Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Faschistische "Goldene Morgenröte": Griechen schicken Anti-Terror-Fahnder gegen Neonazis

Mitglieder und Unterstützer der "Goldenen Morgenröte": Harte Maßnahmen Zur Großansicht
AFP

Mitglieder und Unterstützer der "Goldenen Morgenröte": Harte Maßnahmen

Hartes Durchgreifen hat Griechenland nach dem faschistisch motivierten Mord an einem Musiker versprochen. Gewalttaten der rechten Partei "Goldene Morgenröte" werden ab sofort von Anti-Terror-Diensten untersucht. Die Rechte verliert ihren Polizeischutz.

Athen - Der Mord an Pavlos Fyssas hat Griechenland schwer erschüttert. Zwei Tage nach dem gewaltsamen Tod des linken Musikers fordern viele Bürger ein Einschreiten der Regierung gegen die rechtsextreme Partei Chrysi Avgi ("Goldene Morgenröte"). Aus deren Reihen soll der mutmaßliche Täter stammen. Nun hat Athen tatsächlich ein hartes Durchgreifen angekündigt.

Auf Anweisung des Ministeriums für öffentliche Ordnung werden künftig alle Ermittlungen zu Gewalttaten, hinter denen Chrysi Avgi stehen soll, von den Anti-Terror-Diensten übernommen, wie Polizeivertreter am Freitag mitteilten. Auch der Fall Fyssas liegt ab sofort bei den Sonderermittlern. Als Teil der Nachforschungen sollen nach Angaben aus Polizeikreisen auch die Telefonprotokolle von bis zu drei Parteimitgliedern eingesehen werden.

Minister Nikos Dendias habe zudem angeordnet, bis auf weiteres allen 18 Abgeordneten der Neonazi-Partei sowie den örtlichen Parteibüros den Polizeischutz zu entziehen. Diese Maßnahme kommt mit Blick auf die Ereignisse vom Mittwoch überraschend. Vor zwei Tagen hatten Sicherheitskräfte nur mit Mühe einen Angriff auf eine Parteiniederlassung in Thessaloniki verhindert.

Fotostrecke

6  Bilder
Goldene Morgenröte: Neonazi-Mord treibt Griechen auf die Straße
Aus Reihen der Regierung verlautete, der Schutz sei aufgehoben worden, weil man keine "kriminelle Organisation" bewachen wolle. Ein Sprecher der Partei erklärte, man erwäge eine Klage gegen die Regierung.

Chrysi Avgi wird für mehrere Angriff auf Einwanderer, Politiker und linksgerichtete Aktivisten verantwortlich gemacht. Bisher allerdings blieb die Partei weitgehend unbehelligt. Erst der Mord an dem 34-jährigen Rapper Pavlos Fyssas in der Nacht zum Mittwoch durch ein mutmaßliches Mitglied von Chrysi Avgi sorgte für landesweite Empörung und Ausschreitungen in mehreren Städten.

Der Musiker war in Athen mit mutmaßlichen Parteianhängern in Streit geraten und später niedergestochen worden. Der 45-jährige Giorgos Roupakias sitzt in Arrest und soll sowohl den Mord als auch seine Verbindungen zur rechtsextremen "Goldenen Morgenröte" eingeräumt haben.

Gezielte Straftaten durch "Überfall-Milizen"?

Am Donnerstag sandte der Minister für öffentliche Ordnung dem Staatsanwalt am Obersten Gericht rund 30 Dossiers zu mutmaßlichen Gewaltakten von Chrysi-Avgi-Mitgliedern zu, um die Ermittlungen zu beschleunigen. Gleichzeitig kündigte er eine Verschärfung der Strafgesetze gegen die "organisierte Kriminalität" an. In der Zeitung "Ethnos" beschrieb ein anonymer ehemaliger Aktivist der Neonazi-Partei, wie die Partei mit Hilfe von "Überfall-Milizen" Angriffe auf Immigranten organisierte.

Chrysi Avgi ist seit den Wahlen im Juni 2012 erstmals im Parlament vertreten und verfügt dort über 18 der 300 Mandate. Die rechtsextreme Partei profitiert weiterhin stark von der anhaltenden Krise in Griechenland: Wären heute Wahlen, könnte sie nach Angaben von Meinungsforschern mit 13 Prozent der Stimmen rechnen.

jok/Reuters/AFP/AP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 54 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Kinkerlitzchen 20.09.2013
Zitat von sysopAFPHartes Durchgreifen hat Griechenland nach dem faschistisch motivierten Mord an einem Musiker versprochen - nun stehen erste Maßnahmen: Gewalttaten der rechten Partei "Goldene Morgenröte" werden von Antiterror-Diensten untersucht. Die Rechte verliert ihren Polizeischutz. http://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-antiterror-dienste-vs-neonazis-der-goldenen-morgenroete-a-923603.html
Neonazis kannst du nur durch härtestes Durchgreifen beikommen. Wenn du da die Demokratiefahne hisst, dann lachen sie sich im Hinterzimmer kaputt, wieviel Rechte sie bekommen, und sobald sie in Machtpoitionen sind, tun sie alles, um genau diese Rechte wegzunehmen. Und ja, ich war auch mal der Meinung, die Demokratie sollte es aushalten, wenn die Nazis marschieren. Aber das ist ein Irrweg. Wer Menschenrechte nur selektiv verteilen will, der hat keine Gnade verdient.
2. Wen wunderts?
fr_dr._murksel 20.09.2013
Armut und Perspektivlosigkeit zerstört eine Gesellschaft über kurz oder lang.
3. Es war nur eine Frage der Zeit
smi117 20.09.2013
... bis sich extreme Kräfte am linken und rechten Rand bündeln. Angesichts der katastrophalen wirtschaftlichen und sozialen Lage durchaus nachvollziehbar. Das erinnert mich an Deutschland in den Jahren vor der Machtergreifung Hitlers. Gegen diese Nazi-Partei in Griechenland ist die NPD ein Witz. Aber diese Entwicklung hat natürlich nichts mit dem Friedens- und Wohlstandsprojekt EURO zu tun...
4. goldene Morgenröte?
ullionair 20.09.2013
klingt nach Wagner...hatten wir schon. Auch kommen Erinnerung an goldene Horde hoch, wobei Horde im Fokus steht. Meine Fresse, haben Teile von Europa (Ungarn, Slowenen und jetzt auch Teile der Griechen) aus unserer,der italienischen oder spanischen Faschistenscheisse nix gelernt? Wenn man nix mehr hat dann ist man sooo stolz darauf, was man für eine großartige Nation ist UND NICHT MAL WAS DAFÜR KANN! Einen deutschen Arsch zu haben zum Beispiel. Dafür hat keiner von uns was getan. National gesinnt sein, reicht nur so lange bis der Magen nicht lauter knurrt als die Gesänge zur Liebe des Vaterlandes. Danach wandert man dahin ab wo ARBEIT UND BROT ist. Mich würde z.B. die Ideen eines nationalsozialistischer Somali intressieren...
5. Tja, wir haben eine Situation in Griechenland...
joG 20.09.2013
....erzwungen wie die Franzosen in Deutschland mit Versailles es taten. Nun fährt Euroland die Ernte ein. Es ist ganz normal, wenn eine Regierung solche, die glauben das Widerstandsrecht wahrnehmen zu können, mit Waffengewallt zerschlägt. Das war alles bereits bei der Unterzeichnung des Maastrichter Vertrags eine erkennbare Gefahr. Europäische Regierungen, die Bundesbank und das BundesVerfassungsgericht nahmen dieses Risiko billigend in Kauf. Warum nun klagen?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Neonazis in Griechenland: Angst vor der Morgenröte

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: