Reparationsforderungen von Griechenland Auswärtiges Amt signalisiert Kompromissbereitschaft

Keine Reparationszahlungen, dafür aber mehr Geld für die deutsch-griechische Versöhnung? Im Streit um Entschädigung für Kriegsverbrechen signalisiert das Auswärtigen Amt nun Zustimmung für diesen Kompromiss.

Die griechische Regierung fordert Reparationszahlungen von Deutschland
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Die griechische Regierung fordert Reparationszahlungen von Deutschland


Berlin - Für die Kriegsverbrechen in Griechenland während des Zweiten Weltkriegs hatte Athen Entschädigungszahlungen gefordert. Während die Bundesregierung solche Zahlungen bisher kategorisch ablehnte, hat sich der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth, nun offen für die Idee gezeigt, den deutsch-griechischen Zukunftsfonds aufzustocken.

"Einer bedarfsgerechten Anpassung stehe ich offen gegenüber, wenn unser Angebot weiterhin auf ausreichendes Interesse auf griechischer Seite stößt", sagte der SPD-Politiker dem "Handelsblatt". Damit könnte ein Kompromiss in dem Streit bedeuten, dass Deutschland zwar keine Reparationen für NS-Verbrechen im Zweiten Weltkrieg zahle, dafür aber mehr Geld für die deutsch-griechische Versöhnung ausgebe.

Bislang war die deutsche Position starr: Die Bundesrepublik sei sich ihrer historischen Verantwortung bewusst, die Frage sei aber politisch und rechtlich geregelt, hieß es. Der griechischen Regierung wurde zudem vorgeworfen, die Reparationsforderungen mit dem aktuellen Streit um Griechenlands Finanzlage zu vermischen.

Den Fonds hatte das Auswärtige Amt 2014 ins Leben gerufen. Er ist bisher mit einem Jahresbudget von einer Million Euro ausgestattet. Ziel ist es, wissenschaftliche und gesellschaftliche Projekte zu fördern, die "der Versöhnung und der historischen Aufarbeitung zwischen Deutschland und Griechenland dienen".

Zustimmung kommt von den Grünen: Laut dem innenpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktion, Volker Beck, ist klar, "dass während der deutschen Besatzung Griechenlands schreckliche Verbrechen begangen wurden". Im "Handelsblatt" betonte er, wie "wichtig heute Signale wären, dass Deutschland sich dieser Geschichte bewusst ist".

Die Grünen-Politikerin Renate Künast hatte sich zuvor bereits für die Einrichtung einer Stiftung für griechische Opfer der Nazi-Besatzung ausgesprochen. Sie äußerte zu SPIEGEL ONLINE ihre Erwartung, dass die Bundesregierung "ein Zeichen setzt und jenseits der Reparationsdebatte für noch lebende Betroffene eine finanzielle Unterstützung bereitstellt".

vek/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 58 Beiträge
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MarkusH. 19.03.2015
1.
voll dafür. stockt diesen Fonds auf, das kommt dann auch den bürgern zugute und kann nicht zum löcher stopfen mißbraucht werden
2401brigi 19.03.2015
2. Da schau an ...
da hat die Regierung in Athen doch schon etwas erreicht. Das in Deutschland empfundene nervige Auftreten ist doch das einzige Pfund, mit dem sie antreten können. Das sind erstmals richtige Töne aus Deutschland. Alles andere wirkt schon peinlich, wie Gesine Schwan das so schön beschrieb.
Bitjaeger 19.03.2015
3. puuhh wartet doch mal ab....
Mir wird schon wieder schlecht wenn ich das Politikergequatsche höre... Wie wäre es mit dem Thema erstmal abzuwarten bis klar ist wie viel Steuergelder in Form von Bürgschaften/Krediten an Griechenland verlieren, wir stecken da mit vielen Milliarden drin. Der wahrscheinliche Verlust dieser Steuergelder ist wohl größer als die Reparationsbeträge die da im Raum stehen. Warum soll Deutschland 50? 80? Milliarden wegen eines Ausfalls Griechenlands verlieren und dann noch Milliarden für Reparationen drauflegen?
dreifragezeichen 19.03.2015
4.
Also doch! Warum also immer so lange Diskussionen. Die GROKO knickt ein. Irgendwie lächerlich.
christiewarwel 19.03.2015
5. Die,
die am lautesten schreien, bekommen das meiste Geld.
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