien über ihre Bestimmung

Für wen illegale Waffen - wenn es sie denn an Bord tatsächlich gab - bestimmt gewesen wären, dazu gibt es zwei Theorien: Eine von ihnen besagt, dass die Gewehre und der Sprengstoff in einen westafrikanischen Staat gebracht werden sollten, gegen den ein Uno-Waffenembargo bestehe. Das könnte auf die Elfenbeinküste hindeuten, gegen die es seit 2004 ein solches Embargo gibt. Gegen Guinea, das ebenfalls in der Region liegt, gibt es dagegen nur ein Embargo der Europäischen Union.

Eine zweite Theorie besagt, dass die Waffen für den Libanon bestimmt gewesen sein könnten. Sie wird von IHS Jane's präsentiert. Demnach hätte das Material dort an sunnitische Milizen gehen sollen - und zwar für den Kampf gegen die schiitische Hisbollah-Miliz. Auch gegen den Libanon gibt es ein Waffenembargo von Vereinten Nationen und EU.

Was auch immer nun an Bord der "Trader" war: Derzeit liegt das Schiff vor der Küste Kretas, in der Nähe des Hafens von Souda.

Dass Waffenschmuggel in der Region ein drängendes Thema ist, beweist ein Meldung der griechischen Behörden aus dem vergangenen September. Damals hatten die Küstenwache vor Kreta einen anderen verdächtigen Frachter aufgebracht. Die bolivianische "Haddad 1" kam ebenfalls aus der Türkei und hatte Tausende Gewehre und die dazugehörige Munition an Bord. Hier gab es sowohl Berichte über Libyen als auch den Libanon als mögliches Ziel.

chs/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: