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Kaltstart für die Wirtschaft: Griechenland braucht den Aufbau Ost!

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Flagge vor der Akropolis in Athen: Geeintes Deutschland als Vorbild? Zur Großansicht
AP/dpa

Flagge vor der Akropolis in Athen: Geeintes Deutschland als Vorbild?

Damit Griechenland vom Geldtopf der Europäer loskommt, muss seine Wirtschaft endlich angekurbelt werden. Deutschland könnte helfen, Angela Merkel müsste nur einem Beispiel folgen: Helmut Kohl.

In einem haben die Unionsabgeordneten, die heute gegen neue Milliarden für Griechenland stimmen, ja recht. Der neue Scheck, den die Europäer mithilfe des deutschen Bundestages für die Griechen ausstellen, wird nicht der letzte sein. Doch es hilft nichts, immer nur gegen Angela Merkels Rettungspolitik zu stänkern. Die Chance, die Griechen aus dem Euro zu werfen, wurde beim letzten EU-Gipfel vertan. Jetzt muss der eingeschlagene Weg zum Erfolg geführt werden. Das immerhin ist, um es im Merkel-Sprech zu sagen, "alternativlos".

Was Griechenland mindestens so dringend braucht wie eine neue Finanzspritze, ist ein Plan, wie die Wirtschaft des Landes wieder in Schwung kommt.

Seit mehr als fünf Jahren läuft die sogenannte Griechenlandrettung nach dem gleichen Muster ab: Die Politiker in Brüssel verabschieden zähneknirschend ein neues Rettungspaket. Kritiker in den Geberländern geißeln die Hilfen als Geld, das in einem Fass ohne Boden versinkt. Und die Griechen begreifen den Milliardensegen groteskerweise noch nicht mal als Hilfe, sondern wegen der damit verbundenen Auflagen als Demütigung. Mit Sozialabbau und Rentenelend lässt sich keine Begeisterung für Europa entfachen. Der Euro, der die Europäer einen sollte, wird so immer mehr zum Spaltpilz.

Das ändert sich nur, wenn sich die Lage der Menschen in Griechenland rasch verbessert. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat daher recht, wenn er versucht, die Eurorettung mit einem milliardenschweren Investitionspaket für die Not leidenden Länder von Griechenland bis Italien zu flankieren. Es muss nur richtig gemacht sein.

Gerade Deutschland könnte dabei Expertise einbringen und dafür sorgen, dass europäische Gelder nicht in sinnlosen Infrastrukturprojekten versickern. Merkel sollte sich Helmut Kohl zum Vorbild nehmen, ausgerechnet den CDU-Übervater, den sie als junge Generalsekretärin vom Thron stieß. Bei der deutschen Wiedervereinigung zögerte Kohl nicht lange und rief den Aufbau Ost für die darbende DDR-Wirtschaft ins Leben. Beileibe nicht alles war ein Erfolg, und natürlich lässt sich die Situation Griechenlands nicht eins zu eins mit der Lage Deutschlands vor 25 Jahren vergleichen. Doch einige Zutaten von damals könnten auch heute weiterhelfen.

Hilfe beim Aufbau neuer Strukturen

Mit Steueranreizen und Abschreibungsmodellen könnte die griechische Regierung, wie vor 25 Jahren die deutsche, dafür sorgen, dass private Unternehmen mehr investieren. Experten der EU könnten den Griechen genauso bei der Modernisierung des Staatsapparats und beim Aufbau einer effizienten Verwaltung helfen, wie es die Bonner Beamten einst in Magdeburg oder Dresden taten. Griechischer Solarstrom könnte zum Exportschlager werden, wenn Europa seine Netze entsprechend ausbaut und die griechische Regierung die Investitionsmöglichkeiten für ausländische Unternehmen verbessert.

So könnte Vertrauen, das die Syriza-Regierung in den vergangenen Monaten nicht nur bei den europäischen Partnerregierungen, sondern auch bei internationalen Unternehmen zerstört hat, wieder aufgebaut werden.

All das wäre ein Anfang. Und gerade die Geschichte der Wiedervereinigung lehrt, dass blühende Landschaften nicht über Nacht kommen. Doch mit Sparen allein kommen sie eben überhaupt nicht.

Zum Autor
Peter Müller ist Korrespondent im Brüsseler Büro des SPIEGEL.

E-Mail: Peter_Mueller@spiegel.de

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insgesamt 162 Beiträge
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1. ...der war aber ein Fehler
tadelicious 19.08.2015
tut mir leid aber der Aufbau Ost ist weiterhin und bleibt auf unabsehbare Zeit ein riesen Fehler. Da werden Gelder quasi verbrandt und was haben wir bekommen. Einen Haufen Rechte, sinnvolle Investition?
2.
Volksverretter 19.08.2015
"Damit Griechenland vom Geldtopf der Europäer loskommt, " Man koennte sagen, das 35 Jahre Geldtopf doch irgendetwas haetten veraendern muessen. Ach, die EU ist hier nicht 'die Europaer', die Euroideologen sind hier die Europaer. Na dann: Ist nicht gewollt, loskommen vom Geldtopf.
3. finde ich super
norbertb. 19.08.2015
Wie müssen den grecos helfen! :-)
4. Naiv
stefan.p1 19.08.2015
ist der der glaubt das sich die Probleme der Griechen mit Geld lösen läßt. Denn Griechenland hat ja nicht nur ein Problem mit seinen Schulden sondern auch ein ebenso Großes mit der Zahlungsmoral der eigenen Landsleute. Damit meine ich nicht nur die Milliardäre sondern auch den kleinen Pommesbuden Besitzer - der Steuer hinterzieht wo er nur kann! Wenn sich von der Seite her nichts ändert bleibt Griechenland ein Faß ohne Boden. Und zu glauben das sich die Mentalität der Griechen mal ebenso ändern läßt ist einfach Naiv.
5.
Wolffpack 19.08.2015
Hö? Man lässt doch schon Milliarden dort versickern.
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 10,858 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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